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Derzeit sind große Mengen Desinfektionsmittel nötig.

Hygiene

Corona-Virus: Desinfizierung dringend erbeten

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Reinigungsunternehmen haben es wegen des Corona-Virus gerade mit einer Flut von Aufträgen zur hygienischen Säuberung zu tun.

In den vergangenen zwei Wochen habe seine Firma einen Tsunami erlebt, sagt Oliver Munzel. Der Inhaber der All-Service Gebäudedienste ist unter anderem für das Desinfizieren von Büros, großen Unternehmen, Supermärkten oder öffentlichen Einrichtungen zuständig. Problematisch sei, dass Desinfektionsmittel fehlten. Oder sie würden zu absurden Preisen angeboten.

„Wir haben allerdings Glück“, sagt Munzel. Denn man habe einen pfiffigen Einkäufer, der den Markt scanne. Sonst wäre man in Schwierigkeiten.

Natürlich machten sich auch viele Mitarbeiter Sorgen um ihre Gesundheit, der Krankenstand sei schon erhöht, so Munzel. Aber er achte darauf, dass seine Angestellten geschützt sind. Wenn sie nicht mit Menschen in Kontakt kommen, reichten Handschuhe und Desinfektionsmittel. Aber wenn es sein muss, seien sie auch mit Masken, Brillen und Anzügen im Einsatz, das sehe dann schon unwirklich aus.

Neuanfragen könne man momentan kaum bedienen, sagt Munzel. „Unsere Kunden haben da Vorrang.“ Auch wenn viele Kunden in Kurzarbeit gingen oder geschlossen haben und ihre Dienste gerade nicht brauchten. „Das ist eine sehr unschöne Situation.“ Es gebe aber noch genug zu tun.

Auch andere Frankfurter Firmen, die Desinfektionen durchführen, berichten von vermehrten Anfragen, vor allem von Unternehmen, private Haushalte eher weniger, sagt ein Chef. Viele wollen erstmal ein Angebot oder Kostenvoranschlag.

„Wir sind im Dauerbetrieb“, sagt auch Marcell Engel, Inhaber der Firma Akut SOS Clean, die bundesweit tätig ist. Er schicke seine Mitarbeiter aus Frankfurt auch in andere Städte. Gastronomen bräuchten ihre Dienste im Moment weniger. Aber überall, wo noch Produktion stattfindet, werde die Firma eingesetzt. Gerade habe ein Logistikunternehmen angefragt, ob Akut SOS Clean deren Fahrzeuge reinigen können. Aber das könne man nicht leisten, sagt Engel. Anderen Firmen werde es jedoch ähnlich gehen. „Darum haben wir überlegt, wie wir helfen können und wollen einen Videoleitfaden erstellen, so dass Mitarbeiter eigenverantwortlich desinfizieren können.“ Das Aufklärungsvideo soll nächste Woche fertig sein.

Ist nach einer Desinfektion wirklich alles keimfrei? Laut Engel schon. „Die Hygienestandards kann man teilweise mit einem OP vergleichen.“ Wenn man etwa ein Büro desinfiziere, setze man zunächst einen Feinnebel ein. Dann würden alle Touchflächen wie Griffe, Mäuse, Tastaturen, Oberflächen und WCs desinfiziert – auf Wunsch sogar Stifte. Desinfektionsmittel habe er auch genug, man habe schon lange ein eigenes Mittel, das reiche für ein Jahr, erklärt er. „Wir haben eine Riesenlagerhalle in Frankfurt gemietet.“

Engel könnte doppelt so viele Mitarbeiter einstellen, nach Aufträgen gerechnet. „Das Problem ist, dass es nicht so viele Fachkräfte gibt.“ Und von heute auf morgen könne man sie nicht ausbilden. Das wäre ein Vorhaben für die Zukunft.

Es gibt allerdings auch Unternehmen, vor allem kleinere, die Schwierigkeiten haben. „Uns wurden viele Aufträge gestrichen“, sagt ein Geschäftsführer einer Frankfurter Firma, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Da Kindergärten und Schulen und andere Unternehmen geschlossen sind, muss dort etwa nicht geputzt werden. Seine Mitarbeiter müsse er aber trotzdem bezahlen. Noch wisse er nicht, ob er trotzdem Geld für den Ausfall bekomme. Hier müsse der Staat einspringen.

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