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Pandemie

Betrug in Corona-Testzentren: Beschwerden in Frankfurt nehmen zu

In Frankfurt liegt das Negativ-Ergebnis teilweise schon nach zwei Minuten vor. Jetzt will das Gesundheitsamt einschreiten.

Frankfurt am Main - In Frankfurt gibt es Beschwerden über unsaubere Arbeit und mangelnde Hygiene in Corona-Testzentren. Das Gesundheitsamt will den Fällen nachgehen. Allerdings hat die Behörde keine Übersicht darüber, wie viele Teststellen es in Frankfurt überhaupt gibt.

Der Stadtverordnete Nico Wehnemann (Die Partei) berichtete von seinen Erfahrungen in einem Testzentrum im Bahnhofsviertel. Die Mitarbeiter:innen hätten in dem engen Raum keine Masken getragen. Der Abstrich – unter der Zunge – habe nur drei Sekunden gedauert. Das Ergebnis („negativ“) habe nach fünf Minuten vorgelegen. Wehnemann will die Zustände im Stadtparlament thematisieren.

Corona-Tests in Frankfurt: Ergebnis nach nur zwei Minuten

Die FR schickte eine Reporterin in das Testzentrum. Sie bestätigte die Schilderung. Ein Mann, der weder Maske noch Handschuhe getragen habe, habe den Test durch ein Loch in einer Plexiglasscheibe durchgeführt. Dazu habe er etwa fünf Sekunden lang einen Abstrich an beiden Wangen genommen. Das Ergebnis (ebenfalls negativ) habe er bereits nach zwei Minuten verkündet.

Die Corona-Testzentren stehen in der Kritik (hier das Testzenrum am Flughafen).

Fachleute weisen darauf hin, dass das Ergebnis bei einem seriösen Schnelltest erst nach 15 Minuten vorliege. Außerdem sei es mit einem kurzen Abstrich im vorderen Mundbereich, wie ihn Wehnemann und die FR-Reporterin erlebt hatten, in der Regel nicht getan. Vielmehr seien tränende Augen (beim Nasenabstrich) oder ein kurzer Würgereiz ein Zeichen für einen professionell durchgeführten Test.

Frankfurt: Beschwerden über Corona-Testzentrum in Innenstadt

Beschwerden gibt es auch über ein Testzentrum in einem Hotel in der Frankfurter Innenstadt. Dort hätten sich zuletzt lange Schlangen gebildet, in denen die Abstandsregeln nicht eingehalten worden seien, berichtete ein verärgerter Kunde. Auch im Testzentrum sei es zu eng gewesen. Das Personal habe auf Nachfrage erklärt, es sei Sache der Kundinnen und Kunden, auf die Abstände zu achten.

Dem Frankfurter Gesundheitsamt seien beide Fälle bekannt, sagte Kirsten Gerstner, Referentin im Dezernat von Stefan Majer (Grüne), auf Anfrage der FR. Man werde in den beiden Zentren Kontrollen vornehmen, kündigte sie an.

Überblick über Lage in Corona-Testzentren kaum möglich

Allerdings wird es für das Gesundheitsamt immer schwieriger, einen Überblick über die Lage in den Testzentren zu bekommen. Als die ersten Schnelltests auf den Markt kamen, setzte die Behörde auf Teststationen in Arztpraxen und Apotheken oder in Gewerberäumen, die von großen Hilfsorganisationen angemietet wurden. Private Firmen wurden laut Gerstner nur in Stadtteilen mit mäßiger medizinischer Versorgung tätig. Mittlerweile aber gibt es in Frankfurt eine schier unüberschaubare Fülle an Teststationen. Und nur wer kostenlose Bürgertests anbieten will, braucht eine Genehmigung des Gesundheitsamts. Ansonsten gilt: Wer die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt – die vor allem aus einer Schulung des Personals bestehen – kann testen.

Insofern sei das Gesundheitsamt bei der Suche nach unseriösen Anbietern auf Hinweise angewiesen, sagte Gerstner. Darüber hinaus könne die Behörde nur stichprobenartig kontrollieren.

Nach dem Skandal um mutmaßlich falsche Abrechnungen in Testzentren kommt nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nun weitere Arbeit auf die Gesundheitsämter zu. Sie sollen Kontrollen in den Einrichtungen organisieren, um sicherzustellen, dass nicht mehr Tests berechnet als durchgeführt werden. Kirsten Gerstner sieht diese Aufgabe nicht in erster Linie bei den kommunalen Behörden. Gefragt seien die Kassenärztliche Vereinigung und die Finanzämter.

In Hessen angeblich keine Betrugsfälle in Corona-Testzentren bekannt

Der hessische Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) wies in der „Hessenschau“ darauf hin, dass es unter den privaten Betreibern nur wenige „schwarze Schafe“ gebe. In Hessen seien keine Betrugsfälle bekannt. Für die Kontrollen seien die Bundesländer nicht zuständig.

Unterdessen rüsten sich Testzentren in Hessen für mögliche Massentestungen. „Wenn Großveranstaltungen wie Fußballspiele und Messen wieder losgehen, rechnen wir mit einem Ansturm“, sagt etwa Bosko Nedovic vom Covimedial-Testzentrum in Kassel. In dem kürzlich eröffneten Zentrum können ihm zufolge bis zu 10 000 Tests täglich durchgeführt werden. (Alina Hans und Georg Leppert mit dpa)

Rubriklistenbild: © Monika Müller

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