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Corona-Sperrstunde in Frankfurt: Die Polizei hatte am Wochenende in Alt-Sachsenhausen mal wenig zu tun.

Neue strenge Regeln

Corona-Sperrstunde in Frankfurt: Unschuldige Gesichter ohne Maske unterwegs

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Corona in Frankfurt: Wer nichts besseres zu tun hat, bedeckt wie vorgeschrieben Mund und Nase. Die Innenstadt ist dank Sperrstunde nach 23 Uhr ausgestorben.

  • Trotz steigender Corona-Infektionszahlen tragen in Frankfurt viele Menschen keine Maske.
  • Frankfurt gilt als ein bundesweiter Corona-Hotspot, die Stadt hat die Regeln verschärft.
  • Unter anderem auf der Einkaufstraße Zeil gilt die Maskenpflicht, ab 23 Uhr ist in ganz Frankfurt Sperrstunde.

Frankfurt - Das Pärchen läuft am Samstagvormittag womöglich noch etwas verträumt durch Frankfurt-Bockenheim. Jetzt erreichen sie die Leipziger Straße, in der seit Freitag die Pflicht herrscht, Mund und Nase zu bedecken. Das Paar schlendert unmaskiert weiter. Ob es ihnen anhand der vielen Maskierten um sie herum dämmert oder sie einen Hinweis erhalten haben, bleibt ungewiss. Jedenfalls ziehen sie nach etwa 100 Metern gesetzeswidriger Flaniererei ihre Masken auf.

In Frankfurt ist die Bereitschaft, sich an die neue Corona-Schutzverordnung zu halten, grundsätzlich da

So wie dem Pärchen geht es am Wochenende vielen Menschen in Frankfurt. Die Bereitschaft, sich an die neue Schutzverordnung zu halten, ist grundsätzlich da, aber es gibt so viel anderes zu tun und zu bedenken. Auf der Zeil etwa, der trubeligen Einkaufsstraße, gilt am Samstag: Wer nichts Besseres zu tun hat, zieht eine Maske auf.

Besseres zu tun bedeutet zum Beispiel: eine Zigarette rauchen, sich vor einem Schaufenster küssen, geistig abwesend sein, gescheit telefonieren oder aber essen und trinken. Vor dem Brockhausbrunnen, und damit mitten auf der Zeil, steht am Samstagnachmittag ein mobiler Würstchenverkäufer. Auf die Frage, ob seine Kunden die Würstchen auf der Zeil ob der Maskenpflicht überhaupt essen dürften, stutzt der Mann kurz, kontert dann aber mit bestechender Logik: „Essen ist essen.“ Der Würstchenmann legt gleich noch nach: „Wer Hunger hat, muss essen, das ist doch logisch.“

Jedenfalls logischer, als maskiert, aber ohne böse Absicht durch die Straßen zu laufen. So haben diejenigen, die ohne Maske in Frankfurt unterwegs sind, allesamt ganz unschuldige Gesichter, weil sie ohne Ausnahme gerade vermeintlich Wichtigeres im Kopf haben. Ist ja auch nicht einfach sich zu merken, in welchen Straßen jetzt Mund und Nase bedeckt werden müssen und in welchen nicht. Im Oeder Weg etwa, einer ruhigen Einkaufsstraße im Stadtteil Nordend, würden viele es eher nicht vermuten.

Vielleicht sind dort deswegen am Samstagnachmittag so viele Einkäufer ohne Maske unterwegs. Auf der quirligen Berger Straße könnte man schon eher auf die Idee kommen, sich zu maskieren. Aber dort gibt es auch leckeres Eis und das isst sich ohne Maske so viel besser.

Am ersten Wochenende mit neuen Corona-Regeln wird in Frankfurt nicht kontrolliert

Doch am ersten Wochenende hat die Stadtpolizei allen Besitzern von Mund und Nase offensichtlich noch eine Schonfrist gewährt. Kontrolliert wird die Einhaltung der Maskenpflicht nicht, die 50 Euro Strafe würden ohnehin erst im Wiederholungsfall fällig, hat das Ordnungsamt vorab versprochen. Ebenfalls unbehelligt bleiben versprengte Biertrinker, die es sich an dem sonnigen Nachmittag vereinzelt auf dem Luisenplatz, dem Friedberger Platz oder in der Innenstadt gemütlich gemacht haben.

Maskenpflicht in Frankfurt: Die eine macht’s, die andere nicht.

Wer da noch glaubt, die Stadtpolizei mache sich tagsüber so rar, um abends mit voller Kapelle die Einhaltung der Sperrstunde in Frankfurt zu kontrollieren, der irrt. Auch abends sind die städtischen Bediensteten nicht zu sehen, aber auch gar nicht notwendig. Viel los ist an dem kalten Oktoberabend ohnehin nicht in der Stadt. In einigen Läden, in denen das Länderspiel Ukraine – Deutschland übertragen wird, sitzen die Gäste gesittet an Tischen.

Corona in Frankfurt: „Die Gastronomen haben Angst vor einem zweiten Lockdown“

Etwa in der Gastronomie am Eschenheimer Turm in Frankfurt. Dort kehrt um kurz vor 23 Uhr ein Trio mit seinen Fahrrädern ein. Vergnügt lassen sich die drei an einem der freien Tische nieder. Bis eine Bedienung kommt und ihnen eröffnet, dass es leider schon ein bisschen spät sei, um noch etwas trinken zu dürfen. Ohne Murren zieht das Trio wieder ab. „Wir haben von der Sperrstunde gewusst, aber nicht, dass es schon so spät ist“, erklärt einer von ihnen. In der Oper seien sie gewesen, „The Medium“, und hätten jetzt noch ein bisschen darüber quatschen wollen. „Es gibt Schlimmeres“, sagt einer der drei gelassen zu der Sperrstunde. So wird es wohl auch andernorts gesehen.

Im Helium in der Bleidenstraße geht es 20 Minuten vor Zapfenstreich noch recht ausgelassen zu, der Laden ist innen und vor allem außen voll, Musik läuft, die Stimmung scheint ausgelassen. Eine halbe Stunde später werden die Markisen eingefahren, die letzten Gäste verlassen die Bar. „Die Gastronomen haben Angst vor einem zweiten Lockdown“, sinniert eine Nachtschwärmerin über die Besonnenheit der Barbesitzer in Frankfurt.

Auch das Bahnhofsviertel in Frankfurt ist leergefegt - die Corona-Sperrstunde hat Folgen

So ist Frankfurt nach 23 Uhr leer und dunkel. Auch die sonst brodelnde Münchner Straße im Bahnhofsviertel ist leergefegt. In der Moselstraße ist ein größerer Polizeieinsatz, doch der hat nichts mit der Corona-Pandemie zu tun. Aber in Alt-Sachsenhausen wird doch noch was los sein. Dort, wo Nachteulen schon mal das Randalieren anfangen, wenn sie morgens um vier nichts mehr zu trinken kriegen.

Von der Untermainbrücke aus wirkt die Stadt dunkler als am „Earth Day“, an dem so bemüht Strom gespart werden soll. In der Schweizer Straße fehlt nur noch ein Tumbleweed, um das Bild der Geisterstadt zu komplettieren. Auch Alt-Sachsenhausen ist dank Corona um 23.30 Uhr fast menschenleer. An der Ecke Große Rittergasse/Frankensteiner Straße langweilt sich ein Dutzend Polizisten oder genießt die Ruhe. „Nichts zu tun, wie?“ – „Sie ja auch nicht“, kontert eine Polizistin. (Oliver Teutsch)

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