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Ein Intensivpfleger arbeitet auf der Intensivstation des Krankenhauses Bethel Berlin an einer an Covid-19 erkrankten Patientin.
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Mitunter müssen Covid-19-Infizierte nicht nur auf Intensivstationen behandelt werden, sondern später auch zur Reha.

Langzeiterkrankungen

Frankfurter Ärzte berichten: Post-Covid belastet Menschen und Sozialsysteme

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Ärzte der BGU Frankfurt berichten über Erfahrungen mit lang anhaltenden Symptomen nach einer Corona-Erkrankung.

Frankfurt – Die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik (BGU) Frankfurt war vor kurzem Gastgeber des alljährlichen Reha-Symposiums der BG-Kliniken in Deutschland. Neben spezifischen Themen für die berufsgenossenschaftlichen Kliniken ging es auch um die langfristigen Folgen einer Covid-19-Erkrankung. Die BG-Kliniken behandeln Menschen, die sich mutmaßlich im Berufsumfeld mit Corona infiziert haben.

Christoph Reimertz, wissenschaftlicher Leiter des Reha-Symposiums und Chefarzt der Abteilung BG Service- und Rehabilitationszentrum in Frankfurt, erklärt, dass zwischen Long-Covid und Post-Covid unterschieden werde: Ein Long-Covid-Verlauf liegt vor, wenn die Patient:innen noch 30 Tage nach einer Covid-Infektion Beschwerden haben. Wenn die Beschwerden auch drei Monate nach der Infektion weiter bestehen, spreche man von einem Post-Covid-Verlauf.

Etwa 15 Prozent der Erkrankten erleiden einen Post-Covid-Verlauf

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften gehe aktuell davon aus, dass etwa 15 Prozent der Erkrankten einen Post-Covid-Verlauf erleiden, bei Jugendlichen wird ein geringerer Anteil vermutetet. Valide Zahlen gebe es in der Altersgruppe aber nicht. Aktuell zeigten die Zahlen, dass Frauen etwas vermehrt unter Long-Covid leiden.

„Die Beschwerden, die die Patienten haben, sind völlig heterogen“, sagt der 53-Jährige im Gespräch mit der FR. Dies könnten Riechstörungen, Konzentrationsschwächen, Kopfschmerzen, ein Erschöpfungssyndrom, aber auch neurologische Störungen oder Herzbeschwerden sein. Ein großes Problem sei, dass die Ärzte und Ärztinnen nicht genau wissen, wie diese unterschiedlichen Symptome hervorgerufen werden. „Wir behandeln den Patienten symptomatisch.“ Man behandle also, was man sehe, und nicht die Ursachen. Bei der Behandlung bedürfe es einer hohen Interdisziplinarität, um einen gemeinsamen Therapievorschlag zu entwerfen.

Ein Therapieangebot für Post-Covid-Patient:innen soll kommen

In der Fachwelt gebe es bereits Theorien, warum es zu so vielfältigen Beschwerden komme. Eine Theorie besagt, dass kleinste Blutgefäße verstopft werden, die dann an unterschiedlichen Körperstellen entsprechende Symptome hervorrufen. Ein Teil der Beschwerden ließe sich damit erklären. Bei den psychischen Veränderungen und dem Erschöpfungssyndrom besagt eine Theorie, dass durch die Infektion ein Entzündungssturm auf zellulärer Ebene ausgelöst wird, der dann in unterschiedlichen Bereichen des Körpers Symptome hervorrufen kann.

Die Hoffnung sei, dass sich bei fortschreitender Erforschung der Krankheit geeignete Therapiemaßnahmen erkennen lassen, mit denen die Erkrankten behandelt werden können. Beim Frankfurter Reha-Symposium habe man sich darauf verständigt, dass man ein abgestimmtes Therapieangebot für Post-Covid-Patient:innen entwerfen möchte. Unter anderem, weil etwa Erkrankte, die am Erschöpfungssyndrom leiden, von herkömmlichen Rehamaßnahmen überfordert sind.

Viele Post-Covid-Verläufe belasten die Sozialsysteme

Christoph Reimertz berichtet, dass in den Krankenhäusern versucht werde, sich Kapazitäten freizuschaufeln, „damit wir Platz für die Patienten haben“. Das umfasse etwa auch mehr Sprechstunden. „Das ist eine zusätzliche Belastung.“ Viele Post-Covid-Verläufe seien auch eine erhebliche Belastung für die Sozialsysteme. Zwar seien nicht alle Erkrankten arbeitsunfähig, aber ein signifikanter Teil stehe dem Arbeitgeber häufig nicht zur Verfügung.

Christoph Reimertz.

Gordon Krahl, Neuropsychologischer Leiter der Psychotraumatologie an der BGU Frankfurt, hat speziell die psychischen Auswirkungen der Covid-Erkrankungen im Blick. Zum einen bei den Erkrankten selbst, weil sie einen schweren Verlauf hatten, vielleicht sogar um ihr Leben kämpften, und dadurch psychische Störungen entwickelt haben. Hinzu komme die Belastung durch die Symptome bei Long- oder Post-Covid-Verläufen. Zum anderen beim medizinischen und Pflegepersonal, die ein enormes Arbeitspensum hatten und häufig mit dem Tod konfrontiert waren. „Da konnte es leicht zu einer emotionalen Überforderung kommen.“

Gordon Krahl

Corona macht die Arbeitsbedingungen in der Pflege noch belastender

Krahl schätzt, dass 20 Prozent der Patientinnen und Patienten, die an den BG Kliniken wegen lang anhaltenden Covid-Symptomen behandelt werden, auch psychische Beschwerden haben und psychotherapeutische Maßnahmen benötigen.

Der 50-Jährige denkt, dass die psychischen Probleme bei den angesprochenen Berufsgruppen die Medizin langfristig beschäftigen werden. Auch ohne die zusätzlichen Anforderungen durch Corona seien die Rahmenbedingungen beispielsweise in der Pflege bereits belastend gewesen. Eine kurzfristige Änderung der Rahmenbedingungen sieht Krahl nicht.

Er würde sich eine Anhebung des Personalschlüssels, die flächendeckende Installation von präventiven Interventionsangeboten sowie kürzere Wartezeiten wünschen, bis Menschen psychotherapeutische Hilfe bekommen. Dazu brauche es mehr Therapeuten. „Aus meiner Sicht reicht die Zahl der Psychotherapeuten einfach nicht.“ Es müsse ein Umdenken bei den Kostenträgern geben. (Steven Micksch)

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