Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Runter mit der Corona-Matte: endlich wieder abschneiden, hier im Friseursalon Star in der Europaallee.
+
Runter mit der Corona-Matte: endlich wieder abschneiden, hier im Friseursalon Star in der Europaallee.

Wirtschaftliche Folgen

Lockdown für Friseure beendet: Salons ausgebucht – doch viele stehen vor der Pleite

  • VonTomas Cabanis
    schließen

Auch in Frankfurt dürfen Friseure wieder Haare schneiden. Trotz des großen Andrangs stehen viele nach einem Jahr Corona-Krise schlecht da.

  • Durch den Lockdown und das Schließen vieler Geschäfte soll das Coronavirus eingedämmt werden.
  • Seit Anfang März dürfen auch in Frankfurt die Friseure wieder öffnen.
  • Der hessische Innungsverband des Friseurhandwerks befürchtet, dass viele Salons nicht wieder öffnen werden.

Frankfurt – Während Esma Güreli Haare schneidet, wird nicht nur über Corona gesprochen. „Du hast aber eine schöne Frisur bekommen“, sagt die Salonbetreiberin von „Haarschön und Bildhübsch“ und fährt ihrem Stammkunden durch den braunen Lockenkopf. „Habe ich das immer mit der Maschine oder mit der Schere gemacht?“ Sie sei nicht nur Friseurin, sondern auch Psychologin, erzählt sie. „Wir reden hier über alles, vor allem aber über schöne Dinge“, sagt die 34-Jährige lachend.

Der gestrige Montag ist ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Salons, denn das Lachen dürfte vielen Friseur:innen in den vergangenen elf Wochen vergangen sein. Seit dem 16. Dezember mussten die Betreiber:innen ihre Läden schließen und Überbrückungshilfen beantragen. Und viele bangen um ihre Existenz.

Frankfurt: Schwere wirtschaftliche Folge nach langem Lockdown für Friseure

Wenig Rücksicht auf die prekäre Lage der Saloninhaberinnen und -inhaber nahmen allerdings die Finanzämter und die Handwerkskammern, die zu Beginn des Jahres Steuervorauszahlungen oder Kammerbeiträge einforderten, wie am Montag eine genervte Friseurin in Darmstadt berichtete. Auch sei es einfacher gewesen, bei der Hausbank einen Kredit zu beantragen, um die laufenden Kosten zu begleichen, als sich mit Hilfe von Steuerberatern mit den Formularen auseinanderzusetzen. Bei einigen Geschäften in Frankfurt bleibt indes die Gittertür auch am 1. März unten. Sie haben es finanziell nicht geschafft, weil die Überbrückungshilfen noch nicht überwiesen worden sind. Der hessische Innungsverband des Friseurhandwerks rechnet damit, dass zwischen zehn und zwanzig Prozent der Läden nicht wieder öffnen werden.

Für den Rest verlief der erste Arbeitstag im neuen Jahr stressig, an den nächsten Tagen wird es nicht anders sein. Denn es gibt einiges zu tun. Viele Friseursalons sind die kommenden Wochen ausgebucht. Um dem Kundenandrang gerecht zu werden, haben einige Geschäfte, wie etwa in Oberursel, schon um Mitternacht ihre Türen geöffnet. Esma Güreli war das zu früh. Sie freue sich, wieder Haare zu schneiden, doch man müsse es entspannt angehen. „Es war nervig, dass wir nicht früher öffnen konnten“, sagt die Wetzlarerin, die in Frankfurt arbeitet. Trotz des positiven Starts wünsche sie sich mehr Wertschätzung. Haare gut zu schneiden, sei nicht einfach.

FOTO TAGESSATZ

Freude über Öffnung trotz Lockdown: Friseure in Frankfurt schneiden wieder Haare

Das hat auch Marco Thielemann gemerkt. Der 23-Jährige steht vor dem Laden und hat einen Termin ausgemacht. „Ich habe an Weihnachten meinen Brüdern die Haare geschnitten, und es sah mittelmäßig aus“, erzählt der Bürokaufmann. Dass die Friseure wieder geöffnet haben, freue ihn sehr: „Das ist wie so ein kleines Leckerli im Lockdown.“ Ein Erlebnis, das an Normalität erinnere.

In den vergangenen Monaten hätten sich mehr Menschen die Haare selbst geschnitten, sagt Michael Alaoui-Mrani, Geschäftsführer des cut/club. Sein Salon habe zwar im gesamten März keine freien Termine mehr, doch kämen weniger Menschen als nach dem ersten Lockdown im vorigen Jahr. „Wir freuen uns, aber wir wissen, wie schwer es wird“, sagt Alaoui-Mrani. Geöffnet zu haben, heiße nicht, auch zu überleben. „Vom Staat bin ich völlig enttäuscht, weil die Schließung und die Hilfen komplett undurchdacht ablaufen“, sagt der Friseurmeister. Die dritte Überbrückungshilfe komme zu spät an. „Es geht nicht mehr darum, ob wir uns den nächsten Urlaub leisten können, sondern um Essen und Grundbedürfnisse.“

Kritik von Friseuren in Frankfurt: Corona-Hilfen kommen zu spät

Auch Burim Awdi hofft, dass ihm ein dritter Lockdown erspart bleibt. Der Betreiber des Star Hairstyle organisiert die Termine in seinem Laden. „Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir nie geschlossen“, sagt der 21-Jährige. Er kenne niemanden, der sich in einem Friseurladen angesteckt habe. Die Kund:innen müssen Abstand halten, Maske tragen und ihre Hände desinfizieren. Komplett aufatmen kann der Frankfurter nicht. „Wir müssen schauen, was die Politik macht, die entscheidet aktuell sowieso alles.“

Die Schätzung, dass zehn bis zwanzig Prozent der Frisiersalons schließen werden, führt der hessische Innungsverband auf zwei Gründe zurück: „Viele von ihnen sind insolvent, andere versuchen den Neustart erst gar nicht, weil sie aus Altersgründen sowieso bald aufhören wollten“, sagt der Geschäftsführer René Hain. In den nächsten Monaten werde sich zeigen, welche Läden überlebten. Einige Friseure würden in den kommenden Monaten zudem ihre Preise erhöhen. Grund dafür ist ein neuer Lohn- und Gehaltstarifvertrag, den der Verband 2018 mit Verdi abgeschlossen hat. Er sieht eine Lohnsteigerung zum 1. Januar 2021 vor. Viele Betriebe konnten diese jedoch aufgrund der coronabedingten Schließung noch nicht berücksichtigen. (Tomas Cabanis mit jjo)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare