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Corona: Leere Wegscheide

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Von: Steven Micksch

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Wenn Schnee liegt, ist es auf der Wegscheide besonders schön.
Wenn Schnee liegt, ist es auf der Wegscheide besonders schön. © Stiftung Wegscheide

Das Frankfurter Schullandheim hatte 2020 keine einzige Klassenfahrt zu Gast.

Im Frankfurter Schullandheim auf der Wegscheide ist es in diesen Tagen meistens ruhig. Recht logisch, wenn man bedenkt, dass die Saison gerade abgeschlossen ist und die Schulklassen erst in den Osterferien 2022 zurückkehren sollen. Diese gespenstische Stille war im vergangenen Jahr Alltag. Wo sich sonst Kinder im Sonnenschein tummeln, war keine Menschenseele zu sehen. Das hat die Wegscheide auch finanziell gespürt, obwohl die Saison 2021 wieder etwas besser war.

„Die Wegscheide war unheimlich aufgeräumt zu jener Zeit“, erinnert sich Reimund Noack. Er ist der Geschäftsführer der Stiftung Frankfurter Schullandheim Wegscheide, die für die Einrichtung im Spessart zuständig ist. Statt der Ordnung hätte er zwar lieber Kinder vor Ort gehabt, aber angesichts der Corona-Situation 2020 war das unmöglich. Das Kultusministerium hatte nach anfänglich häppchenweisen Verboten der Klassenfahrten irgendwann rigoros entschieden: keine Fahrten mehr in 2020.

„Die Kurzarbeit war ein Segen für uns“, sagt Noack. Ohne sie wäre es nicht machbar gewesen. Sie half die Kosten zu senken und senkt sie noch immer. Die Angestellten der Wegscheide sind noch bis März 2022 in Kurzarbeit. Anfangs sei man kreativ gewesen. Habe Masken genäht, Schilder erneuert, ein Bienenhotel gebaut, gestrichen, gepflanzt. Irgendwann seien aber auch diese Alternativarbeiten zum Erliegen gekommen. Dann ging es in die hundertprozentige Kurzarbeit.

Anders war es in der Frankfurter Geschäftsstelle. Das Abwickeln der Kurzarbeit und das Stellen diverser Anträge für Zuschüsse hielt die Angestellten auf Trab. Am Ende des Jahres standen mehr als 900 000 Euro Minus zu Buche. Anfangs konnte man die Liquiditätshilfe des Landes nutzen, doch dann seien keine weiteren relevanten Landesprogramme gekommen. Ein Sonderprogramm des Bundesfamilienministeriums, angeregt durch den Verband deutscher Schullandheime, brachte Besserung. Damit konnte die Hälfte der Verluste ausgeglichen werden. Auch die Rücklagen seien aufgebraucht worden, trotzdem stand am Ende ein negativer Jahresabschluss.

Dann sprang die Stadt Frankfurt in die Bresche und glich das Minus aus. Nicht unwahrscheinlich, dass sie es auch für das Jahr 2021 tun muss. Dabei bezeichnet Noack den Verlauf der diesjährigen Saison als gut. Ab Juni gab es wieder Klassenfahrten, insgesamt kam aber nur ein Drittel der üblichen Belegung. Im Laufe der Saison habe es einen Corona-Fall bei einer Klasse gegeben, die dann abreisen mussten. „Wir haben hier günstige Beherbergungsmöglichkeiten. Die Gruppen bleiben für sich“, sagt Noack. Auch für die Kinder sei es wichtig gewesen, wieder auf Klassenfahrt zu dürfen. „Man hat gesehen, wie gut das denen tat.“

Und wie war die Zeit für ihn selbst? „Alles wurde überlagert vom Kampf ums wirtschaftliche Überleben.“ Er habe sich ständig einen Kopf darüber gemacht, wie es weitergehen kann. „Aber wir sind nicht insolvent gegangen.“

Allzu lange wolle man aber nicht mehr an die Vergangenheit denken. Noack freut sich viel eher bereits auf 2022 – falls Corona nicht dazwischen funke. Denn die Wegscheide sei wieder angesagt. „Die Belegungen nehmen seit einigen Jahren zu.“ 2020 und 2021 hätten Rekordjahre werden können, ist sich Noack sicher. Nun könnte es 2022 werden.

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