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Die Arbeitnehmer fühlen sich im Stich gelassen.
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Die Arbeitnehmer fühlen sich im Stich gelassen.

Einzelhandel in Frankfurt

Zara auf der Frankfurter Zeil schließt trotz Gewinns

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
    schließen

Nach 18 Jahren schließt die Zara-Filiale auf der Zeil in Frankfurt – trotz Milliardengewinnen des Konzerns. Die Beschäftigten machen ihrem Ärger Luft.

  • Das Modegeschäft Zara auf der Zeil schließt.
  • Die Schließung stößt auf Unverständnis.
  • Zara machte Gewinne - trotz Corona.

Frankfurt - Zwischen rund einem Dutzend Polizeibussen, die am Samstagnachmittag vor dem Eingang von „Zara“ auf der Zeil geparkt sind, strömen viele Kunden und Kundinnen ein letztes Mal in das Modegeschäft hinein. Es ist der letzte Verkaufstag, ehe Zara seine Pforten auf der Zeil dichtmacht.

Protest der „Zara-“Mitarbeiterinnen wegen „Querdenker“-Demo in Frankfurt vorverlegt

Die Polizei ist wegen einer verbotenen „Querdenken“-Demo gegen Corona-Maßnahmen in der Fußgängerzone und der gesamten Innenstadt stark präsent. Deshalb hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ihre für den letzten Tag geplante Aktion zur Schließung der spanischen Modekettenfiliale auf den Freitag vorverlegt. „Wir haben befürchtet, dass sonst weniger Aufmerksamkeit für unsere Aktion da ist“, sagt Marcel Schäuble, Gewerkschaftssekretär für den Handel von Verdi.

„Relativ zufrieden“ sei er mit der Kundgebung „direkt vor dem Laden“, fügt er hinzu. Coronabedingt im kleineren Kreis hätten sich etwa zwei Dutzend Beschäftigte an dem Protest beteiligt. Sie seien zu Wort gekommen. Daneben seien Interviews eingespielt worden. „Viele Passanten haben geguckt“, betont er.

Erst Anfang September hatten die 74 Beschäftigten von der Schließung der Zara-Filiale auf der Zeil durch den spanischen Inditex-Konzern erfahren. Noch zwei Wochen davor habe es ein klares Nein zu einer Schließung seitens der Betriebsleitung gegeben, berichtet Emine Korkmaz, Betriebsratsvorsitzende der Zara-Dependence. „Umso mehr waren alle Kollegen geschockt, insbesondere die Betriebsräte“, sagt sie.

Zara hatte Gewinne eingefahren - trotz Corona

Und das, obwohl das Unternehmen trotz Corona-Pandemie immense Gewinne einfahre. Zuletzt seien es „3,63 Milliarden Euro“ gewesen, berichtet Schäuble. Er moniert, dass „ohne betriebswirtschaftliche Notwendigkeit mit der Brechstange“ vorgegangen werde. 1200 Filialen, und damit jede vierte weltweit, sollten für „ein neues digitales Storekonzept“ geschlossen werden. Doch gerade in solch schwierigen Zeiten müsse ein Konzern wie Inditex dafür sorgen, „dass Jobs bleiben“, findet Schäuble.

Das Zara-Geschäft auf der Zeil, das vor 18 Jahren eröffnet worden ist, sei eines der ersten in Deutschland gewesen. Viele ihrer Kolleg:innen arbeiteten annähernd so lange bei Zara, berichtet Betriebsrätin Korkmaz, die seit 13 Jahren dabei ist. Zwar habe der Konzern den Beschäftigten angeboten, in einer der drei weiteren Frankfurter Filialen anzufangen, allerdings zu anderen Konditionen als bislang. Maximal 15 Stunden dürften sie dann noch arbeiten, obwohl viele bisher Vollzeitverträge hätten und sie aus den anderen Läden wisse, dass dort Kapazitäten für Vollzeitkräfte bestünden. „Einige Kollegen haben Existenzängste, viele werden den Betrieb verlassen“, sagt Emine Korkmaz.

Mangelndes Hygiene-Konzept bei Zara

Dass sie am Freitag auf die Straße gegangen sind, obwohl das Ende beschlossene Sache ist, hat zwei Gründe. “Wir wollten ein Zeichen setzen, dass der Arbeitgeber sich auch hier seiner sozialen Verantwortung bewusst sein muss“, sagt Schäuble. Die Belegschaft „in anderen Filialen ist sehr verunsichert“. Auch dort würden Schließungen befürchtet.

Emine Korkmaz nennt den zweiten Grund: Drei Kolleg:innen seien fristlos gekündigt worden, weil sie das mangelnde Corona-Hygienekonzept angemahnt hätten. Bis zuletzt seien von rund einem Dutzend Kassen lediglich zwei in Betrieb gewesen. Abstandsregeln hätten kaum eingehalten werden können. In den Kassenbereichen, Personalräumen und Toiletten sei zu selten geputzt worden.

Die betroffenen Beschäftigten, teils alleinerziehend, seien durch die Kündigungen zunächst einmal für Arbeitslosengeld gesperrt. „So was macht man einfach nicht“, sagt Korkmaz. Schäuble berichtet, dass die Betroffenen Kündigungsschutzklagen einreichen würden. Wie es für Korkmaz und ihre anderen Kolleg:innen weitergeht, ist offen. „Ich habe keine Ahnung“, sagt Korkmaz und ist fassungslos darüber, wie ein derart erfolgreiches Unternehmen seine Filiale im Herzen Frankfurts schließen konnte. (Clemens Dörrenberg)

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