Antworten

Corona-Krise: Die wichtigste Fragen zum Thema Kurzarbeit

  • schließen

Die Frankfurter Rundschau beantwortet Fragen zum Thema Kurzarbeit.

Was bedeutet Kurzarbeit?

Kurzarbeit bedeutet, dass Arbeitnehmer vorübergehend ihre Arbeitszeit teilweise oder sogar auf null reduzieren. In dieser Zeit erhalten Sie mindestens 60 Prozent ihres Nettolohns weiter. Kurzarbeit gilt als probates Mittel in konjunkturell schwachen Phasen. Während der Finanzkrise 2008/2009 befanden sich laut Angaben der Bundesregierung 1,44 Millionen Menschen in Kurzarbeit.

Warum wird Kurzarbeitergeld eingeführt?

Es soll einerseits verhindern, dass Menschen ihre Jobs verlieren: Arbeitgeber werden von Lohnkosten und Sozialabgaben entlastet und müssen ihre Mitarbeiter nicht entlassen. Andererseits kann bei einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage schnell wieder zur regulären Arbeit übergegangen werden, und Firmen können auf das Know-how ihrer Mitarbeiter zählen.

Was hat die Bundesregierung aufgrund der aktuellen Corona-Krise getan?

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat die Hürden für Kurzarbeit gesenkt. Künftig ist diese bereits ab einem Arbeitsausfall von zehn Prozent der Beschäftigten möglich – statt wie bisher einem Drittel. Dadurch sollen mehr Menschen Kurzarbeitergeld beziehen können. Neuerdings werden den Arbeitgebern auch Sozialversicherungsbeiträge für ihre Angestellten erstattet. Auch für Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter besteht zukünftig die Möglichkeit auf Kurzarbeit. Die Neuregelungen greifen rückwirkend ab dem 1. März.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

In Kurzarbeit geht nur, wer sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist. Unter anderem sogenannte Minijobber und Solo-Selbstständige sind daher davon ausgenommen. Die Bundesregierung geht davon aus, dass durch die Herabsenkung der Hürden eine Million Beschäftigte zusätzlich Kurzarbeitergeld beziehen werden. Insgesamt rechnet sie mit mehr als zwei Millionen Menschen, die während der Corona-Krise in Kurzarbeit gehen.

Wer entscheidet, ob ich in Kurzarbeit gehe?

Der Arbeitgeber. Er stellt den Antrag auf Kurzarbeit bei der Bundesagentur für Arbeit und zahlt seinen Mitarbeitern den Lohn aus, bekommt ihn aber von der Arbeitsagentur zurückerstattet. Grundsätzlich muss der Betriebsrat dem Umstieg auf Kurzarbeit zustimmen – gibt es keinen, müssen die Mitarbeiter selbst ihr Einverständnis geben.

Wie viel Geld bekommt man?

Angestellte in Kurzarbeit erhalten mindestens 60 Prozent ihres ursprünglichen Nettolohns, Eltern 67 Prozent. Arbeitsminister Heil und die Gewerkschaften fordern Unternehmen auf, das Gehalt „wo immer es geht aufzustocken“, damit der Verlust für Arbeitnehmer so gering wie möglich ausfällt. Durch tarifliche Vereinbarungen sind einige Unternehmen dazu verpflichtet, Kurzarbeitergeld auf ein Niveau von 75 bis 97 Prozent des ursprünglichen Lohns aufzustocken. Wer ein so geringes Einkommen hat, dass er mit dem Kurzarbeitergeld an den Rand der Existenz kommt, soll ergänzende Grundsicherung erhalten.

Wie viel kostet das den Staat?

Die Bundesregierung rechnet durch das Kurzarbeitergeld mit Mehrausgaben in Höhe von knapp über zehn Milliarden Euro. Rund sechs Milliarden davon fallen für die Erstattung der Sozialbeiträge an, rund vier Milliarden für die Löhne an sich.

Bekommen alle Beschäftigten in einem Betrieb Kurzarbeitergeld?

Das kann der Fall sein, ist aber nicht zwingend so. Auch einzelne Abteilungen eines Betriebs können von Kurzarbeit betroffen sein, während andere normal weiterarbeiten.

Was ist, wenn ich noch andere Einkommen habe?

Die Regelungen für den Zuverdienst wurden aufgrund der Corona-Krise angepasst. Beschäftigte können nun bis zu 100 Prozent ihres vorherigen Lohns dazuverdienen, ohne dass das Kurzarbeitergeld gekürzt wird. Dadurch sollen Menschen auch dort arbeiten können, wo aktuell Arbeitskräfte gebraucht werden, wie in der Landwirtschaft oder in Krankenhäusern.

Wie lange wird Kurzarbeitergeld ausgezahlt?

Die Dauer ist zunächst auf 12 Monate begrenzt, kann aber von der Bundesregierung auf 24 Monate verlängert werden. Sollte sich die Auftragslage eines Unternehmens in der Zwischenzeit verbessern, kann es jederzeit wieder auf Vollbeschäftigung umsteigen. Gesetzliche Urlaubsansprüche bleiben zudem bestehen.

Welche Auswirkung hat das für Sozialbeiträge wie Rente?

Sozialbeiträge werden weiterhin je zur Hälfte von Arbeitnehmer und -geber auf den Kurzarbeitlohn gezahlt. Um langfristige Folgen abzufedern, zahlt der Arbeitgeber zusätzlich auf 80 Prozent des ausfallenden Gehalts Beiträge in die Sozialkassen ein. Ein Beispiel der Deutschen Rentenversicherung macht dies deutlich: Bei einem ursprünglichen Bruttoverdienst von 3000 Euro monatlich ergäbe ein Jahr Beschäftigung ohne Kurzarbeit einen Rentenanspruch von 29,40 Euro im Monat. Bei einem Jahr Kurzarbeit sind es hingegen 26,40 Euro – also drei Euro weniger.

Zusammengestellt von Mathis Brinkmann

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare