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Große Arbeitgeber wie die Lufthansa beantragen derzeit Kurzarbeit. 

Corona und Arbeitmarkt

Corona-Krise: 32 000 Unternehmen in Hessen wollen jetzt schon Kurzarbeit

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In der Corona-Krise steigen die Anträge von hessischen Unternehmen auf Kurzarbeit massiv an. Auch die Arbeitslosigkeit dürfte deutlich steigen.

Die Zahl der hessischen Unternehmen, die Kurzarbeit beantragen, wächst in der Corona-Krise rasant. Nach Zahlen der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit sind in den vergangen beiden Wochen bereits fast 32 000 Anzeigen eingegangen.

Das ist ein extrem hoher Wert. Selbst in der Wirtschafts- und Finanzkrise in den Jahren 2008/2009 gab es nach Angaben der Regionaldirektion nie mehr als 1400 Anzeigen auf Kurzarbeit im Monat. Nun sind allein in Frankfurt schon 4300 Anzeigen, im Offenbacher Agenturbezirk 3200 Anzeigen von Unternehmen eingegangen, die Kurzarbeitergeld wollen.

Wie viele Beschäftigte dieses beziehen werden, ist noch nicht bezifferbar. Stephanie Krömer, Leiterin der Arbeitsagentur Frankfurt, weist etwa darauf hin, dass sich hinter einer Anzeige auf Kurzarbeit ein kleiner Gastronomiebetrieb mit drei Beschäftigten aber auch ein großer Konzern mit mehreren Tausend Mitarbeitern verbergen kann. Auch einige der großen Arbeitgeber in Hessen haben bereits Kurzarbeit beantragt, etwa der Flughafenbetreiber Fraport und die Fluggesellschaft Lufthansa.

Nicht nur das Ausmaß der Kurzarbeit wird von einer völlig neuen Dimension sein. Die Corona-Krise trifft die hessische Wirtschaft zudem offenbar deutlich breiter als die jüngste große Krise. „Im Unterschied zu 2008 sind dieses Mal Unternehmen fast aller Branchen und Größenklassen betroffen“, sagt der Leiter der Regionaldirektion Hessen, Frank Martin. Entscheidend für die Langzeitfolgen der Krise werde weniger sein, wie viele Unternehmen in Kurzarbeit gehen, sondern wie lange diese anhält, sagt Martin. Staatshilfen könnten kurzfristig Liquidität sicherstellen und Unternehmen bei den Personalkosten entlasten. „Mittelfristig kann der Staat jedoch nicht alle Risiken abdecken.“

Arbeitslosigkeit wird steigen

Jahrelang ist die Zahl der Beschäftigten in Hessen gestiegen und gestiegen, die Zahl der Arbeitslosen gesunken. Mitte März lag die Quote hessenweit noch lediglich bei 4,5 Prozent. Nun rechnen Arbeitsmarktexperten mit einer deutlichen Trendwende. Kurzarbeit könne viel abfedern, sagt Martin. „Jedoch laufen befristete Stellen aus, und Neueinstellungen sind derzeit in vielen Branchen unrealistisch.“ Auch Krömer rechnet mit Entlassungen. Für einen Teil der Beschäftigten werde es aber vielleicht möglich sein, in Unternehmen eine neue Beschäftigung zu finden, die in der Krise einen erhöhten Bedarf an Arbeitskräften hätten, etwa im Lebensmitteleinzelhandel, in der Landwirtschaft und medizinisch, pflegerischen Bereichen, sagt die Leiterin der Frankfurter Arbeitsagentur.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer streiten indes über eine Aufstockung des Kurzarbeitergelds. Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände nennt Forderungen nach einer Aufstockung durch den Arbeitgeber kontraproduktiv. Die lebenswichtige Unternehmensentlastung, die die Kurzarbeit bringe, dürfe nicht konterkariert werden, heißt es. Zielführender sei es, bessere Hinzuverdienstmöglichkeiten für Kurzarbeiter durch einen Nebenjob einzuführen.

Der DGB Hessen-Thüringen kritisiert diese Haltung als „pure Ignoranz“ gegenüber den Beschäftigten und als „beispiellosen Akt der Entsolidarisierung“.

Der hessische Grünen-Fraktionsvorsitzende Mathias Wagner dringt darauf, dass die Corona-Krise nicht benutzt wird, um dauerhafte Einschränkungen in Freiheitsrechte vorzunehmen. Aber die aktuellen Einschnitte hält Wagner für erforderlich, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen.

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