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Stephanie Krömer (38) ist Leiterin der Agentur für Arbeit Frankfurt. Die Diplom-Verwaltungswirtin leitete zuvor das Jobcenter des Kreises Siegen-Wittgenstein.

Arbeitsmarkt Frankfurt

Corona-Krise: „Qualifizierung schützt ein Stück weit vor Arbeitslosigkeit“

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Die Leiterin der Frankfurter Arbeitsagentur verrät im FR-Interview, wen die Corona-Krise besonders trifft - und wie stark der Abschwung werden könnte.

Frau Krömer, jahrelang ist in Frankfurt die Zahl der Beschäftigten gestiegen, die Arbeitslosenquote gesunken. Noch im Februar galt der Frankfurter Arbeitsmarkt als stabil. Ist das jetzt alles vorbei?

Dass unsere Ausgangslage super war, die Frankfurter Wirtschaft sehr breit aufgestellt ist, kann uns in der Krise sehr helfen. Auch in Frankfurt ist die Arbeitslosigkeit im April ruckhaft angestiegen, liegt nun etwa 20 Prozent höher als im März. Besonders deutlich steigen die Zahlen im Moment im Gastgewerbe, im Reisegewerbe, im Handel oder auch etwa im KfZ-Gewerbe. Gleichzeitig ist der Arbeitsmarkt zurzeit nicht so aufnahmefähig wie sonst.

Wer jetzt arbeitslos wird, hat es also schwieriger, einen neuen Job zu finden?

Ja. Selbst Arbeitgeber, die prinzipiell gerne einstellen würden, verhalten sich in der Krise eher abwartend. Das spüren wir bei den Stellenzugängen. Deren Zahl ist nur etwa halb so hoch wie sonst.

Welche Personengruppen verlieren jetzt ihre Jobs? Sind besonders Leiharbeiter und andere atypisch Beschäftigte betroffen?

Im Moment verlieren überwiegend Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung und Menschen, die in einer Helfertätigkeit gearbeitet haben, ihre Arbeit. Qualifizierung schützt ein großes Stück weit vor Arbeitslosigkeit oder trägt dazu bei, dass jemand erst zu einem späteren Zeitpunkt betroffen ist.

Hessenweit hat fast jedes dritte Unternehmen Kurzarbeit angezeigt. Wie gehen Sie in Frankfurt mit diesem riesigen Andrang um?

Wir haben unsere Kräfte gebündelt. Im Bereich Existenzsicherung haben wir die Zahl der Beschäftigten weit mehr als verzehnfacht und unsere Servicezeiten stark erweitert. Wir arbeiten auch samstags, um den riesigen Aufwand zu bewältigen. Seit März haben wir bereits 7812 Anzeigen auf Kurzarbeit geprüft. Allen ist klar, wie wichtig diese Arbeit ist. Von der Existenzsicherung profitieren nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Beschäftigten.

Auch das Kurzarbeitergeld löst die Probleme von Unternehmen, denen nun massiv der Umsatz wegbricht, nicht. Drohen in den nächsten Monaten vermehrt Insolvenzen, wird die Arbeitslosigkeit noch deutlich steigen?

Wir rechnen mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosenzahlen in Frankfurt. Bund und Land stützen mit Kurzarbeitergeld und weiteren Programmen die Liquidität. Aber es wird entscheidend sein, wie lange die Einschränkungen für die Unternehmen bleiben. Die Zeitfrage wird gerade für die Betriebe im Handel oder der Gastronomie eine große Rolle spielen. Dort sind die Rücklagen in der Regel eher gering. Wichtig wird sein, wie sich die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarkts entwickelt, ob andere Branchen Arbeitsplatzverluste in bestimmten Bereichen ausgleichen können.

Droht Frankfurt ein stärkerer Abschwung als anderen Regionen, weil die Wirtschaft in Frankfurt so international ausgerichtet ist und der Flughafen eine große Rolle spielt?

Natürlich sind der Flughafen und der Export wichtig für den Frankfurter Arbeitsmarkt. Aber durch die Branchenvielfalt halte ich Frankfurt eher für weniger anfällig als etwa Regionen, die sehr abhängig von bestimmten Produktionsunternehmen sind.

Interview: Christoph Manus

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