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Nicht nur beim Aldi in der Juliusstraße werden die Kunden lediglich einzeln eingelassen. 

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Corona-Krise: Neue Regeln für Frankfurts Supermärkte

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Mit Abstand und anderen Regeln für Supermärkte soll die Ausbreitung des Coronavirus gestoppt werden. In Frankfurt funktioniert die Umsetzung schon recht gut.

Gedrängel an der Kasse, Geschubse am Obststand und zu viel Nähe zwischen Kunden und Kassiererinnen sollen die neuen Vorgaben der Stadt Frankfurt für den Handel unterbinden. In vielen Lebensmittelläden gibt es jetzt Abstand und Distanz, aber nicht überall werden die neuen Regeln schon umgesetzt.

In Sachsenhausen  warnt im kleinen Bio-Supermarkt Alnatura in der Schweizer Straße in Sachsenhausen ein Schild: Nur noch 19 Personen gleichzeitig dürften sich in dem Geschäft aufhalten. Ein Wachmann am Eingang zählt die Kunden, am Dienstagmittag verlaufen sich die wenigen Besucher. Die sonst recht familiäre Atmosphäre wirkt angespannt, die Frau am Brotstand versucht, einen Minimalabstand von 2,5 Metern einzuhalten. Manche Regale sind berstend voll, Milch und Milchprodukte gibt es in Hülle und Fülle, Gemüse und Obst ebenfalls. Bei Toilettenpapier, Reis, Erdnussbutter, Linsen oder Bohnen herrscht hingegen gähnende Leere, trotz des handgeschriebenen Plakats, man dürfe hier nur noch eine Packung pro Person mitnehmen. Am Donnerstag solle eine neue Lieferung kommen, sagt eine Verkäuferin schulterzuckend. An der Kasse muss man von den sechs gekauften Litern Milch drei zurücklassen. „Anweisung der Stadt“, sagt die Verkäuferin. Wie soll man denn da nur einmal in der Woche einkaufen gehen? Oder der alten Nachbarin was mitbringen? Die Verkäuferin weiß es auch nicht. „Es tut mir auch leid.“ Etwas besser sieht es in der größeren Alnatura-Filiale am Südbahnhof aus, dort steht sogar ein Korb mit Nudeln im Schaufenster – was für ein Luxus. Da durchzuckt es einen unwillkürlich, ob man denn welche kaufen soll, obwohl man gar keine isst.

In Bergen-Enkheim  ist die Stimmung im Supermarkt angespannt. Zwar gibt es am Mittag für eine kurze Zeit Toilettenpapier zu kaufen. Doch viele Kundinnen und Kunden finden, das Gebot des Abstandhaltens werde nicht genug beachtet. Auf dem Boden vor den Kassen und der Fleischtheke sind Markierungen aufgeklebt, aber die versteht längst nicht jeder. So bilden sich zum einen viel längere Schlangen als üblich, zum anderen drängeln sich immer wieder Leute vor, weil sie nicht wissen, was die Klebestreifen bedeuten. Manche Kunden tragen Mundschutz und bestehen darauf, dass der nächste Einkäufer erst dann seine Waren aufs Kassenband legt, wenn sie alles eingepackt haben. Bisweilen bekommen sie als Antwort: „Seien Sie doch nicht so ängstlich.“

In Bockenheim  sind die Zeiten, in denen man sich einfach so einen Einkaufswagen greift, bei den beiden DM-Drogeriemärkten auf der Leipziger Straße vorbei. „Es ist jetzt bei uns Pflicht erst mal den Griff des Einkaufswagen mit Sagrotan abzusprühen und dann mit einem Papiertuch abzuwischen“, sagt eine Mitarbeiterin. Und um die Übersicht zu bewahren, wie viele Kunden im Laden sind, kann man ohne einen Einkaufswagen gar nicht erst in den Laden. An der Kasse selbst hängt ein improvisierter Schutzvorhang, der aber die Kassiererin nur ein bisschen schützt. „Diese Woche soll noch der Plexiglas-Schutz kommen, solange habe ich mir selbst was aufhängt“, sagt eine Kassiererin. Im benachbarten Drogeriemarkt kontrolliert ein Security-Mann, dass nicht mehr als 35 Kunden gleichzeitig im Laden sind.

Die Regeln

Seit Montag gilt in Frankfurt eine Allgemeinverfügung für den Handel. Demnach darf pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche nur eine Person eintreten. Verlassen Kunden den Laden, darf nur die gleiche Anzahl wieder rein.

Die Kunden müssen einen Einkaufswagen benutzen, von denen es nur so viel geben darf, wie Personen maximal gleichzeitig ins Geschäft dürfen.

Zwischen den Kunden gilt ein Mindestabstand von 1,5 Metern, auch in der Schlange am Einlass. Zwischen den Kassen müssen Trennvorrichtungen errichtet werden, ansonsten gilt auch dort die 1,5-Meter-Regel.

Waren dürfen nur in haushaltsüblichen Mengen verkauft werden. bö

Bei Aldi in der Juliusstraße gibt es beim Einkauf ein Limit. Mit roten Schildern steht bei bestimmten Produkten wie viel man davon mitnehmen darf. Bei Tomaten in der Dose ist es auf eine Kiste – also acht Dosen – beschränkt. Bei Mehl dürfen nur zwei Packungen mitgenommen werden. Das ist aber mittags schon ausverkauft. Ein Mitarbeiter zählt die Kunden: „Die Höchstzahl liegt bei 25“, steht auf einem Schild. Die Abstände an den Kassen werden eingehalten. Die Kassiererinnen und Kassierer sitzen hinter einer Schutzwand. „So ein Spuckschutz soll bei uns noch diese Woche kommen“, sagt derweil eine Kassiererin im Rewe unweit der Bockenheimer Warte. Sie sitzen am Dienstag noch ohne Schutz. Klopapier ist auf eine Packung pro Kunde limitiert.

In Niederrad  wird die Allgemeinverfügung der Stadt Frankfurt unterschiedlich umgesetzt. Beim Rewe in der Bruchfeldstraße weist ein Schild darauf hin, dass sich nur noch 25 Personen gleichzeitig im Laden aufhalten dürfen. Überwacht wird diese Regelung aber nicht. Security-Kräfte gibt es auch beim Rewe in der Güntherstraße nicht, auch kein Schild. Die Kunden betreten das Geschäft auch ohne Einkaufswagen. Lediglich Kleber auf dem Boden informieren über die neuen Abstände, woran sich auch gehalten wird. Die Schlange an den Kassen reicht bis zum Getränkelager. Plexiglasscheiben oder ähnlichen Schutz für die Bediensteten an den Kassen gibt es nicht. Einige Straßen weiter hat der Rossmann am Dienstag eine – am Montag schon zahlreichen Kunden angekündigte – Lieferung von neuem Toilettenpapier bekommen. Schon vor Geschäftsöffnung stehen daher erwartungsgemäß rund 30 Kunden vor der Tür – in einer Reihe, mit Abstand, und jeder muss einen Einkaufswagen nehmen. Ein Wachmann vor dem Eingang achtet auf die Einhaltung der Regeln.

In Sachsenhausen  liegen ein Supermarkt (Hit) und ein Baumarkt (Obi) direkt nebeneinander. Der Hit macht direkten Kontakt zwischen Kunden in verschiedenen Kassenschlangen unmöglich, indem dazwischen große Holzwände aufgezogen wurden. Zwischen Kunden und Kassierern wurden zudem Plexiglasscheiben montiert, mit einem kleinen Loch für das Karten-Terminal. Die Nutzung dieses Gerätes wird per Schild jedem Kunden empfohlen. Der Obi nebenan lässt jeden Kunden die Hände desinfizieren, danach gibt es einen Zettel mit einer Nummer drauf. Wachmänner regeln den Einlass, erst wenn wieder Kunden draußen sind, dürfen die nächsten rein.

In Bornheim  fragt ein Mann vor der Tür am Rewe an der Berger Straße, ob er noch rein darf. Der Aufpasser nickt nur. Drinnen ist am Nachmittag so wenig los, dass man sich aus dem Weg gehen kann. Klebeband in 1,5 Meter Abstand und Aufkleber erinnern daran, sich nicht zu nah zu kommen. Die Kassiererinnen sitzen hinter Plexiglas und scannen mit Handschuhen.

Im Tegut in Bornheim Mitte ein ähnliches Bild. Halten sich die Kunden daran? Die meisten schon, sagt die Frau an der Kasse. „Manche vergessen es, dann weisen wir sie darauf hin und das akzeptierten sie auch. Wer backen will, ist hier richtig, Mehl gibt es genug. Aber auch Tomatensoße.

Vor den Drogerien, Bäckereien und Cafes rund um Bornheim Mitte warten die Menschen geduldig nacheinander darauf, in den Laden zu gehen oder am Fenster zu bestellen. Keiner meckert. „Das ist doch kein Problem“, sagt eine Frau. Sicherheit geht vor.

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