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Zahlreiche Beratungsstellen sind auch in Zeiten der Corona-Epidemie für Opfer von häuslicher Gewalt da.

Gefahr für Frauen und Kinder

Corona-Krise in Frankfurt: Zunahme an häuslicher Gewalt befürchtet

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Aufgrund der aktuellen Krisensituation rechnen Experten damit, dass häusliche Gewalt zunehmen wird. Die Frankfurter Beratungsstellen bieten auch in Zeiten von Corona Hilfe.

Für viele Frauen und Kinder ist das Zuhause kein sicherer Ort. Das wird in Zeiten der Corona-Krise umso mehr zum Problem. Laut Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe – Frauen gegen Gewalt (BFF) steigt in der aktuellen Krisensituation mit starken Einschränkungen im öffentlichen Leben die Gefahr für Frauen und Kinder, häusliche und sexualisierte Gewalt zu erfahren. Diese Befürchtungen werden durch Meldungen aus China bestätigt. Chinesische Frauenrechtsorganisationen berichten, dass die Zahl der Betroffenen von häuslicher Gewalt während der verordneten Quarantäne dreimal so hoch war wie zuvor. Während das Gewaltrisiko steige, fielen Verletzungen oder Unterstützungsbedarfe von Betroffenen weniger auf, weil sie weniger Sozialkontakte wahrnehmen, erklärt der BFF. Er appelliert deshalb an eine solidarische Nachbarschaft. Es sei wichtig, Betroffenen Unterstützung anzubieten.

Bei den Beratungsstellen und Frauenhäusern in Frankfurt, die vom Frankfurter Verein für soziale Heimstätten getragen werden, hat sich die Nachfrage bisher nicht erhöht, sagt Christine Heinrichs, stellvertretende Geschäftsführerin des Vereins. „Derzeit haben wir noch keine wahrnehmbaren gravierenden Veränderungen.“ Der Frankfurter Verein für soziale Heimstätten ist Träger des Frauenhauses „Die Kanne“ und des Hauses für Frauen und Kinder in Frankfurt.

Heinrichs geht allerdings davon aus, dass „die besondere Situation eine bereits schwierige Lage schnell dramatisch verändern kann und mehr Gewalt ausgeübt wird“. Allerdings verweist sie auch auf eine weitere Problematik: Halten sich beide Beziehungspartner ständig im selben häuslichen Umfeld auf – wie momentan aufgrund der umfassenden Kontaktsperre –, ist es deutlich schwerer für das Opfer, sich Hilfe zu holen. Christine Heinrichs berichtet sogar: „Konkret erleben wir aktuell in Einzelfällen, dass Frauen jetzt zu ihren Misshandlern zurückkehren, weil die Verunsicherung erheblich ist.“ Gleichzeitig falle es den Frauen schwerer, sich in der aktuellen Lage zu trennen.

Reden – auch per Telefon – hilft

Auch die Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt berichtet, dass aktuell kein Anstieg der Anfragen zu beobachten sei. Allerdings würden nun insbesondere Frauen, die mit einem Partner zusammenleben, der in der Vergangenheit wiederholt gewalttätig geworden ist, Befürchtungen hegen, erklärt Angela Wagner von der Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt. Die Beratungsstelle will dafür sensibilisieren, dass sich Frauen im Anschluss an einen Angriff und auch wenn eine Gewalthandlung befürchtet wird, an die Beratungsstelle wenden können. Reden – auch per Telefon – helfe.

Frauen sollten in Fällen von Gewalt in der Partnerschaft auch konsequent die Polizei rufen, rät Wagner. Diese könne eine Wegweisung aussprechen, so dass der Aggressor der Wohnung verwiesen wird. Damit könnten Frauen und ihre Kinder in der Wohnung bleiben und müssten kein Frauenhaus aufsuchen oder nach anderen Notlösungen suchen. „Die Frankfurter Polizei hat versichert, dass weiterhin Wegweisungen ausgesprochen werden. Corona hebelt die übliche Vorgehensweise der Polizei nicht aus“, sagt Angela Wagner.

Frankfurts Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) ist das Thema ein wichtiges Anliegen. Aus diesem Grund habe das Frauenreferat der Stadt eine Aufstellung der Frankfurter Hilfsangebote erarbeitet, die hilfesuchenden Frauen auch in Pandemiezeiten online oder telefonisch zur Verfügung stehen.

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