+
Die Corona-Krise macht den Kulturschaffenden in Frankfurt sehr zu schaffen. 

Frankfurt

Corona-Krise: „Verdecktes Berufsverbot auf unabsehbare Zeit“

  • schließen

In Frankfurt leiden auch die Kulturschaffenden unter der Corona-Krise. Ein Gespräch mit dem Musiker und DJ George Klivinyi. 

Herr Klivinyi, Sie verdienen Ihr Geld eigentlich als DJ und Musiker. Was machen Sie in Zeiten von Corona?

Die Frage sollte eher lauten, was ich nicht mehr in Zeiten von Corona mache. 

Wie stark ist die Musik- und Clubszene betroffen - inwiefern ist das existenzbedrohend?

Von 180 auf Null, würde die Situation wohl treffend beschreiben. Es betrifft ja nicht nur die Musik- und Clubszene, sondern auch alle, die im weitesten Sinne in den Darstellenden Künsten zuhause sind. Man muss ja von einem verdeckten Berufsverbot, auf unabsehbare Zeit sprechen. Vielen bleibt da wohl nur noch der Weg in die Grundversorgung übrig. Die Folgen dieser Zäsur sind wohl für keinen von uns berechenbar oder überhaupt vorstellbar.

Wieso verdecktes Berufsverbot? Es sind doch fast alle Berufsgruppen betroffen.

Selbstverständlich ist diese Thematik auch für andere betroffene Berufsgruppen gültig und existenzbedrohend. Hier geht es um die Kultur und keiner der Künstlerinnen und Künstler ist "arbeitslos'' wegen Mangel an Talent oder Erfolg, sondern weil uns die Ausübung unserer diversen Tätigkeiten, auf unbestimmte Zeit untersagt worden ist. Zu meiner, zugegebenermaßen provokanten, Behauptung muss man wohl die hessischen Verhältnisse bemühen. In der Tat handelt es sich um ein Tätigkeitsverbot, dass sich aber bei Missachtung desselbigen, in ein Berufsverbot verwandeln würde. Deshalb verdeckt. Hessen und auch die Stadt Frankfurt haben sich in den letzten Jahren keinen Deut um die hiesige Szene bemüht. Durch die ersatzlosen Schließungen von zahllosen Clubs und Live-Locations hat man uns peu á peu das Wasser abgegraben, und zwar systematisch. Wohl auch auf Grund eines Desinteresses der lokalen Politik an einer vitalen Kunst-Szene, jenseits der puren wirtschaftlichen Rentabilität. Dieser rote Faden zieht sich auch jetzt durch die aktuelle Situation.

Haben Sie schon einmal überlegt, alternative Live-Streams zu organisieren – Party sozusagen aus dem Homeoffice?

Nein. Ich selbst finde mich da nicht wieder. Das ist bestenfalls für ein „Hallo, ich lebe noch“ tauglich. Letztendlich aber doch nur brotlose Kunst.

Der Frankfurter Musiker George Klivinyi sieht die Kulturszene in Frankfurt künftig skeptisch. 

Wie sieht es mit den Soforthilfen für Künstler in Hessen bzw. Frankfurt aus?

Düster. Es kursieren diverse Antragsformulare dafür, aber die darin enthaltenen Fußangeln, also Voraussetzungen, sind für die meisten Künstlerinnen und Künstler nicht erfüllbar. Offensichtlich sind wir, in der Skala der Systemrelevanz, wohl in der untersten Stufe angesiedelt. Mir ist bis dato nicht bekannt, dass irgendjemandem, weder sofort noch überhaupt, geholfen wurde.

Warum können die Voraussetzungen nicht erfüllt werden? 

Weil Verdienstausfälle nicht kompensiert werden, sondern nur Investitionen erstattet werden könnten. Die meisten „Betroffenen“ haben außerdem keine langfristigen Engagements, sondern vorrangig kurzfristige. Das ist schwer belegbar und wird deshalb nicht berücksichtigt. Einmalige, sofortige und nicht rückzahlbare Hilfen wären probat. Kredite sind es nicht.

Was glauben Sie, welche Folgen wird Corona für die Kultur in Frankfurt haben?

An dieser Frage würde ich mir wohl einen Bruch heben. Que sera, sera?! Kultur im weitesten Sinne, ist/war der soziale Kitt unserer Gesellschaft, der Spiegel unseres Selbstverständnisses. Das kann sie zur Zeit nicht mehr liefern. Sicher ist, dass es gravierende Veränderungen für alle Kulturschaffenden geben wird. Solange das Versammlungsverbot gilt, sind Clubs, Konzerte jedweder Größenordnung,Theater, Kinos, Feste, Museen und Galerien, also alle förmlich kalt gestellt. Die „Alternative Internet“ ist sicherlich nicht dazu geeignet, dieses Vakuum aus-/aufzufüllen. Die Folgen sind, wie schon erwähnt, schlichtweg unabsehbar. 

Bitte etwas konkreter

Die letzten Jahre waren für uns „Locals“ schon sehr schwer zu überleben, da sich in Frankfurt der Trend doch eher Richtung Kulturimport verlagert hat, anstatt die heimische Szene zu bevorzugen oder zu unterstützen. Wegrationalisiert wäre die richtige Begrifflichkeit dafür.

Von Katja Thorwarth

Corona-Krise: Was Erntehelfer und Geflüchtete mit deutscher Gründlichkeit zu tun haben

Kultur trotz Corona: Das Projekt "Stage Drive" aus Frankfurt soll auch in diesen Zeiten Kunst an den Mann bringen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare