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Verzeichnen einen besorgniserregenden Rückgang der Fallzahlen bei Schlaganfällen und Herzinfarkten: die Frankfurter Notaufnahmen. Werden Patienten mit diesen Erkrankungen eingeliefert, kommen sie in der Regel später als sonst. Dabei tickt gerade bei Schlaganfällen und Herzinfarkten die Zeit. Betroffene sollten Symptome keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen.

Uniklinik Frankfurt

Corona-Krise in Frankfurt: Schwerkranke bleiben zu oft daheim

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Während der Corona-Pandemie ist die Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Die Folge: Es kommen deutlich weniger Patienten mit akuten Problemen in die Frankfurter Notaufnahmen.

  • Bewegungsfreiheit während Corona stark eingeschränkt
  • Uniklinikum Frankfurt mit erschreckender Schlussfolgerung
  • Schwerkranke bleiben öfter daheim

Frankfurt -"Wir machen uns große Sorgen", sagt Gerhard Cieslinksi, Leiter der Zentralen Notaufnahme am Krankenhaus Nordwest. Seit Mitte März das Kontaktverbot erlassen worden sei, kämen viele Patienten trotz starker Beschwerden viel zu spät ins Krankenhaus. Die Zahl derer Nicht-Covid-Patienten sei im vergangenen Monat "deutlich zurückgegangen".

Diese Tendenz bestätigt auch das Klinikum Höchst. Es habe "einen leichten Rückgang" bei Schlaganfällen und kardiologischen Notfällen gegeben, dafür seien die Patienten, die mit entsprechenden Symptomen kämen, schwerer krank. Die Zahl derer, die wegen Covid-unverdächtiger Erkrankungen mit dem Rettungswagen eingeliefert werden, etwa weil sie sich verletzt oder Blinddarmentzündung hätten, sei gleich geblieben.

Lebensgefährliche Zurückhaltung während Corona Pandemie

Ein Grund könnte sein, dass Patienten ihre Krankheit im Vergleich zu Corona nicht ernst genug nähmen, sagt Thorsten Steiner, Chefarzt der Höchster Stroke Unit (Schlaganfalleinheit). Patienten blieben aber auch aus der Angst heraus zu Hause, sich in der Klinik erst mit Corona anzustecken. "Beide Einstellungen können lebensgefährlich sein, wenn Erkrankungen unerkannt bleiben oder verschleppt werden", sagt Nordwest-Notaufnahme-Leiter Cieslinski.

Zumal diese Angst unbegründet sei, wie beide Frankfurter Kliniken betonen. Im Krankenhaus Nordwest und im Hospital zum Heiligen Geist etwa werden alle Patienten beim Eintreffen befragt, es wird Fieber gemessen und sie bekommen einen Mundschutz. Corona-Verdachtsfälle werden sofort von den übrigen Patienten getrennt.

Wegen Corona: Uniklinik Frankfurt hat umgebaut

Auch in Höchst gibt es Zugangskontrollen, Covid- und Nicht-Covid-Patienten kommen sofort in verschiedene Bereiche. Nicht nur in der Notaufnahme, auch auf der Normal- und der Intensivstation gibt es völlig voneinander abgeschirmte Bereiche für beide Patientengruppen. Die Laufwege sind angepasst, es gibt Aufzüge extra für Corona Erkrankte.

Das Uniklinikum hat sogar so weit umgebaut, dass das Haupthaus ausschließlich zur Behandlung von Corona-Patienten genutzt wird. Alle anderen Patienten wurden in umliegende Häuser verlegt. Und auch die Rotkreuzkliniken setzen auf voneinander getrennte Stationen.

Der Präsident der Landesärztekammer, Edgar Pinkowski, hat sich dieser Tage mit einem Appell an die hessischen Patienten gewandt: Bei einer Infektion mit Sars-Cov-2 könnten bestimmte Grunderkrankungen, Krebserkrankungen oder lebensbedrohliche Entzündungen des Blinddarms oder Dickdarms sowie Anzeichen für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt lebensbedrohlich werden.

Uniklinik Frankfurt: Tumore interessiert Corona nicht

In Fällen von Diabetes oder Bluthochdruck sowie bei einer Krebserkrankung sollten bereits anstehende Behandlungen nicht bis ans Ende der Pandemie hinausgezögert werden: "Tumore interessieren sich nicht für die Corona-Krise", sagt Pinkowski. "Sie wachsen einfach weiter, bis sie in nicht operable Bereiche vordringen oder Metastasen bilden."

Von Sarah Bernhard und Jutta Rippegather

Am ersten Tag der Mundschutzpflicht halten sich die meisten Menschein in Frankfurt an die Auflagen. Schon die Digitalanzeigen der Bahnen weisen auf die Maskenpflicht hin. Der Schriftzug "Bitte schützen Sie einander und tragen eine Maske! " läuft über die Anzeigetafeln.

Frankfurts Gesundheitsamtchefs sind zuversichtlich, dass sie die Pandemie weiter im Griff haben. Von der Tracing-App halten sie wenig.

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