Flughafen lahmgelegt

Obdachlose leben am Flughafen Frankfurt: Corona-Krise trifft sie besonders hart

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Die Corona-Krise hat die Infrastruktur am Flughafen Frankfurt weitestgehend stillgelegt. Besonders hart trifft das die obdachlosen Menschen, die dort leben.

  • In der Corona-Krise sind obdachlose Menschen einer besonders hohen Ansteckungsgefahr ausgesetzt.
  • Auch amFlughafen Frankfurt leben rund 30 bis 50 Menschen.
  • Sozialarbeiterinnen versuchen auch in der Corona-Krise Hilfe zu leisten.

Update vom Montag, 04.05.2020, 12.55 Uhr:

Auch einige Monate nach Beginn der

Corona-Krise liegt der Flughafen Frankfurt

größtenteils lahm. Kaum Passagiere, kaum Mitarbeiter. „Das drückt schon auf die Stimmung - bei uns und unseren Klienten“, erzählt Kristina Wessel. 

Wessel und ihre Kollegin Malgorzota Zambron sind Streetworkerinnen für die obdachlosen Menschen, die sich zum Teil dauerhaft am Flughafen Frankfurt aufhalten - auch in der Corona-Krise: „Wir versuchen weiter zu arbeiten, so gut wie es nur geht“, so die Mitarbeiterinnen des Diakonischen Werks für Frankfurt und Offenbach. 

Beide machen weiter ihre Rundgänge, suchen Obdachlose auf und begleiten sie bei Bedarf auch zu Tageseinrichtungen in der Stadt. Denn obwohl die Situation am Flughafen aufgrund der Corona-Krise gerade außergewöhnlich ist, bleibt das Ziel der beiden Sozialarbeiterinnen das Gleiche: Hilfe zur Selbsthilfe. Dabei versuchen sie, die Betroffenen in die Infrastruktur der Stadt zu integrieren. 

Wegen Corona-Krise keine Passagiere am Flughafen Frankfurt: Konsequenzen für Obdachlose

Zwar stellen die Streetworkerinnen der Diakonie amFlughafen Frankfurt eine Grundversorgung für Obdachlose bereit, doch sollen die Menschen letztendlich wieder in die Stadt zurückkehren. Deshalb gebe es am Flughafen auch keine weiteren Einrichtungen oder Gabenzäune wie in der Frankfurter Innenstadt. 

Arbeiten in der Corona-Krise bedeutet für die beiden Sozialarbeiterinnen nun vor allem mehr Zeit. Denn da durch die Kontaktbeschränkungen viele weiterführende Beratungsstellen auf Telefon- und Online-Gespräche umgestellt haben, müssen die beiden einen großen Teil der Kontaktaufnahme und Beratung selbst stemmen. Zudem verteilen sie auch Schals zum Schutz und zur Einhaltung der Maskenpflicht an ihre Klienten. Mit den Schals seien die Obdachlosen vorerst besser ausgestattet als mit Einwegmasken. Von denen gebe es ohnehin nicht genügend, um sie täglich zu wechseln, so Wessel. Dank einiger Spenden sind aber zumindest die beiden Sozialarbeiterinnen als Mitarbeiterinnen der Diakonie mit genügend Desinfektionsmittel und Schutzmasken ausgestattet. 

Mehr Beratungsaufwand in der Corona-Krise: Streetworkerinnen betreuen auch weiterhin Obdachlose

Und so läuft die Arbeit von Wessel und Zambron vorerst weiter, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Beide wünschen sich den Trubel des Alltags am Flughafen Frankfurt zurück - „natürlich erst, wenn dieCorona-Pandemie im Griff ist“. Denn ohne Passagiere fehle vielen obdachlosen Personen am Flughafen neben der gewohnten Stimmung auch das Geld, das sie sich durch Flaschensammeln hinzuverdienen.

Streetworkerinnen am Flughafen Frankfurt: Betreuung für Obdachlose auch in der Corona-Krise

Erstmeldung vom Freitag, 17.04.2020: Flughafen Frankfurt - In der Corona-Krise lautet die Richtlinie: Zuhause bleiben. Fürobdachlose Menschen ist dieser Rat allerdings schwer zu befolgen. Und auch Helferinnen und Helfer stehen vor neuen Herausforderungen, wenn der Kontakt zu den Betroffenen eingeschränkt ist. Besonders bemerkbar macht sich die Pandemie derzeit am Frankfurter Flughafen.

Flughafen Frankfurt: Beratungsangebote für Obdachlose sind eingeschränkt

Die Terminals, in denen es sonst stetig wuselt, sind aufgrund der anhaltenden Reiseverbote während der Corona-Krise* und annullierten Flüge fast vollständig zum Erliegen gekommen. Das mache es zumindest leichter, die Betroffenen zu finden, meint Sozialarbeiterin Kristina Wessel gegenüber dem Portal „Extratipp.com". Wessel ist eine von zwei Sozialarbeiterinnen vom Diakonischen Werk für Frankfurt und Offenbach, das für alle obdachlosen Menschen zuständig sind, die sich am Frankfurter Flughafen aufhalten. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Malgorzota Zambron betreut sie zwischen 30 und 50 Personen. 

Corona-Krise: Obdachlose am Flughafen Frankfurt besonders gefährdet

Bisher sei es laut Wessel noch zu keinem bestätigten Corona-Fall unter den obdachlosen Menschen amFlughafen Frankfurt gekommen. Die Corona-Pandemie und die Angst davor waren aber zu Beginn auch unter den Betroffenen ein Thema. Das bedeutet für die Sozialarbeiterinnen vor allem mehr Aufklärungsarbeit. Um sie vor einer möglichen Ansteckung zu schützen, müssten Wessel und Zambron jetzt auch auf Abstand gehen, erklärt Wessel in dem Interview. Auch die weiterführende Hilfe, wie etwa Fragen zu Jobcenterleistungen und juristischen Problemen steht gerade vor größeren Hürden als üblich. Denn durch die Auflagen der Corona-Pandemie seien Ämter und Behörden derzeit schlecht zu erreichen. Dennoch biete das Weser5-Diakoniezentrum weiter Beratung, Verpflegung und die Möglichkeit zu duschen an. 

Obdachlos in der Corona-Krise: Kaum Infrastruktur am Flughafen Frankfurt

Kristina Wessel hat ihre Arbeit als Streetworkerin am Flughafen Frankfurt im September 2016 begonnen - damals war sie die erste Sozialarbeiterin Deutschlands, die sich speziell um wohnungslose Menschen an einem Flughafen kümmerte. Auch heute noch fungiert sie - gemeinsam mit Kollegin Zambron - als Ansprechpartnerin für die Menschen, deren Lebensmittelpunkt der Flughafen ist. 

Flughafen Frankfurt: Kein einfaches Leben für Obdachlose

Das Leben in den Terminals ist nicht einfach, zwar haben sowohl die Diakonie, als auch die Caritas dort Stationen, aber eine richtige soziale Infrastruktur gibt es nicht. Weder auf Notunterkünfte, noch auf Tafeln oder Tageseinrichtungen können die Menschen dort zurückgreifen.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, in einer früheren Version dieses Artikels hatten wir geschrieben, dass Fragen zu Jobs derzeit vor größeren Hürden stünden. Stattdessen sind es aber Fragen zu Jobcenterleistungen. Das war ein Fehler und wir bitten, dies zu entschuldigen. Zudem wurde ein Absatz geändert, der darauf hinwies, dass die Obdachlosen am Flughafen in Angst lebten. In der Korrektur heißt es nun, dass die Personen lediglich zu Beginn Angst vor dem Virus hatten. Ergänzende Informationen zur Situation der Infrastruktur lesen Sie im Update.

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Rubriklistenbild: © picture alliance / Boris Roessle

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