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Obdachlose Menschen trifft die Corona-Krise besonders heftig.

Corona-Pandemie

Corona-Krise : Angespannte Lage auf den Straßen in Frankfurt

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Die Corona-Krise beschäftigt die Einrichtungen der Obdachlosenhilfe in Frankfurt. Nun wird Kritik laut, weil die Stadt nur Menschen unter Corona-Verdacht in einem Hotel unterbringt.

Christine Heinrichs ist relativ entspannt. „Bei uns ist es total eingespielt“, sagt die Bereichsleiterin für die Wohnungslosenhilfe des stadtnahen Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten. „Wir haben uns auf die neue Situation eingestellt.“ Was Heinrichs meint: Die Einrichtungen des Frankfurter Vereins für obdachlose Menschen, etwa die Notunterkunft im Ostpark oder die Notschlafstelle am Eschenheimer Tor, haben sich aus ihrer Sicht allmählich an die Coronavirus-Pandemie angepasst.

Am Eschenheimer Tor, wo im Zwischengeschoss des U-Bahnhofs Obdachlose übernachten können, achte man zum Beispiel auf viel Abstand zwischen den Gästen, so Heinrichs. Insgesamt 109 Menschen hätten das Angebot in der Nacht zu Mittwoch genutzt. Mitarbeiter kümmerten sich verstärkt um Hygiene. Bekannte Fälle einer Coronavirus-Infektion gebe es in den Einrichtungen des Frankfurter Vereins bisher nicht, so Heinrichs. Es falle aber auf, dass alle Hilfseinrichtungen ihr Angebot einschränkten und obdachlose Menschen schwieriger an Essen und neue, saubere Kleidung kämen. „Da werden wir verstärkt dran arbeiten.“

Jürgen Mühlfeld bewertet die Situation weniger positiv. Die Lage sei angespannt, sagt der Leiter des Diakoniezentrums „Weser 5“ in der Gutleutstraße. Zwar achteten die Besucher mittlerweile auf Abstand etwa am Einlass und an der Essensausgabe und das Gesundheitsamt habe seine Einrichtung endlich mit Schutzmasken versorgt. Das Hilfsangebot sei aber leider eingeschränkt. So würden nur noch 50 Menschen gleichzeitig in die Tagesstätte gelassen. Das sei ein Problem, weil die Hilfe für die Menschen in der Krise existenziell sei, so Mühlfeld. Essen müsse man jetzt kostenlos ausgeben, weil die Gäste überhaupt kein Geld mehr hätten. Für alle Menschen sei die Pandemie bedrohlich, so Mühlfeld. Sie sei aber „für die, die ganz unten sind, noch viel dramatischer“.

Das Deutsche Rote Kreuz hat unterdessen die Arbeit in einer neuen Einrichtung aufgenommen, in der obdachlose und geflüchtete Menschen sich im Falle eines Corona-Verdachts in Quarantäne begeben sollen. Für das neue Angebot hat die Stadt Frankfurt kleine Apartments in einem Hotel angemietet. Man sei startklar, sagte Manuela Skotnik, Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). „Es ist alles vorbereitet.“ Derzeit würden in Absprache mit dem Gesundheitsamt noch Detailfragen geklärt, etwa zur Betreuung der zukünftigen Bewohner oder zur Frage, wie etwaige Verdachtsfälle in die neue Unterkunft gebracht werden sollten. Sowie es Fälle gebe, sei die Einrichtung aber schon jetzt aufnahmebereit, so Skotnik.

Der Initiative „Solidarity City Frankfurt“ gehen die Anstrengungen der Stadt nicht weit genug. In Frankfurt stünden gerade Tausende Hotelbetten leer, während weiter Obdachlose auf der Straße lebten, kritisierte die Aktivistin Gabi Hanka. Es mute zynisch an, dass sie sich erst infizieren müssten, um richtig untergebracht zu werden. „Die Corona-Krise führt uns gleich einem Vergrößerungsglas vor, wie entrechtet und ausgegrenzt Menschen hier leben müssen“, so Hanka.

Mainova-Chef Alsheimer spricht im Interview über den Stromverbrauch in Frankfurt in Corona-Zeiten, die Verantwortung für den Betrieb von Kliniken und Supermärkten und Notfall-Szenarien, falls sich die Lage noch zuspitzt.

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