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Auf der Zeil scheinen viele Menschen noch nicht zu wissen, dass man die Masken korrekt aufsetzen muss.

Corona-Krise in Hessen

Corona-Pandemie in Hessen: 430 Neuinfektionen an einem Tag

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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  • Fabian Scheuermann
    Fabian Scheuermann
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Die Ansteckungswege werden immer schwerer nachvollziehbar. Die Maskenpflicht in Frankfurt war am ersten Tag ein Flop.

Frankfurt am Main - Immer mehr Menschen in Hessen werden positiv auf das Coronavirus getestet. Das Sozialministerium registrierte am Freitag 430 Neuinfektionen binnen eines Tages. Der Schwerpunkt liegt im Rhein-Main-Gebiet. Spitzenreiterin ist Offenbach, gefolgt von der Nachbarstadt Frankfurt, deren Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) mit zehn Kollegen am Freitag an einer Videokonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnahm. Das Gespräch habe den Frankfurter Kurs bestätigt, sagte Feldmann im Anschuss. „Unsere Maßnahmen werden auch anderswo diskutiert und zum Teil schon umgesetzt.“

Corona in Offenbach: Höchster Wert seit Beginn der Pandemie

In Frankfurt lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Personen in den vergangenen sieben Tagen laut Ministerium bei 55,9. Die Stadt Offenbach verzeichnete am Freitag einen Anstieg der sogenannten Inzidenz auf 70,6 Neuinfektionen. Es ist der höchste Wert seit Beginn der Pandemie. Ab einem Wert von 75 geht die Steuerung der medizinischen Lage von der Stadt auf den Planungsstab des Landes über.

Frankfurt am Main: Anstieg von Corona-Infektionen - Ansteckungswege schwer nachzuvollziehen

116 Menschen sind laut Offenbacher Gesundheitsamt derzeit infiziert, sieben Personen werden im Krankenhaus behandelt. Die von den Gesundheitsämtern veröffentlichten Zahlen sind aktueller als die des Landes. Grund sind zeitliche Verzögerungen wegen der Übermittlung an das Robert-Koch-Institut (RKI).

Frankfurt hatte am Donnerstag den Schwellenwert von 50 überschritten. Seit Freitag gelten deshalb neue Einschränkungen wie eine Sperrstunde ab 23 Uhr, Alkoholverbot an bestimmten öffentlichen Plätzen. Neu ist auch die Maskenpflicht in belebten Einkaufstraßen. Nach Recherchen der Frankfurter Rundschau wussten viele der Passanten nichts von den Neuerungen. Es gab auch keine Hinweisschilder, geschweige denn Kontrollen. Die Verantwortlichen der Stadt hatten am Dienstag angekündigt, Polizei und Ordnungsamt einzusetzen. Davon war nichts zu sehen.

Corona in Hessen: „Brisante“ Entwicklung - maximale Belastung in Gesundheitsämtern

Von einer „brisanten“ Entwicklung sprach der stellvertretende Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, Antoni Walczok. Die Positivquote bei Testungen, etwa von Kontaktpersonen, sei in den vergangenen Wochen angestiegen. In machen Fällen sei jeder Vierte infiziert. Das Team des Gesundheitsamts arbeite unter maximaler Belastung. „Wir verfolgen weiterhin alle positiven Fälle.“ Diese zu informieren genieße Priorität. Bei den Kontaktpersonen hingegen ginge es nicht mehr so schnell wie noch vor wenigen Wochen. Auch werde es zunehmend schwieriger, alle ausfindig zu machen. „Es wird unüberschaubarer“, sagte der Infektiologe der Frankfurter Rundschau am Freitag und räumte ein: „Wir können nicht mehr in jedem einzelnen Fall die Infektionsketten nachvollziehen.“ Damit stünde Frankfurt nicht alleine da: „Das Problem ist flächendeckend in Deutschland.“

Corona-Pandemie: Das Virus ist flächendeckend in der Bevölkerung angekommen

Besonderes im Blick haben die Amtsärzte die Situation in den Krankenhäusern und den Altenpflegeeinrichtungen. Der aktuelle Ausbruch in einem Heim sei „nicht kritisch“. Frankfurts Kliniken von einer Überlastung weit entfernt, versicherte Walczok. Eine „einstellige Zahl“ müsse beatmet werden. „Im zweistelligen unteren Bereich“ bewege sich die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Normalstationen. Der geringe Teil an Schwerkranken ist erklärbar mit dem Durchschnittsalter der Infizierten. Auch in Frankfurt ist dies relativ niedrig, deshalb betreffen die neuen Einschränkungen vor allem das Nachtleben.

Corona in Hessen: Hoffnung, dass sich die Zunahme der Corona-Infektionen etwas abschwächt

„Die Hälfte der Infizierten stammt aus der Gruppe der 20- bis 40-Jährigen“, sagte Walczok. Es gebe keinen Hotspot, kein bestimmtes Geschehen, bei dem sich das Gros anstecke. „Das Virus ist flächendeckend in der Bevölkerung angekommen.“ Habe alle Berufsgruppen erwischt, alle Bereiche. Über die Wirksamkeit der Allgemeinverfügungen der Stadt macht sich der Infektiologe keine Illusionen. „Ich hoffe, dass sie die brisante Zunahme der Infektionen etwas abschwächt.“ Eindämmbar sei es nicht. Zumal die Freiluftsaison gerade ende.

Die steigenden Infektionen haben auch die Landesregierung alarmiert. Wie die Staatskanzlei mitteilte, will das hessische Corona-Kabinett am Montag „über weitere Maßnahmen gegen das Coronavirus“ beraten.

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