Coronavirus-Pandemie

Schulter an Schulter im vollen Becken

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Badegäste ohne Masken, überfüllte Schwimmbecken: In den Frankfurter Schwimmbädern erinnert nur noch wenig an die Pandemie. Der Bäderchef räumt Probleme ein.

Der FR-Leser berichtet von Szenen, die mehr an Sodom und Gomorrha als an Corona erinnern: Bei einem Besuch im Stadionbad am 12. August, einem heißen Mittwoch, habe er ein überfülltes Becken und Menschen am Beckenrand Schulter an Schulter gesehen. Das Badepersonal sei offensichtlich überfordert gewesen, im Eingangs- und Kassenbereich habe niemand eine Maske getragen. „Ich war schockiert“, schreibt der Südhesse in der Mail, die er nicht nur an die FR und die Bäderbetriebe, sondern nach eigener Aussage auch ans Bundeskanzleramt schickte: „Alle Badegäste benahmen sich ausnahmslos so wie an einem normalen heißen Ferientag im vergangenen Jahr.“

Mit den Vorwürfen konfrontiert, räumt Bäderchef Boris Zielinski ein: „Wir sind auf die Eigenverantwortung der Leute angewiesen.“ Die scheint bei Sonnenschein und Hitze im Schwimmbad jedoch noch geringer als andernorts. Zielinski konstatiert, das Verständnis habe zuletzt abgenommen, und die Probleme mit dem Einhalten der Hygieneverordnungen seien „in den vergangenen zwei bis drei Wochen massiver geworden“. Die Forderung des Beschwerdeführers, die Auslastung noch weiter zu verringern, kann der Bäderchef aber nicht nachvollziehen: „Mit der Auslastung liegen wir bei nur 30 Prozent.“ Im Stadionbad sei sie sogar noch geringer. Wo sich früher an heißen Tagen bis zu 10 000 Badegäste am Tag tummelten, seien es jetzt 1500 bis 2000.

Den Einwand, dass die Zahl der Gäste durch Besitzer der Vorteilskarte oder der Junior-Bäderkarte in ungeahnte Höhen schieße, lässt Zielinski nicht gelten. An den Nachmittagen seien das maximal 200 Menschen zusätzlich pro Freibad, die Vormittage seien ohnehin unproblematisch. Die Liegewiesen sind in der Tat leerer als in den Vorjahren, doch die Quote der Badegäste, die es ins Wasser zieht, scheint höher. „Freibäder waren d a s Freizeithighlight in diesem Sommer“, gibt Zielinski zu bedenken.

Die heißen Tage sind noch nicht vorbei, wohl aber die hessischen Schulferien. Erfahrungsgemäß gehe die Zahl der Badegäste damit zurück, prophezeit Zielinski. Um eine Bilanz des Corona-Sommers in den Freibädern zu ziehen, sei es noch ein bisschen früh, aber er ist sich schon sicher: „Wir haben das Beste aus den Bedingungen gemacht.“

Der FR-Leser aus Südhessen war am 12. August aus Angst vor einer Ansteckung „schweren Herzens“ nicht schwimmen, will es dieser Tage aber noch mal im Stadionbad probieren.

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