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Berittene Polizei überwacht den Hafenpark
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Berittene Polizei überwacht den Hafenpark

Corona

Corona in Frankfurt

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Wie ein Frankfurter zum Chronisten der Pandemie wurde. Philipp Lenssen hat mehr als 20 000 Bilder in ganz Deutschland gemacht und archiviert.

Angefangen hat es mit den kleinen, meist handgeschriebenen Zetteln. Auf denen wurden Geschäftsaufgaben oder die Schließungen von Läden bedauert. Philipp Lenssen hat sie fotografiert, um sie für die Nachwelt festzuhalten. „In den Schildern kam so viel Leid zum Ausdruck“, sagt Lenssen.

Der 43-Jährige, schon immer sehr geschichtsinteressiert, erkennt schnell, dass diese Pandemie auch eine zeitgeschichtliche Komponente hat. Immer häufiger geht Lenssen auf Streifzüge, um atypische Szenen einzufangen. Er kauft sich dafür sogar bessere Kameras, die Zettel am Anfang hat er noch mit dem Handy fotografiert. „Ich wollte dokumentieren, wie das öffentliche Leben durch Corona verändert wird.“

Die Pandemie hat auch sein Leben verändert. Der Programmierer und Designer arbeitet seit 15 Jahren im Homeoffice. Doch während andere jetzt zu Hause bleiben, begibt sich Lenssen immer häufiger auf „Gedankenspaziergänge“ durch die Stadt. Vom Grüneburgweg im Frankfurter Nordend aus zieht er los.

Chronik

Zwei Bildbände zu Corona in Deutschland hat Philipp Lenssen im Selbstverlag veröffentlicht. „Bilder aus dem Krisenleben“ und „Neuer Lockdown, Impfung, Demos“.

Weitere Infos und alle Bilder finden sich unter https://CoronaBrowser.com.

Doch die Streifzüge zu Fuß reichen ihm bald nicht mehr. „Ich wollte einfach sehen, wie das in anderen Städten aussieht, das ging mir nicht mehr aus dem Kopf“, sagt Lenssen. Während andere Leute nicht mehr reisen, ist der 43-Jährige so viel unterwegs wie noch nie zuvor in seinem Leben. Seine beruflichen Projekte stellt er zurück, er wird zum Corona-Chronisten. 20 000 Bilder hat Lenssen mittlerweile gemacht und entdeckt immer wieder Neues. Er fährt nach Hamburg, um die Proteste des Rotlichtviertels auf der Reeperbahn einzufangen, er fährt nach Tübingen, um zu schauen, wie die Dinge in der Modellstadt am Neckar laufen. In Nürtingen entdeckt er eine Modeboutique, deren Sortiment zu 60 Prozent aus Klopapier besteht, damit sie geöffnet bleiben kann.

Lenssens Rolle wandelt sich. „Anfangs habe ich fast anonym fotografiert“ – doch immer öfter sucht er das Gespräch mit den Menschen. Wenn er merkt, dass sie sich unwohl fühlen, löscht er die Bilder wieder. Aber die meisten wollen. „Viele sind froh, dass das bezeugt wird“, sagt Lenssen.

Davon leben kann er nicht. „Ich arbeite Vollzeit, aber nicht beruflich“, betont er. Auf einen kommerziellen Ansatz hat er verzichtet, die Website ist ohne Werbung, die Bilder können kostenfrei genutzt werden. Sein Auskommen hat er durch seine Websites und Spielesoftware. Wie lange sein Projekt noch andauern soll? „Solange die Veränderungen anhalten.“

Ohne Kamera fühlt er sich mittlerweile nackt. Statt Schwimmen und Fitnessstudio unternimmt er Spaziergänge mit der Kamera. Was er ablichten wird, wenn die Pandemie vorbei ist, weiß er noch nicht, aber ihn reizt nur das Neue. „Ich habe keine Motivation, nach Paris zu fahren und den Eiffelturm zu fotografieren.“ Auf einen Fortgang der Pandemie hofft Lenssen trotzdem nicht: „Mich würde es freuen, wenn so schnell wie möglich alles wieder normal wird und das Projekt beendet ist.“

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