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Am Montag soll der Frankfurter Weihnachtsmarkt eröffnen.
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Am Montag soll der Frankfurter Weihnachtsmarkt eröffnen.

Weihnachtsmärkte in Hessen

Corona-Lage in Hessen: Petition fordert Absage von Frankfurter Weihnachtsmarkt

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  • Claudia Kabel
    Claudia Kabel
  • Madeleine Reckmann
    Madeleine Reckmann
  • Kathrin Rosendorff
    Kathrin Rosendorff

Die Corona-Fallzahlen steigen auch in Hessen. Städte wie Darmstadt überarbeiten ihre Sicherheits-Konzepte. Gegen die Weihnachtsmärkte in der Region regt sich Widerstand.

Frankfurt am Main - Louis Vespermann baut am Donnerstagmittag gerade seinen Stand „Alte Frankfurter Backstubb“ auf. Sein Gefühl dabei: „Ängstlich“, so beschreibt er es. „Es ist das erste Mal, dass wir auf dem Weihnachtsmarkt in Frankfurt sein dürfen. Ich habe sehr viel Geld in den neuen Stand investiert. Wenn er denn ab Montag stattfindet und nicht wie in München doch am Ende noch abgesagt wird. „Dann wird es finanziell eng“, sagt Vespermann. Seine Befürchtung ist nicht unbegründet, denn die Corona-Infektionszahlen steigen täglich, das Robert-Koch-Institut warnt vor größeren Zusammenkünften, und viele Städte in Hessen überlegen, wie sie nun beim Thema Weihnachtsmarkt reagieren sollen.

Vespermann kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, dass am Donnerstagabend eine vorsichtige Entwarnung von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) kommen wird. „Ich weiß doch, viele Menschen freuen sich auf den Weihnachtsmarkt, einfach wieder zusammenzusein, eine besondere Atmosphäre zu genießen“, sagt der Regierungschef nach dem Bund-Länder-Treffen.

„Das kann man und kann trotzdem auch bestimmte Regeln einhalten.“ Er sei sehr dankbar, dass er den Betreiber:innen und Schausteller:innen nicht sagen müsse, das fände alles nicht mehr statt. „Wir können in Hessen, anders als in anderen Ländern, die sehr hohe Inzidenzen haben, das verantworten.“ Letztlich vertraue er, dass die Behörden vor Ort die richtigen Entscheidungen träfen. In manchen Orten, wo es enger sei, könnten Einschränkungen möglich sein. Das dürfte aber für Frankfurt nicht gelten.

Weihnachtsmarkt in Darmstadt: Abstände wurden nicht eingehalten und Masken nicht getragen

Beim Darmstädter Weihnachtsmarkt, der schon in dieser Woche eröffnet wurde, wurde beim Konzept bereits nachgebessert: Dort kam es an den ersten beiden Tagen in den Abendstunden auf dem Friedensplatz zu Gedränge; Abstände wurden nicht eingehalten und Masken nicht getragen, teilte die städtische Pressestelle mit. Deswegen habe man den Platz am Mittwoch eingezäunt und seit 17 Uhr die Personenzahl kontrolliert. Falls es zu Gedrängesituationen an einzelnen Punkten komme, werde zeitweise der Zugang gesperrt. Dies sei am Mittwoch um 20 Uhr der Fall gewesen. Abhängig von der weiteren Entwicklung des Infektionsgeschehens sowie den Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz sind laut Stadt weitere Anpassungen, wie 2G- oder 3G-Regeln, in den eingezäunten Bereichen möglich.

Weihnachtsmarkt in Wiesbaden: Ob der Markt stattfindet, ist noch offen

Ob der Sternschnuppenmarkt in Wiesbaden wie geplant am Dienstag eröffnet wird, ist unklar. „Wir beobachten, wie sich die Infektionszahlen in der Stadt entwickeln und welche Entscheidungen die Politik in Bund und Land treffen“, teilt ein Sprecher der Landeshauptstadt mit. Eine Absage des Marktes sei zurzeit nicht vorgesehen. Eine Möglichkeit sei, die Regeln für den Besuch strenger zu fassen. Bislang gilt die Maskenpflicht. In begehbaren Ständen entscheiden die Betreiber, ob die Gäste 2G oder 3G einzuhalten haben. Der abgetrennte Gastro-Bereich darf nur unter der 2G-Regel betreten werden.

Frankfurter Weihnachtsmarkt in der Innenstadt frei zugänglich

Vespermanns Stand steht auf dem Roßmarkt. Der Roßmarkt ist zum ersten Mal Teil des Frankfurter Weihnachtsmarkts, damit dieser eben weitläufiger als sonst ist. Auch gibt es keine Eröffnungsfeier am Montag und insgesamt weniger Stände. Dort, wo es eng wird, sollen die Menschen Masken tragen. Stadtpolizei und Sicherheitspersonal sollen dies kontrollieren. Vespermann sagt, seine norddeutsche Spezialität Schmalzkuchen („wie ein Kreppel, nur in frisch“) gebe es zum ersten Mal auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt. Die Besucher:innen können diesen aber nicht am Stand essen, sondern nur mitnehmen. Der Stand ist noch außerhalb der abgetrennten 2G-Zone, wo Genesene und Geimpfte an den Glühweinständen ohne Maske und Abstand etwas trinken dürfen. Hier und am Friedrich-Stoltze-Platz („Rosa Weihnacht“) soll es 2G-Einlasskontrollen geben. Ansonsten ist der Frankfurter Weihnachtsmarkt in der Innenstadt frei zugänglich.

Louis und Liane Vespermann sind zum ersten Mal mit ihrem Stand auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt. Eine Absage wäre für sie schlimm.

So der Plan. „Momentan bleiben wir bei dieser Planung“, sagt am Donnerstag eine Sprecherin der städtischen Tourismus & Congress GmbH, die für Aufbau und Konzept des Frankfurter Weihnachtsmarkts verantwortlich ist. Eine Absage stehe nicht in der Diskussion.

Weihnachtsmarkt in Frankfurt: „Der Weihnachtsmarkt ist positiv für die Seele“

Am Stand von „Santa’s Früchte“ unweit der Neuen Kräme hängt Rico Levy, der sich seit Jahren einen echten Weihnachtsmannbart hat wachsen lassen, gerade das Plakat: „30 Jahre Jubiläum“ auf. Seine Frau sagt, dass zum ersten Mal in all den Jahren die Psyche ins Spiel komme. Dass sie vielleicht alles abbauen und nach Hause fahren müssten. „Meine Eltern sitzen vorm Fernseher und verfolgen die Nachrichten. In jedem Moment könnte mein Telefon klingeln“, sagt sie wenige Stunden bevor Bouffier spricht. Am meisten ärgert sie die Unvernunft der Impfverweigerer:innen. „Dies dumpfsinnige Verhalten hat uns in so eine Lage erst gebracht.“ Und wie sicher fühlen sich die Frankfurter:innen? Eine junge Frau, die unweit des Paulsplatzes wohnt, den Frankfurter Weihnachtsmarkt also vor der Tür hat, sagt: „Also ich werde hingehen, aber nur in den 2G-Bereich, damit fühle ich mich wohler.“ Ein Mann am Roßmarkt sagt: „Dass der Weihnachtsmarkt stattfindet, gibt mir ein Gefühl der Normalität. Ich habe als Geimpfter alles getan, damit die Situation besser wird. Ich habe es verdient, dort hinzugehen. Der Weihnachtsmarkt ist positiv für die Seele.“

Wie wichtig ist dem Einzelhandel, dass der Weihnachtsmarkt stattfindet? „In der aktuellen pandemischen Situation ist das nicht unkritisch, aber als Frequenzbringer ist der Weihnachtsmarkt sehr wichtig. Er bringt die Leute raus aus dem Homeoffice, rein in die Innenstadt. Das ist nicht nur für Einzelhändler, sondern auch für Taxifahrer und Gastronomen wirtschaftlich wichtig“, sagt Joachim Stoll, Vizepräsident des Handelsverbands Hessen-Süd.

Frankfurterin startet Petition „Stoppt den Frankfurter Weihnachtsmarkt“

Die Frankfurter Aktivistin (#NoFragida) Annette Ludwig hatte am Dienstag eine Onlinepetition „Stoppt den Frankfurter Weihnachtsmarkt“ gestartet. Bis Donnerstag haben schon mehr als 500 Menschen diese unterschrieben. „Ich bin täglich entsetzter darüber, dass der Weihnachtsmarkt stattfinden soll. Er wird voller Menschen sein, die sich drängen.“

Sie betont: „Es ist ein falsches Signal. Den Leuten wird vermittelt, dass nichts passieren könne. Doch ich vertraue dem Robert-Koch-Institut, das vor Großevents warnt. Wenn nur ein Mensch stirbt, ist das ein Mensch zu viel.“ Sie verstehe nicht, dass Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nicht handele. „Ich hätte Herrn Feldmann zugetraut, dass er, der sonst so am Wohlergehen der Stadtgesellschaft interessiert ist, den Weihnachtsmarkt absagt.“ (mit cka, mre und pit)

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