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Bildung

Hessen: Hackerangriff auf hessisches Schulportal - Schulen suchen nach Alternativen für Distanzunterricht

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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  • Peter Hanack
    Peter Hanack
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Schulplattform für digitalen Unterricht in Hessen hält Attacken und dem großen Andrang der Schulen stand. Viele nutzen aber auch Alternativen, vor allem wegen einer Funktion.

  • Hessen: Das hessisches Schulportal wurde von Hackern angegriffen.
  • Corona in Hessen: Hessische Schulen wegen Distanzunterricht auf digitale Tools angewiesen.
  • Corona-Regeln in Hessen: Hessische Schulen sollen digitaler werden.

Wiesbaden - Das Schulportal in Hessen ist am Montag offenbar von Hackern angegriffen worden. Die Attacken seien abgewehrt worden, teilte ein Sprecher des Kultusministeriums am Dienstag auf Anfrage mit. Zudem verwahrte sich das Ministerium gegen Vorwürfe, das Schulportal in Hessen halte den Anforderungen des Distanzunterrichts nicht stand.

Die Hackerangriffe auf das hessische Schulportal erfolgten laut Kultusministerium am Montagvormittag. Auch die Schulcloud des Hasso-Plattner-Instituts, die knapp 100 Schulen in Hessen nutzen, ist am Montag offenbar von Hackern angegriffen worden und war zeitweise gestört.

„Es gab zum Start am Montag aufgrund des hohen Aufkommens lediglich einzelne Verzögerungen beim Anmelden“, sagte der Ministeriumssprecher am Dienstag. Von einem Ausfall, wie ihn Vertreter von Lehrergewerkschaften beklagt hatten, könne keine Rede sein. Auch am Dienstag habe das Portal in Hessen nahezu uneingeschränkt funktioniert, teilte das Ministerium mit. Das Aufrüsten der Serverkapazitäten über Weihnachten habe sich erfreulicherweise ausgezahlt.

Hessen und Corona: Hessisches Schulportal wurde von Hackern angegriffen

Neunzig Prozent der weiterführenden Schulen und die Hälfte der Grundschulen in Hessen sind laut Ministerium am hessischen Schulportal angemeldet. Längst nicht alle aber nutzen das Portal auch für den Distanzunterricht, wie er seit dem Ende der Weihnachtsferien am Montag für weite Teile der Schülerschaft gilt.

Die Karl-Rehbein-Schule in Hanau etwa setzt für den digitalen Unterricht auf das Tool Teams von Microsoft. „Wir brauchen etwas, das ganz schnell funktioniert und praktikabel ist“, erklärt Schulleiter Jürgen Scheuermann. Teams sei den Schulen von der Stadt Hanau zur Nutzung angeboten worden, die auch die Systempflege dafür übernommen habe. Die Software funktioniere sehr verlässlich und biete ein komfortables Videochat-Programm. Daran mangelt es dem hessischen Schulportal bislang. „Die Videofunktion soll vom nächsten Schuljahr an verfügbar sein“, sagte der Ministeriumssprecher. Das Ministerium hat den Schulen und Lehrkräften in Hessen deshalb erlaubt, auch andere, großteils kommerzielle Angebote zu nutzen, beispielsweise eben Teams, Webex, Zoom oder die kostenlose Open-Source-Software Big Blue Button.

Die Beeinträchtigungen durch den Angriff waren offenbar gering. Mehr Sorgen haben die Schulen mit der Beschaffung von Tablets, Laptops und WLAN. Marijan Murat/dpa

Corona in Hessen: Distanzunterricht erfordert digitale Lernplattformen

Big Blue Button wird etwa vom Gymnasium Riedberg in Frankfurt nun für Videokonferenzen im Distanzunterricht genutzt. Am Montag hatte die Schule ihren pädagogischen Tag genau zu diesem Thema: Big Blue Button. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Schulleiter Helmut Kühnberger. Auch mit dem hessischen Schulportal Lanis gibt es keine Probleme an dem Gymnasium. Zudem wird die Lernplattform Moodle und ein eigenes E-Mail-System für den Distanzunterricht genutzt. „Damit lässt sich alles abdecken“, sagt Kühnberger. Die Ablage über Lanis, die Unterrichtsorganisation über Moodle, Videokonferenzen über Big Blue Button.

Wenn Kühnberger an kommerzielle Angebote wie Teams denkt, dann „ sind das viel integriertere Lösungen“. Da müssten nicht so viele Systeme parallel mit verschiedenen Passwörtern laufen. „Ohne diese Reibungsverluste wäre es natürlich schon schön“, sagt er. „Aber man kann so prima leben.“ Die Konzerne würden schließlich auch Millionen Euro in Experten und die Projektentwicklung stecken. „Das ist in Hessen beim Schulportal sicher nicht der Fall“, sagt Kühnberger. Er versteht allerdings nicht, warum jedes Bundesland seine eigene Lernplattform haben müsse. „Es sollten sich alle zusammenschließen und gemeinsam in die Entwicklung und in Experten investieren“, fordert er.

Bei der Beschaffung und beim Verteilen von mobilen Endgeräten hakt es auch noch in Hessen. Das Land geht von einem Bedarf von 100 000 bis 120 000 Tablet-Computern für Schülerinnen und Schüler aus, deren Familien sich ein solches Gerät nicht selbst leisten können – das ist etwa jede:r siebte Schulpflichtige in Hessen. Bestellt seien bislang 82 000 Geräte, heißt es am Dienstag aus dem Kultusministerium, 63 000 seien bereits ausgeliefert worden.

Längst nicht alle sind bei den Kindern und Jugendlichen schon angekommen. Das Hanauer Karl-Rehbein-Gymnasium etwa hat 180 Geräte erhalten, die aktuell noch mit den nötigen Apps ausgestattet werden müssen. Das übernimmt dort die Stadt Hanau.

Noch nicht angekommen sind die Geräte für die Lehrerschaft. Jede Lehrkraft soll ein Tablet oder einen Laptop erhalten, um digitalen Unterricht in der Schule, aber auch – wie aktuell nötig – Distanzunterricht erteilen zu können. Zurzeit wird damit gerechnet, dass die Geräte im Frühsommer ausgeliefert werden.

Hessen und die Digitalisierung von Schulen: Laptops als Leihgeräte für Schulen

In Frankfurt hat die Stadt 9000 Laptops als Leihgeräte für Schülerinnen und Schüler gekauft und an die Schulen verteilt. Sie haben Kameras und ein Betriebssystem, die Software ist nicht installiert. Darum müssen die Schulen sich selbst kümmern. „Bei uns hat das der Informatikkurs gemacht“, sagt Kühnberger. Wartung und Pflege der Geräte übernimmt das Stadtschulamt, eine Leihgebühr wird nicht erhoben. Auch kein Versicherungbeitrag. „Es muss lediglich unterschrieben werden, dass ordentlich mit den Geräten umgegangen wird“, sagt Kühnberger.

Auch gab es für jede Schule 1000 Euro IT-Zuschuss von der Stadt, damit Zubehör für den Distanzunterricht beschafft werden kann, etwa Kameras und Mikrofone. Zwanzig Kameras und Mikrofone hat auch das Gymnasium Riedberg gekauft. Allerdings mit dem Geld des Fördervereins. Denn die Schule war einfach schneller als die Stadt. „Wir haben schon früh im Sommer gedacht, dass wir das brauchen können“, sagt Kühnberger, für Unterricht im Wechselmodell etwa. „Damit können wir die eine Hälfte der Klasse unterrichten, während die andere zu Hause live dabei ist.“

Derzeit werden diese Kameras und Mikrofone nicht gebraucht. So gut wie alle Schülerinnen und Schüler – außer dem Abschlussjahrgang – sind im Distanzunterricht, die Lehrkräfte unterrichten von zu Hause aus. Doch auch bei einem Wechselmodell kann nur ein Drittel der Schülerschaft Unterricht über den Livestream erhalten. „Wir haben nur in 13 Räumen WLAN“, sagt Kühnberger.

Immerhin hat die Schule aber überhaupt mobiles Internet. Das haben in Frankfurt derzeit nur 14 Pilotschulen, hinzu kommen die schon vorgesehenen Berufsschulen. Bis zum Ende dieses Jahres will Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) 100 Schulen mit WLAN ausgestattet haben, nächstes Jahr sollen die restlichen 67 folgen. (Sandra Busch, Peter Hanack)

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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