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Gegen Influenza kann man sich, wie hier, impfen lassen, gegen Corona bisher noch nicht.

Engpässe in Apotheken

Grippewelle in Hessen: Gesundheitsamt warnt vor Doppelbelastung

Während das Gesundheitsamt bei den Risikogruppen für eine Grippeimpfung wirbt, gibt es bei einigen Apotheken in Frankfurt Lieferungsengpässe.

Frankfurt – Husten, Fieber, Gliederschmerzen - nicht nur die Corona-Zahlen steigen in diesen Tagen bedenklich, auch vor der Grippe bleibt Hessen in diesem Jahr nicht verschont. Jetzt warnt das Gesundheitsamt vor einer Überlastung des Gesundheitssystems.

Engpass in Hessen: Den Apotheken geht die Grippeimpfdose aus

„Eine zusätzliche, starke Influenzawelle könnte das Gesundheitssystem schnell an die Belastungsgrenze bringen“, warnt Edgar Pinkowski von der Landesärztekammer Hessen. Zusammen mit dem Gesundheitsamt und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen haben sie eine Kampagne gestartet, um für die Grippeimpfung zu werben. Denn während die Entwicklung des Impfstoffes gegen Corona noch mehr als einige Monate dauern wird, steht die Grippeimpfdose in den Apotheken zu Abholung für Ärzte und Privatkunden bereit – sollte sie zumindest.

Hier sieht sich Frau Sanden von der Brockschen Apotheke an der Berger Straße in Frankfurt vor einem Problem. Schon seien alle Impfstoffe verkauft, laut dem Hersteller Mylan Dura gebe es keinen Nachschub mehr. Auch Holger Seyfarth, Vorsitzender der Hessischen Apothekenkammer (HAK), bestätigt die hohe Nachfrage. Ausverkaufte Impfstoffe führt er jedoch auf logistische Probleme zurück. „So groß sind die Kühlschränke in den Apotheken ja auch nicht.“ Die Apotheken kämen eben nicht hinterher. In seiner eigenen Apotheke sind die Grippeimpfstoffe ebenfalls ausverkauft, die Lieferung für die nächste Woche ist schon komplett für Arztpraxen oder Einzelpersonen reserviert.

Zusätzlich sechs Millionen Impfdosen: Deutschland versorgt sich mit Grippeimpfstoffen

Dabei hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) nach eigenen Angaben zusätzlich sechs Millionen Impfdosen für die Versorgung in Deutschland beschafft. Das seien rund 30 Prozent mehr als im letzten Jahr, als 21,2 Millionen Impfdosen zur Verfügung standen. Das Sozialministerium „kann derzeit keinen Mangel an Grippeimpfstoffen erkennen“, so die Antwort auf eine Anfrage der Frankfurter Rundschau. Auch in den letzten Jahren wären die Impfstoffmengen nicht vollständig in der jeweiligen Saison verbraucht worden. Lieferengpässe auf Großhandelsebene wären jedoch möglich.

Nachfragen bei weiteren Apotheken geben ein gemischtes Bild: Von den einen heißt es, sie hätten derzeit genug Impfstoffe, andere geben sich kurz angebunden: „Wir kriegen sehr viele Nachfragen, können aber nicht sagen, wann die Impfstoffe kommen werden“, heißt es in der Einhorn-Apotheke am Rathenauplatz in Frankfurt.

Das Gesundheitsamt rät besonders den Risikogruppen zu einer Grippeimpfung

Jedes Jahr erkranken rund zehn Prozent der Bevölkerung an der Influenza. Eine Impfung könnte zu etwa 70 Prozent vor einer Erkrankung schützen, sagen Experten. Das Gesundheitsamt rät besonders Menschen mit Vorerkrankungen, Schwangeren, Senioren und Pflegepersonal zu einer Schutzimpfung. Das Ziel solle sein, „als Erstes diejenigen zu impfen, die besonders gefährdet sind“. Für alle anderen sei es wichtig, mit den schon durch Corona bekannten Hygienemaßnahmen Schutz zu gewährleisten.

Kann die Impfung der Risikopatienten sichergestellt werden? „Mit einer gewissen Verzögerung werden alle, die geimpft werden wollen, versorgt.“ Da ist sich Seyfarth sicher. Die Impfbereitschaft in der Bevölkerung sei traditionell gering, rund 30 Prozent ließen sich impfen. „Dann sind es dieses Jahr vielleicht 35 Prozent.“ Dennoch könne er verstehen, dass viele Apotheken auf eine Bestellung der Impfstoffe beim Lieferanten verzichten würden. Das Geschäft sei riskant, unattraktiv und unwirtschaftlich, pro Impfstofflieferung ließe sich nur wenig bis gar kein Geld verdienen. (Von Isabel Knippel)

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