Krankenschwester Anne Reitz (r.) nimmt im neuen Corona-Testcontainer des Infektiologikums eine Rachenprobe von einer Kollegin.
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Krankenschwester Anne Reitz (r.) nimmt im neuen Corona-Testcontainer des Infektiologikums eine Rachenprobe von einer Kollegin.

Forschung in Zeiten von Corona

Corona in Hessen: Dem Antikörper-Test auf der Spur - Blutplasma soll Aufschluss geben

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Auch in Hessen fahnden Wissenschaftler mit Hilfe von Genesenen nach dem ultimativen Corona-Test. Unklar ist weiterhin, ob Antikörper vor einer zweiten Infektion schützen.

  • Corona-Krise: Wissenschaftler auf der Suche nach Test
  • Blutplasma von Corona-Genesen soll Aufschluss geben
  • Antikörper-Test* zeigt Unterschiede im Krankheitsverlauf auf
In Apotheken oder im Internet sind sie schon erhältlich. Doch: „Alle Antikörpertests haben gewisse Schwächen“, sagte die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek vor rund drei Wochen. Ob das am Montag von der Firma Roche präsentierte Produkt dies geändert hat, werde sie jetzt unter Laborbedingungen überprüfen. In der ganzen Welt arbeiten Wissenschaftler daran, dass aussagekräftige Tests zur Verfügung stehen. Auch in Hessen. Dort sind unter anderem beide Unikliniken involviert und das Kreiskrankenhaus Groß-Gerau. Das Institut für Medizinische Virologie mit Direktorin Ciesek hat unter anderem fünf Tests verglichen.

WHO: Corona-Pass ist nicht sicher genug - Hoffnung liegt auf Test

Bislang haben sämtliche getesteten Produkte die großen Hoffnungen, die viele auf sie setzten, nicht erfüllt: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte dieser Tage vor sogenannten Immunitätsnachweisen für Menschen nach durchgemachter Corona-Infektion gewarnt. Einige Regierungen hatten vorgeschlagen, Ex-Infizierten eine Art Covid-Pass auszustellen – etwa um früher zurück zur Arbeit zu können. Laut WHO ist die Annahme, dass Antikörper im Blut immun gegen das Virus machen, nicht ausreichend wissenschaftlich gedeckt: „Es gibt im Moment keinen Nachweis, dass Menschen, die Antikörper haben, vor einer zweiten Infektion geschützt sind.“ Darauf stützt sich auch Ciesek.

Spender für Corona-Test gesucht: Uniklinik Frankfurt mit erster Studie

Die Universitätsklinik Gießen-Marburg nimmt an einer klinischen Studie zur Therapie von Covid-19 teil. Dabei soll Blutplasma von Menschen eingesetzt werden, die eine Infektion überstanden haben. Jetzt sucht sie Spender, die die Erkrankung bereits hinter sich haben.

An der Frankfurter Uniklinik sitzt Erhard Seifried, einer der beiden wissenschaftlichen Leiter der ersten klinischen Studie, bei der es ebenfalls um die Wirksamkeit von Plasma geht, das von gesundeten Patienten nach einem schweren Verlauf von Covid-19 stammt. Er ist Ärztlicher Direktor und Medizinischer Geschäftsführer des Instituts für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie.

Corona befeuert Forschungsdrang - Antikörper-Test soll helfen

Auch jenseits der Hochschule regt sich Forschungsdrang. Das Medizinische Versorgungszentrum an der Kreisklinik Groß-Gerau hat in Zusammenarbeit mit dem Bio-scentia-Labor vor zwei Wochen mit Antikörpertests begonnen. 138 genesene Patienten haben sich bereit erklärt, mit ihrem Blut der Wissenschaft zu helfen, sagt Geschäftsführerin Erika Raab. Fragestellungen sind etwa die Massentauglichkeit bestimmter Test-Kits oder deren Aussagekraft. Falls von den Probanden erwünscht, vermittelt die Klinik sie weiter an Universitätskliniken, etwa als Plasmaspender.

Corona-Test gibt Aufschluss über Unterschiede im Krankheitsverlauf

Einen großen Vorteil sieht Raab darin, dass über den Krankheitsverlauf der Genesenen sehr viel bekannt ist. Das Medizinische Versorgungszentrum hatte schon sehr früh einen Drive-in in Betrieb genommen, in dem Menschen, die nach den Kriterien der Robert-Koch-Instituts zur Verdachtsgruppe gehören, in ihren Autos getestet werden. Schwere Fälle werden auch in Groß-Gerau behandelt. „Wir kennen die Krankheitsgeschichten von Anfang bis Ende“, sagt Raab. Unterschiede, die bei den Antikörpern festgestellt würden, könnten mit den jeweiligen Verläufen verglichen werden.

Die beiden Kliniken im Kreis Groß-Gerau teilen sich derzeit die Arbeit: Rüsselsheim ist auf Non-Covid-Patienten spezialisiert, Groß-Gerau auf die mit Corona. Raab hofft, dass die gute Kooperation – die auch die Unterstützung der niedergelassenen Ärzte einbezieht – nach der Pandemie fortgesetzt werden kann. Die Kreisklinik ist derzeit in Insolvenz in Eigenverwaltung.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktions Netzwerkes

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