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Wer seinen Balkon bepflanzt, tut etwas für Umwelt und Insekten.

Balkongärtnerei

Corona in Frankfurt: Gemüse und Obst aus luftiger Höhe gegen die Krise

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Nicht erst seit der Corona-Krise ist der eigene Garten ein Segen. Selbst auf dem Balkon schenken Pflanzen Freude und helfen Insekten.

Frischer, garantiert virenfreier Blattsalat und Tomaten: In der Corona-Krise freuen sich spätestens im Sommer diejenigen, die einen eigenen Garten haben. Doch auch wer ihn nicht hat, kann zum Selbstversorger werden. Gemüse, Obst und Kräuter lassen sich auf dem Balkon ziehen. Und von dem Gemüsegarten in luftiger Höhe profitiert nicht nur die eigene Küche. Auch Bienen und Schmetterlingen wird dort der Tisch bereitet.

„Ich sehe das als meinen Beitrag, Naturoasen in der Stadt zu schaffen“, sagt der Frankfurter Wolfgang Künzer. Seit zehn Jahren lässt er auf der Dachterrasse und dem Balkon seines Hauses im Nordend Gemüsepflanzen und Blumen wachsen. Zunächst experimentierte er mit verschiedenen Tomatensorten; inzwischen hat er sich auch ein Hochbeet gebaut, in dem während der Saison Salate, Kräuter und Radieschen sprießen. Auf den Fensterbänken in seinem Haus stehen bereits Anzuchtgefäße, in denen entsprechende Sämereien keimen, die er nach den Eisheiligen im Mai an die frische Luft setzen wird. Um den Ertrag geht es Künzer nicht in erster Linie. „Im Supermarkt kann ich Tomaten viel billiger kaufen“, sagt er. Doch es sei eine Freude, die Pflanzen wachsen zu sehen und selbst Tomaten, Kräuter und Salat ernten zu können. Zudem achte er bei der Wahl seiner Blumen darauf, dass sie insektenfreundlich seien. „Damit auch die Bienen etwas davon haben.“

Balkongärten sorgen für Entsopannung auch in Corona-Zeiten

Balkongärten kann Nadja Kasperczyk vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frankfurt vor allem Familien empfehlen. „Die Kinder können das Wachsen und Entstehen von Lebensmitteln verfolgen, sie bekommen einen Eindruck davon, wie viel Arbeit es bis zur Ernte braucht, und es ist ein befriedigendes Erlebnis, wenn sie Tomaten oder Erdbeeren pflücken können“, sagt die Biologin.

Wer in die Balkongärtnerei einsteigen will, dem empfiehlt sie, zunächst den eigenen Balkon genau in Augenschein zu nehmen. Wichtig sei es festzustellen, wann und wie stark er von der Sonne beschienen werde, und auch die Größe der Fläche sei für die Pflanzenauswahl entscheidend. Grundsätzlich rät sie Anfängern, sich für pflegeleichte Gewächse zu entscheiden, damit sie sich durch Misserfolge nicht die Freude am Gärtnern verderben. Insektenfreundliche Blumenmischungen, wie sie beispielsweise der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) anbiete, sowie Kräuter gediehen, selbst wenn man keinen grünen Daumen habe.

„Bei den Kräutern kann man es sich einfacher machen, wenn man Kräutertöpfe, wie man sie in Supermärkten etwa mit Rosmarin oder Majoran findet, in größere Gefäße umtopft und auf den Balkon stellt“, sagt Frank Uwe Pfuhl, der Wetterauer Naturgartenexperte des Nabu. Um einen positiven Einfluss auf die Umwelt zu erzielen, komme es dabei nicht auf die Größe der Bepflanzung an. Schon ein Balkonkasten am Fenster sei eine kleine Klimaanlage. Pflanzen sorgten nicht nur für Kühlung, sie reinigten auch die Luft, in dem sie beispielsweise Feinstaub bänden. Das sei gerade jetzt in der Corona-Krise wichtig, so Frank Uwe Pfuhl. Erste Daten deuteten darauf hin, dass eine hohe Schadstoffbelastung eine Erkrankung mit Covid-19 begünstige und deren Heilung erschwere.

Der Wetterauer Naturgartenexperte und Nadja Kasperczyk vom FiBL empfehlen, für das Gärtnern in luftiger Höhe torffreie Erde zu verwenden, damit Moore, die klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) binden, nicht zerstört werden, und den Griff zu organischen Düngemitteln.

Auch sei es sinnvoll, samenfestes Biosaatgut zu verwenden, selbst wenn dieses teurer als hybrides sei. „Der Vorteil der samenfesten Sorten gegenüber den Hybriden ist, dass man die Samen der Pflanzen im kommenden Jahr als Saatgut verwenden kann“, erläutert Nadja Kasperczyk.

Hobbygärtner Wolfgang Künzer, der samenfestes Saatgut verwendet, hat dafür einen Tipp. Er drückt die Samen einer Tomate auf ein Küchentuch, lässt Samen und Papier trocknen und legt beides im darauffolgenden Frühjahr zum Keimen in ein Pflanzgefäß.

Richtig Pflanzen auf dem Balkon

Wer auf dem Balkon  Gemüsepflanzen und Kräuter ziehen will, sollte zunächst dessen Ausrichtung analysieren. Wann befindet er sich in der Sonne, welcher Bereich liegt stets im Schatten? Bei der Pflanzenauswahl sollte auch die Größe des Balkons beachtet werden, damit noch Platz für den Gärtner und seinen Liegestuhl bleibt. Wer Hund oder Katze hat, sollte darauf achten, dass die Pflanzen für sie nicht giftig sind. 

Für die Balkonbepflanzung  eignen sich etwa Tomaten und Paprika, aber auch Kürbis, Gurken und Melonen, die es auch als Minivarianten gibt. Empfehlenswert für Menschen, die wenig Erfahrung mit der Pflege von Pflanzen haben, sind Kräuter. Sie sind eher pflegeleicht und stellen keine zu hohen Ansprüche an ihre Umgebung. 

Samen für das Gärtnern  auf dem Balkon sind in örtlichen Samenhandlungen wie beispielsweise in der Frankfurter Innenstadt bei Samen-Andreas, Töngesgasse 27, oder im Internet erhältlich. Auf der Homepage des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) findet sich eine Liste mit Bezugsadressen für ökologisch erzeugte Sämereien. 

Gekauft werden sollten  nach einer Empfehlung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) in Frankfurt möglichst samenechte Sorten, da sich aus ihnen robustere Pflanzen entwickeln, die weniger Pflege benötigen. Außerdem können die von ihnen geernteten Samen im nächsten Jahr ausgesät werden. 

Bei der Wahl der Erde  sollte man darauf achten, dass sie torffrei ist. Für die Herstellung von herkömmlicher Blumenerde werden nach Angaben des Nabu Moore vernichtet, die gebraucht werden, um klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) zu binden. 

Da es jetzt  nachts noch kalt werden kann, empfiehlt es sich, Samen erst einmal auf der Fensterbank oder in einem Minigewächshaus vorzuziehen. Wenn die Jungpflanzen im Mai nach den Eisheiligen auf den Balkon gesetzt werden, sollten sie erst im Halbschatten aufgestellt werden, um einem Sonnenbrand vorzubeugen. 

Wer für die Anzucht  von Pflanzen keine Anzuchtgefäße hat, kann sie in mit Erde gefüllten Eierschalen ziehen, die in Eierkartons stehen. Auch Papprollen von Toiletten- oder Haushaltspapier sowie leere Joghurtbecher eignen sich dafür. Wer mag, kann auch aus Zeitungspapier Anzuchtbehälter drehen. Auf Youtube gibt es dazu viele Anleitungen. 

Informationen zum Gärtnern  auf dem Balkon finden sich online unter folgenden Adressen: nabu.de, balkongarten-blog.de. lad

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