_20201119pj032_201120
+
Einkaufen im Pandemie-Modus auf der Frankfurter Zeil.

Wirtschaft

Corona gefährdet Weihnachtsgeschäft

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
    schließen

Der Handelsverband Deutschland rechnet bundesweit mit einem schwachem Weihnachtsgeschäft. Vor allem die Frankfurter Innenstadt dürfte es hart treffen.

Das Weihnachtsgeschäft dürfte vielen Händlern in den Stadtzentren diesmal deutlich schlechtere Umsätze als vor einem Jahr bescheren. Der Handelsverband Deutschland prognostiziert für die Monate November und Dezember zwar trotz Corona-Krise ein Umsatzwachstum von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gut läuft es aber vor allem für den Online-Handel, der erstmals fast ein Fünftel des Weihnachtsgeschäfts erwirtschaften dürfte, den Lebensmittelhandel und bestimmte Segmente wie Fahrradhandel, Baumärkte und Einrichtungsgeschäfte. Händler in Innenstädten rechnen nach Zahlen des Verbands dagegen im Schnitt mit sinkenden Einnahmen. Besonders die Textilbranche schaut sehr trüb in die Zukunft.

Die Spreizung nehme immer mehr zu zwischen den Händlern, bei denen es gut und denen, bei denen es schlecht läuft, beobachtet auch Joachim Stoll, Vizepräsident des Handelsverbands Hessen-Süd. Manche machten derzeit 20 Prozent mehr Umsatz, bei anderen sei das Geschäft fast komplett eingebrochen. Dabei treffe die Krise die Frankfurter Innenstadt noch deutlich stärker als das Umland. Für Teile des Handels in der City werde das Weihnachtsgeschäft regelrecht ausfallen, schätzt Stoll, der auch Vizepräsident der Frankfurter Industrie- und Handelskammer ist, im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Die Geschäfte an der Zeil spürten etwa, dass in der Krise viel weniger Menschen aus den Stadtteilen und dem Umland zum Shoppen in die Innenstadt kämen, und stattdessen vor Ort oder online einkauften. Ohne geöffnete Restaurants und Cafés sei das Zentrum weniger attraktiv. Viele scheuten aber auch aus Vorsicht oder Angst den Weg in die City, beobachtet Stoll.

Sehr stark treffe Frankfurt zudem, dass so viele Beschäftigte derzeit statt in den Bürotürmen zu Hause arbeiten. Das spürten etwa die Mode-, Textil- und Schuhgeschäfte. Kaum jemand kaufe zurzeit noch einen Anzug, sagt Stoll. Auch weil die Anlässe, ihn zu tragen, fehlten. Wenn deutlich weniger Menschen regelmäßig in der Stadt seien, entfielen zudem Gelegenheitskäufe.

Hohe Mieten belasten

Der Handelsverband Deutschland sieht nach einer Umfrage unter gut 500 Unternehmen knapp 60 Prozent des Innenstadthandels in existenziellen Schwierigkeiten. So weit will Stoll nicht gehen. Auch er spricht aber von der Gefahr, dass viele weitere Händler in der Frankfurter Innenstadt schließen. Andere versuchten, die Mieten deutlich zu drücken, weil die Umsätze bei weitem nicht mehr ausreichten, um diese in der bisherigen Höhe zahlen zu können, berichtet Stoll.

Dass sich die Situation für den stationären Handel rasch wieder verbessert, vermutet Stoll nicht. Die riesigen Umsätze, die der Online-Handel in der Krise den Geschäften an den Einkaufsstraßen abgenommen hat, könnten diese kaum zurückerobern. Von der Politik, etwa der Stadt Frankfurt, fordert er denn auch, endlich zu erkennen, wie stark und nachhaltig die Innenstadt unter Druck stehe, und Lösungen zu entwickeln, wie sie attraktiver werden könne. Für das Weihnachtsgeschäft hält Stoll es etwa kurzfristig für sinnvoll, dass Kundinnen und Kunden an Samstagen kostenlos mit Bus und Bahn in die City fahren können und Autos mehrere Stunden gratis in Parkhäusern abstellen.

Der Handelsverband und der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) fordern zudem verkaufsoffene Sonntage vor Weihnachten. Diese könnten helfen, die Kundenströme besser zu verteilen und die Umsätze zu stabilisieren, sagt HIHK-Geschäftsführer Robert Lippmann. Der DGB Hessen-Thüringen lehnt das strikt ab. „Es ist verantwortungslos bei steigenden Infektionszahlen die Geschäfte an den Sonntagen der Weihnachtszeit zu öffnen“, sagt der Vorsitzende des DGB-Bezirks, Michael Rudolph. Die Erfahrung zeigt, dass sich der Andrang mit Sonntagsöffnungen nicht entzerren lasse. „Die Gesundheit der Beschäftigten darf nicht aufs Spiel gesetzt werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare