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Schule während der Corona-Pandemie

Corona und Schule: Lehrkräfte in Frankfurt fordern Wechselmodell

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Corona: Lehrerinnen und Lehrer protestieren in Frankfurt vor dem Gesundheitsamt gegen einen Regelbetrieb an den Schulen.

  • Das Coronavirus ist in Frankfurt weiter auf dem Vormarsch, trotzdem läuft der Schulbetrieb.
  • Lehrkräfte protestieren vor dem Gesundheitsamt gegen den Regelbetrieb, um für ein Wechselmodell zu werben.
  • Die Frankfurter Lehrkräfte fordern ein Wechselmodell mit kleineren Lerngruppen und Lüfter in den Klassenzimmern.

Frankfurt - Vergangene Woche erst hatten Schülerinnen und Schüler gegen den Regelbetrieb in den Schulen vor dem Frankfurter Gesundheitsamt protestiert, am Mittwochnachmittag versammelten sich am selben Ort und aus demselben Grund nun Lehrerinnen und Lehrer. Sie forderten wegen der Pandemie die Einführung eines Wechselmodells zwischen Präsenz- und Distanzunterricht. Die Stadt Frankfurt lehnt das bisher außer für Berufsschulen ab.

Etwa 50 Lehrerinnen und Lehrer protestierten vor dem Frankfurter Gesundheitsamt für kleinere Lerngruppen.

Corona und Schule: Lehrkräfte fordern „Wechselmodell sofort“ für Frankfurt

Wechselmodell – sofort“ stand etwa auf Pappschildern der Protestierenden. „Derzeit muss Präsenzunterricht in der größtmöglichen Stundenzahl durchgeführt werden“, sagte Sebastian Guttmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft GEW Frankfurt. Doch dafür seien die Bedingungen in den Schulen nicht gegeben. „Wir wollen daher nicht so viel Präsenzunterricht wie möglich, sondern besseren.“

Rund 50 Lehrkräfte waren dem Aufruf der GEW gefolgt und zum Protest gekommen. „Schulen sollen Benachteiligte fördern, emotionale und soziale Stabilität geben, den Bildungsauftrag erfüllen“, betonte Guttmann. Dafür bekämen sie schon unter Normalbedingungen nicht ausreichend Unterstützung – und das gelte nun in der Pandemie verstärkt. „Alles, was wir bekommen, sind offene Fenster.“ Es müssten Masken getragen, alle 20 Minuten gelüftet werden, die Schülerinnen und Schüler hätten weniger Bewegung, der Krankheitsstand bei den Lehrkräften sei hoch. „Das alles macht es uns unmöglich, unseren Auftrag zu erfüllen.“ Der schnellste und sinnvollste Weg, damit Lehrkräfte ihre Aufgaben wieder erfüllen könnten, sei die Einführung des Wechselmodells, bei dem Lerngruppen verkleinert würden. „Da kann Abstand eingehalten und es muss nicht so oft gelüftet werden.“

Lehrkräfte klagen darüber, dass Schülerinnen und Schüler wegen Corona-Regeln frieren müssen

Auch Lehrerin Judith Ruppe von der Falkschule, einer Realschule im Gallus, war mit ihrer Kollegin Nicole Dietrich zum Protest gekommen. „Wir wollen den Leuten klarmachen, unter welchen Bedingungen die Kinder gerade lernen“, sagte Ruppe. Wegen des permanenten Lüftens sei es so kalt, dass sie mit Decken, dicken Jacken und Handschuhen im Klassenzimmer säßen. Decken würden zum Aufwärmen immer mal wieder auf die Heizung gelegt – wenn sie funktioniere. „Ich selber habe zwei Jacken und Mütze an und mir Moonboots gekauft.“

Die Kinder dürften ihre Plätze im Klassenzimmer nicht verlassen, auch in der Pause draußen nicht rennen. „Sie bekommen kaum Bewegung“, sagte Dietrich. „Wir haben ihnen gerade die Bälle abgenommen, weil sie sich beim Spielen zu nahe kommen.“ Für die beiden Lehrerinnen ist das Wechselmodell eine Möglichkeit, Abstand zu schaffen, die Schulen aber offen zu halten. „Die Kinder leiden“, sagte Ruppe. Es gebe täglich Prügeleien, die Zerstörungswut sei hoch. „Die können nicht mehr. Wir auch nicht, aber wir sind erwachsen und können das besser aushalten.“ Einen totalen Lockdown wollen die beiden nicht. „Wir haben gesehen, was passiert, wenn keiner mehr zu Hause auf die Schülerinnen und Schüler guckt“, erzählte Ruppe. Die Lernrückstände seien dann nicht mehr aufzuholen.

Lehrkräfte der Schulen in Frankfurt wollen Wechselmodell aus Präsenz- und Distanzunterricht während Corona

Für Guttmann ist eines der großen Probleme des Schulbetriebs unter Pandemiebedingungen: „Wir Lehrkräfte werden in eine neue Rolle gedrängt.“ Ständig müssten sie die Schülerinnen und Schüler ermahnen. Damit die Maske korrekt getragen, der Abstand eingehalten werde. „Wir Lehrkräfte sind inzwischen Maßregler und nicht mehr Lernbegleiter.“ Manche Kolleginnen und Kollegen hätten sicher auch Angst vor der Infektionsgefahr, aber auch da würden „kleinere Lerngruppen und mehr Abstand helfen“.

Die Lehrkräfte fordern nicht nur das Wechselmodell mit kleineren Lerngruppen in Frankfurt statt des bisherigen Regelmodells, sondern auch Lüfter in den Klassenzimmern, „damit sich auch zwischen den Lüftungen die Aerosole nicht ansammeln“, so Guttmann. Auch sollten keine unsinnigen Vergleichsprüfungen geschrieben werden. „Der Leistungsdruck muss aus dem System raus.“ (Sandra Busch)

Rubriklistenbild: © peter-juelich.com

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