Eine Demonstration von Mitgliedern der „Querdenken“-Bewegung.
+
Mitglieder der „Querdenken“-Bewegung wollen am Samstag in Frankfurt demonstrieren.

Corona-Pandemie

Frankfurt: „Querdenken 69“ verharmlost schwere Corona-Erkrankungen bei Senioren

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
    schließen

Aktuell verbreitet „Querdenken 69“ in Frankfurt Flyer, die schwere Corona-Erkrankungen bei Senioren verharmlosen. Das hat es damit auf sich.

  • Frankfurter Ableger der Querdenken-Bewegung will am Samstag (14.11.2020) demonstrieren.
  • „Querdenken 69“ lehnt die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus ab.
  • Linkes Bündnis kündigt Gegendemonstration an.

Update vom Dienstag, 10.11.2020, 16.57 Uhr: Momentan könnte es sein, dass Bürger:innen in Frankfurt einen Flyer in ihrem Briefkasten vorfinden. Dieser stammt von „Querdenken 69“. Im Flyer heißt es: „Selbst unter den 70-79-Jährigen zeigen rund 60 % der Senioren höchstens milde Symptome“. Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch, dass 40% der älteren Menschen in Deutschland schwere Symptome und Verläufe entwickeln, die bis zum Tod durch Corona führen können.

Das wäre also fast jede zweite Rentner:in. Die Informationen auf dem Flyer verharmlosen so das Corona-Virus. Im Impressum der Organisation ist übrigens Arzt Bodo Schiffmann vermerkt, der immer wieder Verschwörungstheorien verbreitet.

Mit diesem Flyer möchte „Querdenken 69“ Stimmung gegen die Corona-Politik machen.

Frankfurt: Corona-Demo am Samstag - „Querdenken 69“ zieht durch die Stadt

Erstmeldung vom Montag, 09.11.2020, 18.46 Uhr: Ihr Motto lautet „Kein Lockdown für Bembeltown“. Nachdem es bei einer Demonstration der Bewegung „Querdenken“ in Leipzig vergangenes Wochenende zu massiven Regelverstößen, Ausschreitungen und Angriffen auf Journalist:innen und die Polizei gekommen ist, will der Frankfurter Ableger „Querdenken 69“ am kommenden Samstag, 14. November, mit Hunderten Menschen durch Frankfurt ziehen.

Querdenker-Demonstration in Frankfurt: „Querdenken 69“ lehnt Corona-Maßnahmen ab

Die Initiative, die die aktuellen Corona-Auflagen ablehnt und zuletzt Kundgebungen am Frankfurter Roßmarkt und im Grüneburgpark veranstaltet hatte, veranstaltet ab 12 Uhr eine Demonstration, die am Kaisersack starten und durch die Innenstadt führen soll. Ab 14.30 Uhr ist dann eine Kundgebung am Goetheplatz geplant. „Querdenken 69“ erwartet nach eigenen Angaben bis zu 2000 Teilnehmer:innen.

„Querdenken 69“ fordert offene Diskussion

Man richte sich gegen die erneute Einschränkung des öffentlichen Lebens und fordere eine offenere Diskussion über den Umgang mit der Corona-Pandemie, sagte Malin Joy Singh von „Querdenken 69“ der Frankfurter Rundschau. Die Bewegung sei „kein großer Freund von Maskentragen“, so die 24-jährige Frankfurterin. Man werde sich aber bemühen, bei den Protesten auf die Einhaltung der Abstandsregeln zu achten.

Querdenker-Demonstation in Frankfurt: „Querdenken 69“ wird von Rechtsanwalt unterstützt

Mit dem Verlauf der Demonstration in Leipzig habe sie keine Probleme, sagte die 24-jährige Frankfurterin. Sie sei selbst vor Ort gewesen. Dass nach der von der Polizei verfügten Auflösung der Versammlung Absperrungen durchbrochen wurden, finde sie in Ordnung. „So hat man sich zumindest den Umzug hinten raus noch geholt.“ Mit Rechtsextremist:innen, die sich an der Leipziger Demonstration ebenfalls in großer Zahl beteiligt hatten, wolle die Frankfurter Initiative nichts zu tun haben, sagte Singh.

Im Aufruf zu der am Samstag geplanten Versammlung heißt es, man wolle „die Lebensfreude und den Freiheitsgeist“ zurück nach Frankfurt bringen. Als Redner wird auch der Ulmer Rechtsanwalt Markus Haintz angekündigt, der in der Vergangenheit mehrfach als Anwalt der Querdenken-Bewegung aufgetreten ist.

Querdenker-Demonstation: Linkes Bündnis kündigt Widerspruch an

Das antifaschistische Bündnis „Aufklärung statt Verschwörungsideologien“, das schon mehrfach in Frankfurt gegen Kundgebungen gegen die Corona-Maßnahmen protestiert hatte, kündigt derweil bereits lautstarken Widerspruch an: Auf der Webseite der Initiative wird dazu aufgerufen, ab 13 Uhr zur Hauptwache zu kommen. „Die Szene der Corona-Leugner*innen radikalisiert sich zusehends“, heißt es in einem Aufruf. „Querdenken 69“ übe keine legitime Kritik, sondern verbreite krude Verschwörungsmythen.

Querdenker-Demonstation in Frankfurt: Warnung vor zunehmender Militanz

Auch die Bildungsstätte Anne Frank warnt vor zunehmender Militanz im Umfeld von „Querdenken“ und ähnlichen Initiativen. Bund und Länder müssten als Teil der Pandemie-Bekämpfung einen Masterplan zum Umgang mit Verschwörungsideologien entwerfen, sagte Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte. Die „Szene militanter Corona-Leugner*innen“ bereite ihm Sorge, so Mendel. Dort seien „Verschwörungsideologien mit antisemitischem Unterton und krassen Freund-Feind-Bildern“ weit verbreitet. Diese Ideologie würde auch in der bürgerlichen Mitte verfangen. Gerade Kinder und Jugendliche müssten besser aufgeklärt werden. (Hanning Voigts)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare