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Besucherinnen und Besucher in Alten- und Pflegeheimen benötigen einen negativen Test.
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Besucherinnen und Besucher in Alten- und Pflegeheimen benötigen einen negativen Test. (Archivfoto)

„Wie ein Besuchsverbot“

Besuche im Pflegeheim: Corona-Verordnung wird zur Kostenfalle für Angehörige

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Die Corona-Testpflicht in Pflegeheimen in Frankfurt bringt Angehörigen in finanzielle Nöte. Doch es geht auch anders, wie der Main-Kinzig-Kreis zeigt.

Frankfurt – Nur noch zweimal pro Woche sieht Franz Wegstein seine Frau im August-Stunz-Zentrum in Frankfurt. Mehr Besuche sind in Zeiten von Corona in dem AWO-Pflegeheim nicht erlaubt. Nun befürchtet er, dass er sich selbst die nicht mehr regelmäßig leisten kann. Schuld ist die am Samstag neu in Kraft getretene hessische Verordnung. Sie verpflichtet Besucher:innen dazu, einen negativen Corona-Schnelltest vorzuweisen. Den muss Wegstein selbst organisieren und auch selbst bezahlen.

Jede Woche rund 30 Euro – „das ist für mich viel Geld“, sagt der 63-Jährige aus Alzenau, dessen Frau nach einem Hirntumor in dem Pflegeheim versorgt wird. „Für den Platz muss ich fast 700 Euro im Monat Zuzahlung leisten, und mir bleiben rund 900 Euro zum Leben.“ Das reiche gerade noch aus, um das Auto zu unterhalten, um von Alzenau nach Frankfurt zu kommen. „Für manche Angehörige ist das wie ein Besuchsverbot“, sagt Wegstein.

Corona-Testpflicht für Pflegeheim-Besuchende in Frankfurt: Finanzielle Belastung ist enorm

Der 63-Jährige ist einer von vielen Angehörigen, die sich in ihrer Not an Sabine Kunz wandten. Doch die Heimleiterin sieht sich außerstande, auch noch Tests für die Besucher anzubieten: „Wir können das nicht leisten.“ Schon jetzt sei das Personal voll damit ausgelastet, die rund 500 Tests pro Woche für die 209 Bewohner:innen und 250 Mitarbeiter:innen zu organisieren, plus Pflegekräfte, Handwerker:innen, Podolog:innen, Ergotherapeut:innen, die in dem großen AWO-Haus ein und aus gehen. „Das ist ein Sieben-Tage-Geschäft.“ Beginnend mit der Frühschicht um 6 Uhr, endend mit Dienstantritt der Spätschicht um 20.45 Uhr. Aussagekräftig sei ein Schnelltest ohnehin nur für kurze Zeit, und wer ihn vornimmt, müsse medizinisches Grundverständnis mitbringen. „Das übernimmt bei uns Fachpersonal, das ein Hals-Nasen-Ohrenarzt geschult hat und kontrolliert.“

Corona-Tests für Pflegeheim-Besucher:innen: Main-Kinzig-Kreis eröffnet drei Testcenter

Dass es auch anders geht, zeigt der Main-Kinzig-Kreis. Dort bekäme Wegstein den Schnelltest zum Nulltarif. Als Reaktion auf sehr hohe Inzidenzzahlen und mehrere Ausbrüche in Heimen hatte die Kreisverwaltung am 24. Dezember kurzerhand drei Testcenter eröffnet. Das sollte Angehörigen den Weihnachtbesuch im Pflegeheim ermöglichen. Die ursprünglich für zwei Wochen geplanten Anlaufstellen in Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern kamen so gut an, dass sie bis mindestens Ende März weiterbetrieben werden sollen. Geöffnet sind sie täglich von 8 bis 12 Uhr, auch an Wochenenden. Mitzubringen sind eine Besuchsanmeldung und ein Personalausweis. Zwei der Testzentren sind in den Impfzentren in Hanau und Gelnhausen untergekommen. Wenn diese Anfang Februar in Betrieb gehen, sollen sie umziehen.

Die Organisation obliegt der Leitung der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises. „Je nach Bedarf sind täglich drei bis fünf Personen vor Ort, die die Tests vornehmen“, sagt Frank Walzer, der Pressesprecher der Kreises auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. Die Kosten übernehme zunächst der Landkreis, der nun versuche, „zu einer fairen Aufteilung mit weiteren Trägern zu kommen“. Daneben hat sich der Main-Kinzig-Kreis erfolgreich beim Verteidigungsministerium um Verstärkung bemüht. „Die Soldaten werden künftig auch stationären Einrichtungen helfen und im Bereich der Personaltestungen unterstützen“, sagt Walzer. „Schließlich müssen Pflegende in höherer Frequenz pro Woche getestet werden, mit dem entsprechenden Aufwand für jede einzelne Einrichtung.“ Wo und wie die insgesamt 50 Soldatinnen und Soldaten eingesetzt werden sollen, werde derzeit noch abgestimmt.

Pflegeheim in Frankfurt in der Corona-Zeit: Soldat:innen als Unterstützung sind Willkommen

Soldat:innen als Verstärkung: „Wir würden keinen ablehnen“, sagt AWO-Pflegeheimleiterin Sabine Kunz. Selbst einem Einsatz beim Testen der Bewohner:innen stehe nach ihrer Auffassung erst mal nichts entgegen: „Die bekommen eine Haube, eine Maske und einen hellblauen Kittel. Dann sieht man von der Tarnuniform nichts mehr.“ (Jutta Rippegather)

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