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Die Leute sitzen lieber draußen in Strandkörben statt dicht gedrängt in einer Kneipe.

Coronavirus

Trotz steigender Infektionszahlen wird in Frankfurt gefeiert - Wie lange noch?

  • vonSabrina Butz
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Trotz steigender Infektionszahlen mit dem Coronavirus sind die Straßen in Alt-Sachsenhausen voll – und auch am Friedberger Platz versammeln sich am Freitagabend etwa 300 Menschen.

  • Die Corona-Pandemie schränkt das Nachtleben vieler Menschen in Frankfurt ein.
  • In vielen Kneipen und Bars gelten verschärfte Corona-Regelungen.
  • Bei einigen Menschen wächst aus gutem Grund die Angst vor einem erneuten Lockdown aufgrund des Coronavirus.

Frankfurt – Am Anfang der Corona-Pandemie sei er aus Angst gar nicht ausgegangen, „aber die soziale Interaktion habe ich doch sehr vermisst“, sagt Jannik. Er steht am Freitagabend am Friedberger Platz, gemeinsam mit etwa 300 Leuten, die in kleinen Grüppchen verteilt etwas trinken. Mitten in die Menge hinein wird Pizza geliefert – sieht so das Nachtleben unter Corona-Bedingungen aus?

In Frankfurt bleibt Angst, vor allem die Oma mit Corona anzustecken

Janniks Begleiter Johann erzählt, er gehe gar nicht in Bars oder Restaurants, habe Angst, seine Familie oder Leute bei der Arbeit mit dem Coronavirus anzustecken. „Und wenn ich zu meiner Oma fahren würde, würde ich so was wie hier komplett vermeiden.“ Die beiden 26-Jährigen sagen, sie wollten die Zeit „ausnutzen“, in der man noch draußen sein könne.

Um 22 Uhr werden die Leute vom Platz in Frankfurt geschickt. Das laufe immer sehr friedlich ab, sagt Imad Abu von der Frankfurter Fußweg-Reinigung (FFR), der für die Reinigung zuständig ist. Er zeigt auf seinen Laster, der später komplett voll sein wird: „Da ist immer sehr viel Dreck – die Pfandsammler schaffen das nicht alles.“ In der vergangenen Woche als es noch wärmer war, sei aber viel mehr los gewesen, „da kamen wir mit den Autos gar nicht rein“, berichtet Abu.

Die Frage bleibt, was man in Zeiten von Corona wirklich in Frankfurt unternehmen muss

In der Nähe des Platzes in Frankfurt steht Sandra vor einer Weinbar. Die 36-Jährige habe sich heute „spontan entschieden, etwas mehr Wein zu trinken“. Wenn es kälter werde, werde sie ihr Leben coronabedingt wieder „mehr ins Private verlegen“ wie in den letzten Monaten – was sie sehr genossen habe. Auch die 35-jährige Camilla sagt: „Bei vielen Sachen fragt man sich inzwischen, ob man das wirklich machen muss“.

Als Nächstes geht es in eine Kneipe, die „Zappbar“ in Frankfurt. Wer reinkommt, muss sich sofort am Tresen die Hände desinfizieren und die Kontaktdaten angeben. Im Gang gilt aufgrund des Coronavirus Maskenpflicht. Alle Tische, die wegen der Abstandsregeln belegt sein dürfen, sind auch belegt. Es läuft Musik, es wird geraucht, getrunken und geredet. Alle Menschen, mit denen wir gesprochen haben, wollen ihre Namen nicht nennen. „Ich mag Menschenansammlungen eh nicht, deswegen hat sich mein Ausgehverhalten auch nicht wirklich geändert“, sagt eine 26-jährige Studentin.

In Frankfurt herrscht Angst vor einem erneuten Lockdown aufgrund von Corona

Vor einem Lockdown im Winter habe sie allerdings Angst, das sei ein „Depressionsverstärker“. Und gerade für Singles seien die letzten Monate nicht leicht gewesen. Sie habe keine Angst sich selbst mit Corona anzustecken, nur vor der Stigmatisierung. Aber: „Die Kneipen haben offen, dann gehe ich da auch hin.“ Sie halte sich an das, was erlaubt sei, das sei auch nicht gefährlich – anders als eine große Privatparty.

Die Kellnerin muss einige Leute wieder hinausschicken, weil es keinen Platz mehr gibt. Die Besuchszahlen seien dennoch viel geringer als in den Jahren zuvor. Inzwischen seien die Corona-Regelungen eingespielt „und ich merke auch sofort, wenn jemand ängstlich ist, dann gehe ich noch mal einen Schritt zurück“. Sie selbst vermisse es, tanzen zu gehen.

Existenz von Corona verschwindet in vielen Frankfurter Köpfen

Nach Mitternacht geht es dann nach Alt-Sachsenhausen, auf den Straßen Frankfurts ziehen viele Menschen in diese Richtung. Dort ist es ziemlich voll und eng, drinnen wie draußen. Existiert Corona hier überhaupt? „Überall gelten andere Regeln – langsam kann man das nicht mehr ernst nehmen“, sagt eine junge Frau. Corona sei ihr auch nicht mehr präsent, „am Anfang hat mir aber meine Mutter noch ziemlich ins Gewissen geredet“.

Ihre Freundin erzählt, dass sie in der vergangenen Woche sogar in einem Club in der Goethestraße gewesen, dann aber schnell wieder nach Hause gegangen seien. Es sei so eng gewesen, dass man nicht einmal habe tanzen können: „Wir haben gedacht, dass die auf den Abstand achten, aber es war wirklich eine Katastrophe.“ Ein Bekannter der beiden beteiligt sich an dem Gespräch. Er habe keine Angst sich zu infizieren, „wenn’s passiert, passiert’s“, aber jemanden mit dem Coronavirus anzustecken, das wäre „doof“. (Sabrina Butz)

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