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Eltern kommen während der Corona-Pandemie ohne Hilfe von Kitas oft an ihre Belastungsgrenze.  

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Alleinerziehende verzweifelt in der Corona-Krise: „Wohin mit meinem Kind?“

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Eine Frankfurter Mutter fühlt sich allein gelassen. Die Notbetreuung auch für Kinder von Alleinerziehenden komme viel zu spät.

  • Die Corona-Krise* trifft die Kitas besonders schwer. 
  • Viele Eltern wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen.
  • Eine Mutter aus Frankfurt erzählt ihre Geschichte. 

Seit fünf Wochen hat Anna Meier** schlaflose Nächte. Ihren echten Namen möchte sie lieber nicht öffentlich machen, zu groß ist ihre Angst vor Hasskommentaren im Netz. „Damit kann ich mich nicht auch noch beschäftigen.“ Die 40-jährige Frankfurterin quält täglich die Frage: „Wohin mit meinem Kind?“

Die alleinerziehende und berufstätige Mutter eines fünfjährigen Jungen fühlt sich im Stich gelassen, vergessen. Denn bislang gilt die Notbetreuung in Kitas* in Corona-Krisenzeiten nur für Kinder von Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten. Das soll sich nun, wie Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Donnerstag bestätigte, ändern.

Frankfurt: Alleinerziehende sollen Anspruch erhalten 

Auch Alleinerziehende unabhängig von der Berufsgruppe sollen jetzt einen Anspruch auf einen Platz in der Notbetreuung für ihre Kinder bekommen.

Die Gespräche darüber laufen, die Ergebnisse sollen zeitnah verkündet werden. Die Entscheidung komme aber viel zu spät, findet Anna Meier. „Herr Bouffier sagte: ‚Wir haben da auch einen Blick auf Alleinerziehende.‘ Ich frage mich, warum eigentlich erst jetzt? Warum wurde die Notbetreuung nicht schon vor fünf Wochen für Kinder von Alleinerziehenden geöffnet?“

Meier betont: „Gerade jetzt, wo alle von Solidarität und Miteinander reden, stehen Alleinerziehende seit Wochen alleine da. Wie sozial ist das?“ Sie selbst arbeitet 30 Stunden die Woche als Sekretärin. „Homeoffice ist bei mir nicht möglich. Also musste ich mir Urlaub nehmen, aber ich habe kaum noch Urlaubstage, und unbezahlten Urlaub kann ich mir finanziell nicht leisten“, erzählt sie am Telefon.

Frankfurt: „Alles scheint ganz easy“

Da sie keinen Partner habe, könne sie im Unterschied zu berufstätigen Elternpaaren die Urlaubstage auch nicht aufteilen. „Also musste ich meinen Sohn ein paar Tage zu meinen Eltern bringen. Und zwar mit einem ganz blöden Gefühl, weil sie eben über 60 sind und somit zur Risikogruppe gehören. Aber mir blieb einfach keine andere Wahl.“

Ihre Freunde hätten alle selbst Kinder, um die sich kümmern müssten. Den Sohn zu Nachbarn zu geben sei ebenfalls keine Option; das seien keine Vertrauenspersonen. „Momentan ist meist immer nur von Familien die Rede, die alle angeblich keine Probleme damit haben, dass der Kindergarten und die Schulen fünf Wochen geschlossen sind, und alle machen Homeoffice plus Kinderbetreuung. Alles scheint ganz easy.“

Alleinerziehend in Frankfurt: Hessisches Sozialministerium antwortet nicht 

Aus Wut und Verzweiflung hatte Meier schon vor drei Wochen eine E-Mail ans Hessische Sozialministerium geschrieben. Ohne Erfolg. „Sie haben mir nicht mal geantwortet.“ Von der Regierung verlangt sie, allen Alleinerziehenden sofort Anspruch auf die Notbetreuung für ihre Kinder einzuräumen, statt „bei der Umsetzung noch tagelang rumzueiern“. Dann wäre auch Schluss mit ihren schlaflosen Nächten.

Von Kathrin Rosendorff

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** Name von der Redaktion geändert

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