Am Mittwochabend gab es schon mal die Lichtinstallation am Unigebäude zu sehen.  
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Am Mittwochabend gab es schon mal die Lichtinstallation am Unigebäude zu sehen.  

Absagen

Corona in Frankfurt: Kein Fußball, kaum Kultur

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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  • Florian Leclerc
    Florian Leclerc
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Nach der Anweisung aus Wiesbaden hagelt es Absagen von Veranstaltungen – betroffen ist auch die Luminale, die am Donnerstag beginnen sollte.

Nun also herrscht Klarheit. Am Freitagvormittag hat der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne) entschieden, dass alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abgesagt werden. Für Zusammenkünfte von weniger als 1000 Menschen gibt es vom Robert Koch-Institut zumindest die Empfehlung einer Absage. Damit steht fest, dass Kultur- und Sportevents in den kommenden Wochen auf ein Minimum reduziert sind.

Betroffen ist auch die Luminale in Frankfurt und Offenbach. Zumindest die meisten Veranstaltungen des Licht-Festivals fallen aus. „Die volatile Lage und die dynamische Verbreitung von Sars-CoV-2 in Verbindung mit der Empfehlung des Robert Koch-Instituts, auch Veranstaltungen deutlich unter 1000 Teilnehmern kritisch zu sehen, führten zu dieser neuen Bewertung“, teilte die Messe Frankfurt am Vormittag mit. Am Abend sollte das Festival beginnen. Am Nachmittag informierten weitere Veranstalter wiederum, dass einige geplante Lichtinstallationen gezeigt würden. Dazu zählen die Kirchen in der Frankfurter Innenstadt sowie die Fabrik in Sachsenhausen und weitere kleinere Veranstalter.

Wie Messe-Sprecher Markus Quint sagte, habe es am Vormittag eine Krisensitzung mit dem Frankfurter Gesundheitsamt und den Luminale-Machern gegeben. Dort sei die Entscheidung zur Absage gefallen. „Wir konnten kein Risiko eingehen“, sagte er.

Vor zwei Jahren sahen eine Viertelmillion Menschen die Lichtinstallationen der Luminale in Frankfurt und Offenbach. Allein zur Eröffnung auf dem Römerberg kamen mehrere Tausend Menschen. Die Zahl der erwarteten Besucher hatten die Veranstalter vor dem Hintergrund des Coronavirus schon auf 100 000 gesenkt, weil viele Menschen Veranstaltungen derzeit meiden würden.

Bei der Programmvorstellung am Mittwoch waren die Verantwortlichen noch davon ausgegangen, dass das Lichtfestival wie geplant verlaufen könne. „Hier in Frankfurt findet das Miteinander statt, trotz Corona und Hanau“, sagte der Schirmherr der Luminale, Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Feldmann sollte die Luminale am Donnerstagabend auf dem Römerberg eröffnen. „Die Luminale ist ein Beitrag zur Aufhellung des Gemüter“, sagte Messechef Wolfgang Marzin am Mittwoch.

Doch von Mittwoch auf Donnerstag änderte sich die Lagebewertung drastisch. Das wurde schon in der Pressekonferenz mit dem Leiter des Gesundheitsamts, René Gottschalk, am Mittwochabend deutlich. Gottschalk sprach davon, dass die Eröffnung der Luminale auf der Kippe stünde.

Besagte Pressekonferenz hatte am Mittwoch für einiges Aufsehen gesorgt. In erster Linie ging es um das Europacup-Spiel der Eintracht gegen den FC Basel am Donnerstagabend. Noch am Mittwochmorgen hatten Gottschalk und Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) mitgeteilt, die Eintracht könne – wenn auch unter Auflagen – vor Zuschauern spielen. Gottschalk sagte sogar, die „statistische Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken“, sei gleich Null. Am Abend folgte die Rolle rückwärts: Die Eintracht bekam ein Geisterspiel verordnet.

Anders als am Vormittag nahm an der abendlichen Pressekonferenz auch Kai Klose teil. Alleine das nährte Spekulationen unter Journalisten und Fußball-Fans. Zwar wurden Gründe für die Neubewertung der Lage genannt – etwa neue Fälle in der Schweiz oder die Einstufung des Elsass als Risikogebiet. Wirklich überzeugend klang das für viele Beobachter aber nicht. So hatte es im Kanton Basel am Mittwochmorgen nur 30 bestätigte Corona-Fälle gegeben, was das Gesundheitsamt als ein Argument für die Ausrichtung des Spiels vor Publikum nannte. Bei dem abends vermeldeten Anstieg um 30 Prozent wäre von knapp 40 Fällen auszugehen. Und das sollte zu einer Neubewertung führen?

So besteht zumindest die Vermutung, dass Majer und das Gesundheitsamt im Laufe des Mittwochs massiv unter Druck geraten waren und sich schließlich neu entschieden. Die morgendliche Ansage, es könne gespielt werden, hatte in Wiesbaden und auch in Berlin für große Verwunderung und zum Teil auch für Ärger gesorgt. Dadurch geriet vor allem Majer zwischen die Stühle. Er vertraut dem Leiter seines Gesundheitsamts, der einer der anerkanntesten Virologen des Landes ist. René Gottschalk geht betont gelassen mit der Krise um, Hysterie oder Panikmache sind ihm völlig fremd. Auf der anderen Seite steht Majers Parteifreund Kai Klose, der nach der Empfehlung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) kaum mehr anders konnte, als seinerseits die Absage von Veranstaltungen zunächst zu empfehlen und später anzuordnen.

Am Freitagmittag meldete sich dann Peter Feldmann noch einmal zu Wort. Sämtliche städtischen Veranstaltungen im Kaisersaal, im Römer und in der Paulskirche sind bis zum Ende der Osterferien abgesagt. Dazu zählen zwar nicht die regelmäßigen Treffen der Stadtverordneten, wohl aber der Einbürgerungsempfang in der Paulskirche und ein Festakt anlässlich des 40-jährigen Bestehens des English Theatre. „Gesundheit geht vor“, sagte Feldmann, zudem wolle er für „Klarheit und Planungssicherheit“ sorgen. Zumindest in dieser Frage machen der hessische Sozialminister und der Frankfurter Oberbürgermeister gemeinsame Sache.

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