Leere Tische und Stühle stehen am Abend nach der Sperrstunde vor einer Gaststätte auf dem Römerberg.
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Drastische Corona-Regeln in Frankfurt: Das ist ab Freitag noch erlaubt

Kampf gegen die Pandemie

Neue Corona-Regeln: Frankfurt folgt Beschlüssen aus Offenbach und Berlin

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Die Zahl der Corona-Infektionen schnellen nach oben. Deswegen hat sich die Stadt Frankfurt für strenge Corona-Regeln entschieden. In einem Punkt rudert die Stadt allerdings zurück.

  • Seit Freitag (09.10.2020) gelten wegen der Corona-Krise in Frankfurt neue Einschränkungen.
  • Ab 23.00 Uhr wird eine Sperrstunde gelten.
  • Ferner gilt ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen.

Update vom Freitag, 09.10.2020, 09.45 Uhr: Die in Frankfurt geplante Sperrstunde für Gastronomiebetriebe wird nun doch erst täglich ab 23 Uhr beginnen und bis 6 Uhr dauern. Darauf haben sich die Verantwortlichen im Corona-Verwaltungsstab der Stadt am Donnerstag geeinigt. „Einheitliche Regeln schaffen Akzeptanz und Vertrauen“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann. „Die Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht, dass es keinen regionalen Flickenteppich aus Corona-Regeln gibt.“ Frankfurt folgt damit Beschlüssen aus Offenbach und Berlin, wo ebenfalls 23 Uhr als Beginn einer Sperrstunde gilt.

Corona-Regeln in Frankfurt: Drastische Maßnahmen

Erstmeldung: Frankfurt - Sperrstunde um 22 Uhr, Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen und Parks sowie Maskenpflicht in belebten Einkaufsstraßen wie Zeil oder Neue Kräme: Mit harten Einschnitten versucht Frankfurt den wachsenden Infektionszahlen Paroli zu bieten. Zunächst gelten sie von kommendem Freitag an bis Sonntag nächster Woche, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Dienstagnachmittag bei der Vorstellung des Pakets, das der Krisenstab am Vormittag beschlossen hatte.

Frankfurt: Sperrstunde setzt Gaststätten einen Riegel vor

Die Sperrstunde betrifft Gastronomie, Lokale, Kneipen, Bars. Nicht aber Kinos, private Zusammenkünfte oder öffentliche Veranstaltungen, etwa zur Buchmesse. Das Alkoholverbot soll vor allem die Freiluftpartys eindämmen, bei denen die meist jungen Leute ab einem gewissen Pegel zur Unvorsichtigkeit neigen, erläuterte der Oberbürgermeister. Darüber, wo genau die Maskenpflicht im öffentlichen Raum gelten soll, sowie über andere Einzelheiten zu den neuen Regeln werde am Donnerstag entschieden.

Noch nicht entschieden ist eine Maskenpflicht im Unterricht an weiterführenden Schulen. „Ich könnte mir das gut vorstellen“, sagte Feldmann. Fest steht schon jetzt: Das immer beliebtere aber im Sinne des Infektionsschutzes völlig unwirksame Kinnvisier darf den Mund-Nasen-Schutz nicht ersetzen.

Einschränkungen seien mit Frankfurts Nachbarstädten „synchronisiert“

Auch das Hygienekonzept der Veranstaltung „Herbst in der Stadt“ bedarf nach Ansicht des Krisenstabs einer Überarbeitung. Sollte dies nicht gelingen, so müsse sie gegebenenfalls verschoben werden, sagte Feldmann. Die Einschränkungen seien mit den Nachbarstädten, speziell Offenbach, „sehr stark synchronisiert“. Einheitliche Regeln stärkten nicht zuletzt die Akzeptanz der Bevölkerung, ergänzte Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne), der auch die Stabstelle des Landes über die Entscheidungen informiert hatte. Für die Kontrollen der neuen Regeln seien die Polizei und das Ordnungsamt zuständig.

Beschluss für die Einschnitte ist nicht leichtgefallen

Der Beschluss für die Einschnitte sei allen Beteiligten nicht leichtgefallen, sagte Majer. „Das sind Maßnahmen, die deutlich in das Leben vieler Frankfurter Bürgerinnen und Bürger eingreifen.“ Doch das aktuelle Infektionsgeschehen lasse den Entscheidungsträgern keine andere Wahl, so Feldmann. „Wir machen uns damit nicht beliebt, aber es geht nicht anders.“ Ohne sie bestünde die Gefahr, dass Kitas und Schulen wieder schließen müssen, das wirtschaftliche und öffentliche Leben erneut zum Erliegen kommt. „Das ist der Preis, den wir bezahlen, um einen Lockdown zu verhindern.“ Es gehe darum, die Zahlen zumindest zu bremsen. Auch damit es bei der Gesundheitsversorgung nicht zu Kapazitätsengpässen komme, von denen Frankfurt derzeit weit entfernt sei. Es sei gelungen, die vulnerablen Gruppen wie Alte und chronisch Kranke zu schützen, bestätigte Gesundheitsamtschef René Gottschalk.

Anders als im Frühjahr verlaufen die aktuellen Infektionen meist moderat. Lediglich sieben Patienten müssten auf Intensivstationen behandelt werden, sagte der Infektiologe und stellvertretende Leiter des Gesundheitsamts, Antoni Walczok. Sieben Tage pro Woche seien die Behördenmitarbeiter damit beschäftigt, möglichst umgehend die Kontaktpersonen von positiv Getestete nachzuverfolgen. „Das ist eine sehr große Herausforderung und wir schulen kontinuierlich neues Personal.“

Corona-Regelungen in Frankfurt kommen nicht überraschend

Majer erinnerte daran, wie sich das Infektionsgeschehen peu à peu hochschaukelte. Am vergangenen Wochenende war noch die Gemeinschaftunterkunft für Flüchtlinge, Obdachlose und Osteuropäer der Hotspot. Inzwischen fielen zwei Drittel der Infektionen auf die „Allgemeinbevölkerung“. Die Ansteckungen erfolgten in Sportvereinen, in der Gastronomie, beim Transport von Mitarbeitern würden die Hygieneregeln missachtet. Nach einem zweiten Ausbruch in einer Religionsgemeinschaft sehe sich die Stadt gezwungen, dort die Maskenpflicht per Verordnung durchzusetzen. „Die Freiwilligkeit funktioniert nicht in allen Bereichen.“ Lob fand Majer für die Fußballvereine Eintracht und FSV. Deren Hygienekonzept sei „sehr ausgefeilt“.

Die neuen Regeln kommen nicht überraschend. Am Montag waren die Zahlen auf 48,5 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb von sieben aufeinanderfolgenden Tagen hochgeschnellt. Frankfurt stehe kurz vor Warnstufe 4 (Rot) des hessischen Eskalationskonzepts, meldet die Stadt und kündigte gleich die ersten Einschränkungen an: Für Privatfeste in gemieteten Räume gilt eine Obergrenze von 25 Gästen, für private Feiern seien maximal zehn zu empfehlen.

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