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Corona

Frankfurter Gesundheitsamt glaubt nicht an zweite Welle

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Frankfurts Gesundheitsamtchefs sind zuversichtlich, dass sie die Pandemie weiter im Griff haben. Von der Tracing-App halten sie wenig.

  • In der Corona*-Krise gibt sich das Gesundheitsamt Frankfurt gelassen.
  • Das Gesundheitsamt Frankfurt hat Erfahrungen mit Pandemien.
  • Mit einer zweiten Coronavirus-Welle rechnet man nicht.

Frankfurt - Wie kommt es zur Obergrenze von 50 Infizierten auf 100 000 Einwohner pro Woche? Das wüssten Frankfurts Gesundheitsamtsleiter René Gottschalk und seine Kollegen auch gerne. Rund 380 positiv getestete Corona-Fälle auf einen Schlag in Frankfurt – das gab es selbst zum Höhepunkt der Pandemie nicht. Es würde auch nichts am Vorgehen ändern: „Wir würden unsere Linie weiterverfolgen“, sagt Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne). Die Quelle der Ansteckung und Kontaktpersonen aufzuspüren, um die Infektionskette zu unterbrechen, lautet das Ziel.

„Das ist Business as usual“, sagt Antoni Walczok, Infektiologe und stellvertretender Leiter der Behörde mit 120 Mitarbeitern. Der Umgang mit Covid-19 sei der gleiche wie mit anderen meldepflichtigen Infektionskrankheiten wie Masern, Norovirus oder Tuberkulose. Das routinemäßige Nachverfolgen sei die Erklärung dafür, dass Deutschland bei der Pandemie so glimpflich davongekommen sei, sagt Gottschalk: „Einen solchen öffentlichen Gesundheitsdienst gibt es nicht noch einmal in der Welt.“

Corona-Krise in Frankfurt: Gesundheitsamt gibt sich gelassen

Es ist aufwendig. Doch den individuellen Weg werden die Infektionsschützer auch künftig gehen. Etwa wenn ein Grundschüler positiv getestet würde. Statt die ganze Schule zu schließen, schauen sie nach, mit wem das Kind eine Viertelstunde lang Kontakt von Gesicht zu Gesicht hatte, ohne einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Im Extremfall muss also nur die dezimierte Klasse in die 14-tägige Quarantäne, möglicherweise noch der Lehrer.

Das wäre keine Premiere: Auf diesem Weg hat das Gesundheitsamt vor noch nicht zu langer Zeit einen Masernausbruch eingedämmt. Die beiden Behördenleiter und der Gesundheitsdezernent wirken gelassen. Die jetzt anstehenden Lockerungen könnten maximal zu einem „Hubbel“ bei den Infektionszahlen führen.

Gesundheitsamt Frankfurt lehnt Corona-App ab

Von einer zweiten Welle, wie viele andere Experten, geht Gottschalk nicht aus. Das Team, sagt Majer, erhalte mittelfristig 60 zusätzliche Mitarbeiter, damit diese sich um jene kümmern können, die zu den Hochzeiten der Pandemie vernachlässigt werden mussten. Wichtige Angebote wurden allerdings aufrechterhalten: die humanitäre Sprechstunden etwa, die Kinder- und Jugendmedizin, der sozialpsychologische Dienst.

Anders als die meisten Gesundheitsämter im Land waren die Frankfurter schon vor der Pandemie personell recht gut aufgestellt. Den „Hubbel“ wollen die Chefs auch aus eigener Kraft bewältigen. Schwieriger könnte es werden, wenn die von der Politik forcierte Tracing-App in Betrieb geht, die dem Smartphonebesitzer meldet, wenn er sich längere Zeit in der Nähe eines Infizierten aufhielt. Also auch, wenn er 15 Minuten in derselben Straßenbahn saß oder im selben Kaufhaus stand.

Eine Idee, die nur am Schreibtisch entstanden sein könne, mutmaßt Gottschalk: „Diese App wird viele unbegründete Ängste schüren und uns mehr Arbeit machen.“

Von Jutta Rippegather

In Hessen wurden viele Corona-Beschränkungen gelockert. Anders als das Gesundheitsamt fürchtet der Frankfurter Virologe Martin Stürmer daher eine zweite Infektionswelle.

In Zeiten von Corona wird Sucht noch unsichtbarer, sagt Susanne Schmitt. Nicht die einzige Gefahr, die die Frankfurter Expertin derzeit sieht.

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