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Wer auf der Zeil Abstand halten kann, der kann auch im Tigerpalast auftreten.
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Wer auf der Zeil Abstand halten kann, der kann auch im Tigerpalast auftreten.

Kinski-Normalität

Frankfurt-Innenstadt: Trotz Corona ist die Hölle los

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Der große Ansturm auf die Geschäfte in Frankfurt blieb noch aus, aber das Rahmenprogramm stimmt schon. Menschen mit einer Maske sind deutlich in der Minderheit.

Frankfurt - In kritischer Vorschau war für diesen Samstag (20.11.2021) schon die Adventsapokalypse befürchtet worden. Wirtschaftliche Engpässe allenthalben würden für ein ungutes „Wer jetzt kein Geschenk hat, der kann auch keins mehr kaufen“-Gefühl sorgen und die Menschen massenhaft zum Powershopping in die Innenstädte locken.

Zumindest auf Deutschlands größter Einkaufsmeile, der Zeil in Frankfurt, erfüllt sich diese düstere Prognose nicht. Am Samstagnachmittag jedenfalls ist hier alles noch ganz normal. Mit anderen Worten: Es ist die Hölle los. Man könnte in solchen Fällen wohl von einer Kinski-Normalität sprechen: völlig meschugge, aber so wie immer. Auch in Sachen Seuchenschutz in Corona-Zeiten hat sich eine gewisse Kinski-Normalität eingeschlichen, die Maskenträger sind jedenfalls deutlich in der Minderheit. Wer es hier aber schafft, zu seinem Nächsten einen Mindestabstand zu halten, der kann auch im Tigerpalast auftreten. Aber noch ist die Maske ja auch noch nicht vorgeschrieben.

Frankfurt: Einkaufswahnsinn hält sich in unerwarteten Grenzen

Lange Schlangen vor trendigen Geschäften, wie man sie aus Postlockdownzeiten kennt, sind am Samstag jedenfalls kaum zu sehen. Lediglich vor dem Louis-Vuitton-Laden am Roßmarkt stehen die Kunden auf der Gasse, als gäbe es drinnen was umsonst. Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall. Eine andere erwähnenswerte Schlange findet sich lediglich vor der Wurstbraterei in der neuen Altstadt, aber die verkauft immerhin etwas, das der Mensch zum Leben braucht, nämlich Wurst. Doch, braucht er! Gibt’s ja mittlerweile auch in Vegan.

Der Einkaufswahnsinn hält sich also in unerwarteten Grenzen. Aber was das Rahmenprogramm anbelangt, da ist auf die Zeil Verlass und alles Kinski. Straßenmusikanten spielen mit allem, was die Instrumente hergeben, gegeneinander an. Beseelte Prediger brüllen einem ins Gesicht, das Gott einen jeden liebt – aber kann er das nicht etwas leiser tun? Tierschützer geißeln das Unrecht an Tieren, indem sie die Zeilbesucher mit tierischen Klage- und Grunzlauten vom Tonband geißeln.

Frankfurt: Denkt der jetzt quer oder will der nur shoppen?

Auf dem Roßmarkt hüpfen junge Menschen. Es handelt sich aber nicht um Kohlekraftkritiker, sondern um Cosplayer, bei denen nicht so recht klar wird, ob sie frieren oder lediglich tanzen. Die dazu gespielte Musik legt Letzteres nahe. Nebenan am Goethedenkmal füllt sich der Roßmarkt mit einer spektakulären Anzahl von Einsatzwagen der Polizei. Die Staatsmacht ist allerdings nicht wegen der Queergedenkenden, sondern der „Querdenkenden“ halber gekommen.

Denn die dürfen an so einem Tag natürlich nicht fehlen, das wäre ja noch schöner. Die haben sich um 15 Uhr, etwa 500 Querköpfe stark, am österreichischen Konsulat im Reuterweg getroffen, um alsdann maskenlos durch die Stadt zu ziehen, was angesichts der Zustände auf der Zeil auch nicht weiter aufgefallen wäre. Kurz darauf aber waren es schon 1500 Querköpfe, so dass die Veranstalter mal kurz die Great-Reset-Taste gedrückt und den Demowanderweg geändert haben. Jetzt weiß man gar nicht mehr, wer hier was wann und wo macht, vor allem weil sich eine andere „Querdenkertruppe“ bereits um 13 Uhr am Willy-Brandt-Platz zum Marschieren getroffen hat – und bei jedem Maskenlosen, den man sieht, fragt man sich unwillkürlich: Denkt der jetzt quer oder will der nur shoppen?

Das passende Outfit ist schon mal angeschafft. Weihnachten kann kommen.

Am Abend werden in Frankfurt noch weniger Masken getragen

Aber wie gesagt: Der Shoppingwahn hält sich in Grenzen. Was einen auch nicht mehr groß wundert, wenn man daheim im Treppenhaus den Weg in die Wohnung erst mit einer Machete durch den Amazon-Paketdschungel freischlagen muss. Und für den echten Wahnsinn ist bis Weihnachten ja auch noch vier Samstage Zeit, vielleicht wird das ja noch was. Ganz gewiss wird das noch was.

Sehr viel voller als es ohnehin schon war, wird es aber zumindest auch an diesem Samstagabend nicht mehr. Das Einzige, was sich ändert, ist, dass zur Abendstund‘ noch weniger Menschen Maske tragen. Und dass zu den Louis-Vuitton-Wurstbraterei-Schlangen noch ein paar hinzugekommen sind, nämlich vor jedem innerstädtischen Parkhaus, wo Autofahrer in schier endlosen Reihen darauf warten, dass drinnen ein Parkplatz frei wird. Da können sie natürlich lange warten, und das tun sie auch, unverdrossen und mit laufendem Motor. Alles im Rahmen der Kinski-Normalität. (Stefan Behr)

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