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Die Läden öffnen wieder - auch die großen, wenn sie auf 800 Quadratmeter absperren.

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Corona-Pandemie in Frankfurt: Die Einkaufsstraßen der Stadtteile beleben sich

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Überall in Frankfurt zieht es die Menschen in oder vor die Geschäfte, sogar langes Schlangestehen wird gerne in Kauf genommen.

  • In Frankfurt öffnen langsam wieder die Geschäfte
  • Viele Kunden gehen noch immer sorglos mit der Gefahr durch da Corona-Virus um
  • Alle aktuellen Entwicklungen der Corona-Krise in Frankfurt gibt es in unserem News-Ticker

Auf der Leipziger Straße in Bockenheim geht es am Montag beschaulich zu, in vielen Geschäften der Einkaufsstraße herrscht gähnende Leere. Um so mehr verblüfft Passanten eine riesige Schlange, die sich vor Zalando gebildet hat. Auf dem Bürgersteig hat der Versandhändler mit eigener Filiale schwarz-gelbe Klebestreifen angebracht, damit die wartenden Kunden in der Schlange den richtigen Abstand wahren. Im Inneren des Geschäfts geht es beschaulich zu. Der großflächige erste Stock ist geschlossen, geöffnet nur das Erdgeschoss. 13 Kunden dürften gleichzeitig rein, sagt eine Mitarbeiterin am Eingang, die den Einlass regelt. Zalando empfiehlt das Tragen von Schutzmasken, die meisten in der Schlange haben keine auf. Warum die Kunden überhaupt Wartezeiten von einer Stunde oder mehr in Kauf nehmen, um Kleidung oder Schuhe kaufen zu können, erschließt sich nicht. Sie wolle „nur mal gucken“, erklärt eine Wartende.

Die Corona-Krise ist noch lange nicht überwunden

Über einen so großen Andrang dürfen sich an diesem Montag nicht viele Geschäftsinhaber freuen. Foto-Firle ein Stück weiter die Leipziger hoch hat auch den ersten Tag wieder geöffnet, im Eingangsbereich döst ein Hund. Dorothea Firle freut sich trotzdem, wieder öffnen zu dürfen und kann am Nachmittag auf Arbeit hoffen. „Die Kunden rufen an, viele wollen Bewerbungsfotos machen“, sagt Firle. Offenbar müssen sich einige Menschen wegen der Corona-Krise nach neuen Jobs umsehen.

Corona-Masken sind wenige zu sehen

In Bornheim Mitte ist am Montagvormittag ein Stück Normalität zu sehen. Fast alle Geschäfte auf der Berger Straße und in den Seitenstraßen haben wieder geöffnet, nur der Modeladen Tkmaxx hat mehr als 800 Quadratmeter. Menschen stehen rund um das Uhrtürmchen in kleinen Gruppen mit Abstand zusammen und plaudern, stehen mit einem Kaffee in der Sonne oder bummeln. „Ich wollte einfach mal wieder unter Menschen kommen“, sagt eine Eckenheimerin. Die vergangenen Wochen sei sie kaum vor die Türe gegangen. Jetzt freue sie sich, dass sie wieder in die Geschäfte kann, um sich etwas zu gönnen. „Ich kaufe nicht so gerne online ein.“ Einen Mundschutz hat die Frau dabei – in ihrer Handtasche. „Wenn ich in einen Laden gehe, werde ich ihn wohl anziehen.“ Vorsichtiger ist eine Bornheimerin, die mit Handschuhen und Atemschutzmaske unterwegs ist. Sie habe dringend zum Optiker gehen müssen, „ansonsten versuche ich, möglichst wenig einkaufen zu gehen“. 

Damit gehört sie auf der Berger Straße zu einer Minderheit. Nur wenige sind dort mit Masken unterwegs. Silke Drabe von der Sockenkiste moniert das. „Die Leute nehmen das überhaupt nicht ernst.“ Selbst viele ältere Menschen und Eltern mit Kindern seien ohne Schutz einkaufen. „Ich nehme meine Kinder derzeit nirgends mit hin.“

Trotz Corona-Gefahr: Die Leute wollen stöbern

Drabes Vater Klaus Bund, Inhaber des Fachgeschäfts, hat sich trotz der Erlaubnis dagegen entschieden, Kunden in seinen kleinen Laden zu lassen. Sie werden direkt an der Eingangstür bedient, die mit einer Plexiglasscheibe mit Durchreiche abgehängt ist. „Zur Sicherheit der Kunden – und unserer.“ Auch wenn es finanziell nötig sei, wieder zu verkaufen, hält Bund die Öffnung der Läden für zu früh, „nicht dass die Zahlen der Ansteckungen wieder steigen“.

Heinz Eisenbletter sieht das entspannter. Nach Ansicht des Inhaber des Buchladens Naumann und Eisenbletter hätten kleinere Läden gar nicht erst schließen müssen. Zwar habe sein Geschäft viele treue Kunden. In den vergangenen Wochen lieferte er telefonische und Online-Bestellungen in ganz Frankfurt aus. Doch habe das den Rückgang nicht aufgefangen. „Die Leute wollen stöbern und schauen, das gehört zum Buch dazu.“ Viele Kunden kämen auch nur, um ein Schwätzchen zu halten. „Schön, dass Du wieder da bist!“, ruft in diesem Augenblick eine ältere Dame in den Laden hinein. Dass der Buchladen und die Friseure geschlossen hatten, sei für sie eine Katastrophe gewesen, sagt die Seckbacherin. Sie hält die Einschränkungen jedoch für übertrieben. Zwar sei es bedauerlich, wenn jemand durch das Coronavirus sterbe, doch dürften dafür nicht „Zehntausende Existenzen vernichtet werden“.

Frankfurt-Sachsenhausen: Keine Touristen auf der Schweizer Straße

Die Schweizer Straße in Sachsenhausen war auch zu Zeiten des strengsten Shutdowns nie tot. Zwar fehlen seither die sonst häufigen Junggesellenabschiede und die Touristenbusse, viele Cafes und Restaurants verkauften aber auch in den vergangenen fast fünf Wochen Kaffee außer Haus, die Bäckereien, Drogerie- und Supermärkte blieben geöffnet. „Ich fand es aber nicht fair, dass der kleine Schreibwarenladen in der Schneckenhofstraße zumachen musste und der große Drogeriemarkt Müller offen bleiben durfte“, sagt eine Verkäuferin in einem der kleineren Läden, die nun wieder öffnen dürfen. „Das Kaufhaus hätte man mindestens teilweise sperren müssen.“

Vor allem die kleinen Fachgeschäfte machen den Charme dieser Einkaufsstraße aus. „Vieles, was wir haben, werden Sie in Frankfurt sonst nicht finden“, sagt Beate Reich, Verkäuferin im kleinen „Spielzeux“-Geschäft am Schweizer Platz. Der Laden hat sich auf kreative Spielsachen für Kinder, aber auch für Erwachsene spezialisiert. „Normalerweise kommen viele Kinder auch mal nach der Schule vorbei, um zu staunen.“ Gerade vor Ostern sei es schon schwierig gewesen, dass das Geschäft nicht öffnen durfte. „Viele Kunden haben aber online bei uns bestellt.“

Schuhe für die Sommersaison waren schon bestellt

Auch Claudia Benz vom benachbarten „female fashion“ hat ihre Kundinnen vermisst. „Wir haben eine Whatsapp-Gruppe gegründet, um wenigstens zu zeigen, was es interessantes Neues gibt“, berichtet sie. Mit einem Beratungsgespräch sei das aber nicht zu vergleichen. Wie sich die Öffnungszeiten in den nächsten Tagen gestalten, das müsse man erst probieren. Die Modewelt habe die lange Schließung sehr hart getroffen, berichtet die Inhaberin, die noch eine zweite Boutique in der Berger Straße hat. „Zwei Filialen fast fünf Wochen lang zu, das ist schon hart. Im März bekommen wir die gesamte Kollektion für den Sommer. Die Kaufverträge sind verbindlich, das muss man alles im Voraus bezahlen. Hoffentlich reduzieren jetzt nicht alle aus Verzweiflung, das wäre das Dümmste“, sagt Benz.

Auch das kleine elegante Damenschuhgeschäft „Vorsprung“ in der Nachbarschaft ist wieder offen. „Ich bin froh drum“, sagt Verkäuferin Sharon Leonhardt. „Komfortschuhe müssen anprobiert werden. Das ist nicht so einfach wie ein T-Shirt-Kauf.“ Die letzten Wochen seien schwierig gewesen: „Wir hatten die komplette neue Kollektion im Laden, das Wetter war wunderschön, und wir hatten zu“, sagt sie seufzend.

Von Andreas Hartmann, Boris Schlepper und Oliver Teutsch

Frankfurt: Corona-Maßnahmen gelockert, doch viele Geschäfte bleiben zu. Seit Montag dürfen Läden in Hessen wieder öffnen, aber viele große Ketten sind noch geschlossen. Außer ein Laufshop.

Nach den Lockerungen zieht das Geschäft in den Einkaufszentren wieder an. Die Besucher sind besonnen, Betreiber hoffen auch mehr Kundschaft. 

Corona-Krise: Einzelhandel in Frankfurt: „Viele kämpfen ums Überleben“* - Die Corona-Krise macht der Wirtschaft zu schaffen. Joachim Stoll, Chef der Einzelhändler in Frankfurt, zeigt sich im Interview dennoch vorsichtig optimistisch.

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