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Mit einer Menschenkette haben Kulturschaffende Ende November auf ihre prekäre Lage hingewiesen.
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Mit einer Menschenkette haben Kulturschaffende Ende November auf ihre prekäre Lage hingewiesen.

Kultur und Corona

„Bedingungsloses Kunsteinkommen“ für Rhein-Main

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Der Verein Kulturzeiter*in erhält eine große Spende von Bio-Kaiser, die Corona-Geplagten durch die Krise hilft. Ein Gespräch über Kultur in Not und die Verantwortung der Wirtschaft.

Die Bäckerei Bio-Kaiser hat dem Verein Kulturzeiter*in 50 000 Euro gespendet. Geld, das der gebeutelten Kulturszene in harten Corona-Zeiten weiterhelfen soll. Künstlerinnen und Künstler im ganzen Rhein-Main-Gebiet werden davon profitieren können, kündigen Verein und Bäckerei an.

Frau Sorge, Herr Schmidt-Sköries, braucht die Kunst das Geld aus der Wirtschaft?

Sarah Sorge: Viele Unternehmen haben jetzt wegen Corona angefangen, über ihren gesellschaftlichen Auftrag nachzudenken. Volker Schmidt-Sköries tut das schon seit Mitte der 70er Jahre. Die Lebenssituation der Künstlerinnen und Künstler treibt uns um. Wir arbeiten an der Idee eines bedingungslosen Kunsteinkommens.

Eine Idee, die es schon seit einigen Jahren überregional gibt.

Sorge: Ein bisschen machen wir das mit unserer Initiative ja schon, aber wir überlegen, wie wir es auch im größeren Rahmen umsetzen können.

zur Person

Sarah Sorge ist die Erste Vorsitzende des Vereins Kulturzeiter*in, der im April als Initiative gegründet und im Sommer zum Verein ausgebaut wurde (www.kulturzeiterin.de). Die Grünen-Politikerin war zuvor Landtagsabgeordnete und Frankfurter Bildungsdezernentin.

Volker Schmidt-Sköries ist Mehrheitseigentümer der Bäckereikette Bio Kaiser mit fast 150 Filialen und Buchautor.

Was hat Brot mit Kultur zu tun?

Volker Schmidt-Sköries: Viel. Es heißt ja nicht umsonst: die Kunst des Backens. Wir fühlen uns der ursprünglichen handwerklichen Art verpflichtet, wie wir Brot backen. Handwerk und Kunst sind Ausdruck einer inneren Haltung. Wir bemerken etwa den Klimawandel an der Art, wie sich Getreide beim Backen verhält – das ist anders als vor 20 Jahren. Auch das Produkt verändert sich immer mit der Art, wie man einen Teig herstellt. Das hat was mit Kunst zu tun.

Es war aber vermutlich nicht der Grund für Ihre Spende.

Schmidt-Sköries: Wir verstehen unser Unternehmen als sozialen Organismus, der auch eine gesellschaftliche Verantwortung hat. Wir machen uns Gedanken darüber, wie wir mit Gewinnen umgehen. Ein Teil ist: Wir geben etwas zurück. Jetzt war es uns ein Bedürfnis, den Menschen etwas abzugeben, die besonders durch die Corona-Krise betroffen sind. Also geben wir den Künstlerinnen und Künstlern 50 000. Wir haben auch 30 000 der Gemeinwohl-Ökonomie gestiftet, 10 000 an die Stiftung Landwirtschaft gegeben. Wir werden dieses Jahr 500 000 Euro verteilen, und davon sind zehn Prozent an Künstlerinnen und Künstler gegangen.

Sarah Sorge.

Welche Art Kultur fehlt Ihnen persönlich am meisten zurzeit?

Schmidt-Sköries: Ich bin ein verrückter Tangotänzer, normalerweise tanze ich drei-, viermal die Woche, egal, wo ich bin. Und das fehlt mir jetzt gänzlich.

Dem Verein Kulturzeiter*in können alle spenden, und zwar Stunden im Wert von je 15 Euro. Warum das?

Sorge: Wir hatten Angst, dass wir nach Corona nicht mit demselben vielfältigen Angebot wieder aufwachen, wie es vorher der Fall war. Mit viel Rechnen sind wir darauf gekommen, dass 15 Euro ungefähr die Summe sind, die ein normaler Mensch durchschnittlich für Kultur ausgibt, wenn er in einen Club oder ins Kino geht. Auf diesen Betrag haben wir es dann heruntergebrochen. Die Stunde steht symbolisch für die Zeit der Kultur, die uns so ein bisschen Momo-mäßig von den Zeitdieben gestohlen wird, und die wir wieder aufholen wollen.

Wie groß ist die Spendenbereitschaft für die Kultur?

Sorge: Zurzeit groß, wohl wegen Weihnachten, aber auch durch den Schock des neuen Lockdowns, dass es eben doch nicht so schnell vorbei ist mit Corona. Wir kriegen mit, wie es Künstlerinnen und Künstlern geht und sehen, dass die Hilfen nicht alle erreichen. Eine ganze Reihe fällt total durchs Netz; für sie ist die Situation nach wie vor dramatisch.

Volker Schmidt-Sköries.

Kooperieren Sie mit anderen Initiativen, die ebenfalls sammeln?

Es gibt eine große Solidarität. Wir haben etwa mit dem Grüne-Soße-Festival kooperiert, das Geld aus „Kräuter für Künstler“ kam uns teilweise zugute. Es gibt auch noch weitere Kooperationen, mit der Stadt, mit der Künstlerhilfe, mit Fördervereinen. Wir konkurrieren nicht, wir wollen ja dasselbe: Kunst und Kultur retten. Und wenn Corona vorbei ist, träume ich von einer riesengroßen Party, und da wird Bio-Kaiser sicher auch eine Rolle spielen.

Schmidt-Sköries: Unsere erste Idee, als es mit Corona losging, war: Wir machen kleine Bühnen vor unseren Läden, und jeder hätte auftreten können, wir hätten bezahlt. Das war so nicht umzusetzen, bleibt aber eine Idee für die Zukunft. Und ich träume davon, jeden unserer Läden zu einem eigenen Kunstwerk zu machen. Ich stelle mir vor, in 20, 30 Jahren kommen die Leute nach Frankfurt und sagen: Wir machen eine Tour durch die Museen, und wir schauen zum Bio-Kaiser, das war der, der sich fürs Klima eingesetzt hat, der erste Ökobetrieb, der sich sozial-ethisch anders aufgestellt hat. Unser Ziel ist, die Beseelung von Wirtschaft voranzubringen.

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