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Frankfurt
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Fast nix los in Frankfurt: Die Main-Metropole akzeptiert die erste abendliche Ausgangssperre.

Corona

Frankfurt: Corona-Ausgangssperre fegt Straßen und Plätze leer

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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  • Hanning Voigts
    Hanning Voigts
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In Frankfurt gilt seit Samstagabend eine nächtliche Ausgangssperre. Obwohl viele Leute von den neuen Regeln genervt sind, werden sie komplett eingehalten.

Bei Pizza und Bier sitzen Annika Pfeiffer und Lukas Kassel gegen halb zehn auf einer Bank an der Ecke der Schwalbacher Straße zur Frankenallee. Um sie herum eilen oder flanieren hier und da Passant:innen vorüber. Autos sind für Pandemiezeiten auch vergleichsweise viele unterwegs. Für einen Moment scheint es etwas belebter zu sein als sonst um diese Zeit. Kurz vor 22 Uhr wollen wohl einige noch von A nach B. „Ein paar Minuten haben wir noch“, sagt Kassel, zieht sein Handy aus der Hosentasche und prüft die Uhrzeit. „Als vorhin ein Polizeiauto vorbeigefahren ist, habe ich schon panisch auf die Uhr geschaut“, fügt der 29-Jährige hinzu.

Es ist ein besonderer Samstagabend in Frankfurt. Denn zum ersten Mal seit Beginn der Coronavirus-Pandemie gilt zu deren Bekämpfung eine allgemeine nächtliche Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr. Bis Mitternacht darf man zwar noch alleine joggen oder spazieren gehen, aber grundsätzlich heißt es: Um 22 Uhr müssen alle zu Hause sein.

Annika Pfeiffer kann die neuen Regeln grundsätzlich verstehen. Während eine Brise durch die Bäume der Frankenallee weht und eine kalte Nacht ankündigt, streift die 28-Jährige sich ihre Handschuhe über. „Prinzipiell ist man gewillt, bei den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung mitzumachen“, sagt sie. „Aber es ist schon Lebensqualität, an Wochenendabenden nicht zu Hause rumzuhängen.“ Sie hätten eine relativ dunkle Wohnung ohne Balkon, ergänzt ihr Freund Lukas Kassel. Er sagt aber auch: „Besser ist es, jetzt quasi eingesperrt zu sein als im Sommer, wenn es lang hell und warm ist.“

Gegen 22 Uhr sitzt Reinhard Krieg auf seinem Fahrrad am Eschenheimer Turm und wartet an einer roten Ampel. „Ich hatte meinen ersten Impftermin an der Messe“, sagt der 55-Jährige. Von dort sei er auf dem Weg nach Hause ins Ostend. „Sonst wäre ich nicht mehr draußen.“ Zu seiner Arbeit am Flughafen, die um 4.30 Uhr beginne, radle er auch jeden Morgen und habe daher für die Zeit der Ausgangssperre bis 5 Uhr eine Bescheinigung, berichtet Krieg. Mit Kontrollen rechne er um diese frühe Zeit aber ohnehin nicht. „Es ist beängstigend ruhig in der Stadt“, findet er.

Tatsächlich sind im Grünstreifen am Anlagenring schon um kurz nach zehn nur noch vereinzelt Menschen unterwegs. Eine Joggerin mit Kopfhörern läuft den Oeder Weg entlang. Auf dem Opernplatz sitzen noch ein paar junge Leute bei Bier und Sekt, die aber betonen, sie würden auch gleich nach Hause gehen – jeder einzeln für sich. Und das, obwohl sie die Ausgangssperre alles andere als sinnvoll finden. „Wir haben unsere Meinung, aber wir halten uns natürlich ans Gesetz“, sagt einer aus der Gruppe. Die Hauptwache ist gegen 22 Uhr schon fast menschenleer, an der Konstablerwache macht ein letzter Mitarbeiter gerade den Pommes-Imbiss zu.

Auch der Luisenplatz, neben dem Friedberger Platz ein beliebter Partyort im Nordend, ist um viertel nach zehn wie leergefegt. Als zwei junge Männer den Platz betreten, steht ihnen die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. „Gestern war hier die Hölle los“, sagt Luca Paredes Montes.

In der Berger Straße und am Merianplatz, wo sich heute Abend niemand tummelt, sei es sonst auch „komplett voll“ gewesen, sagt der 21-Jährige. Die Ausgangssperre hält er für „kompletten Bullshit“ und fügt hinzu: „Vor allem für jüngere Leute ist es schwierig. Man fühlt sich einsam.“ Er gehe davon aus, „dass die meisten Leute zu Hause feiern“, was Montes und sein Freund sich auch gut vorstellen könnten. Bedenken haben sie keine. Sein Kumpel Nigel Nazaré sagt: „Freitag und Samstag gehst du nicht um zehn nach Hause.“ Dort müsse er schon seit einem Jahr im Onlinemodus sein Studium bewältigen. „Ich lasse mich nicht einsperren“, fügt der 21-Jährige trotzig hinzu. Und wenn sie die Polizei wegen eines Verstoßes gegen die Ausgangssperre anhalten wolle? „Dann müssen wir wegrennen“, so Nazaré. Das Feiern wollten sie sich jedenfalls nicht verbieten lassen.

Ähnlich sieht das wohl auch eine kleine Gruppe von vier bis fünf Personen, die „lautstark“ die Hafenbrücke heruntergelaufen sei – und damit einer Polizeistreife direkt in die Arme. So berichtet es jedenfalls ein Beamter, der gegenüber vor zwei Polizeiautos steht. Es ist kurz nach 23 Uhr. Hinter dem Polizisten liegt dunkel und still der Hafenpark. „Erstaunlicher- oder erfreulicherweise ist sich die Bevölkerung der Lage bewusst“, sagt er. Gegen 21 Uhr hätten die Letzten den Park verlassen. Überhaupt fällt das Fazit der Polizei an diesem ersten Abend mit Ausgangssperre überaus positiv aus. Es habe überhaupt keine nennenswerten Vorfälle gegeben, wird ein Sprecher am Sonntag sagen. Die Plätze der Stadt seien leer und ruhig gewesen, nur im Bahnhofsviertel seien in der Nacht einige Menschen unterwegs gewesen, „aber das liegt einfach daran, dass die nirgendwo unterkommen können“.

Laut klingt es am späten Samstagabend von der Deutschherrnbrücke herüber. Metall trifft auf Metall. Fast zwei Dutzend Arbeiter in orangefarbenen Uniformen stehen oben auf den hell beleuchteten Gleisen. Einige arbeiten, die meisten schauen herunter und mahnen die Ausgangssperre an, wenn doch mal jemand unter der Brücke geht – in Richtung des Mainufers, das ebenfalls bereits vollkommen leer ist. Frankfurt, so viel ist klar, hält sich vorerst an die Ausgangssperre.

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