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Spaß beim gemeinsamen Singen im Kinder- und Familienzentrum Griesheim

Plappertaschen-Treff in Frankfurt

Singend deutsch lernen

Der Plappertaschen-Treff in Frankfurt bringt Eltern und Kindern Bücher und Lieder nah.

Dreimal schlägt Sandra Nachtwey auf ihr Klangholz. Alle Blicken richten sich auf die improvisierte Bühne. Dann lüftet sie das Seidentuch und öffnet langsam die Holztüren des kleinen Bildertheaters. Die Zuschauer erkennen eine Dschungelszene und in der unteren rechten Ecke des Bildes einen kleinen Affen. Er wirkt verloren. „Was ist mit dem Affen los?“ fragt Nachtwey. Sofort schallt es ihr entgegen: „Der weint!“ „Der sucht seine Mama!“ „Der vermisst sie!“

Dienstagnachmittag im Kinder- und Familienzentrum Griesheim (Kifaz): Sprachfachkraft Sandra Nachtwey verwandelt den Toberaum beim „Plappertaschen-Treff“ erst in ein Musikzimmer, dann in einen Theatersaal und schließlich in ein Kunstatelier. Nebenbei bringt sie Eltern und Kindern Sprache und internationale Kinderliteratur näher. Dafür haben die Stiftung lesen und die Commerzbank den Treff vor kurzem mit dem Deutschen Lesepreis in der Kategorie „Herausragende Sprach- und Leseförderung in Kitas“ ausgezeichnet.

Die Idee zum Plappertaschen-Treff hatte Nachtwey schon vor circa drei Jahren, als sie neu an das Kifaz im multikulturellen Griesheim kam. „Kunst, Theater und Musik, das sind so meine Steckenpferde“, erzählt sie. Heute sind rund 15 Kinder aus der Kita mit ihren Müttern gekommen, manchmal sind es über 30. Für die rege Beteiligung sorgt auch Angelika Rohde von der Evangelischen Familienbildung, die im Kifaz arbeitet. „Ich lotse die Eltern hier rein“, erklärt sie mit einem Augenzwinkern. Dass die Eltern teilnähmen und so die Bücher, Lieder und Spiele kennenlernen, mache das Angebot besonders nachhaltig, ergänzt Kita-Leitung Benjamin Behrens. Das Sprachlernangebot ist eine Kooperation der Internationalen Bund Südwest gGmbH für Bildung und soziale Dienste, die die Kita betreibt, und der Evangelischen Familienbildung. Zum Teil kennt Angelika Rohde die Eltern schon von Angeboten für Mütter oder den Babytreffs.

Tochter ist begeistert

Yasmina Tichatibin zum Beispiel. Mit Küsschen begrüßt sie die junge Frau, die seit zwei Monaten zum Treff kommt. „Meine Tochter liebt es hier“, schwärmt Tichatibin. „Wenn ich einen Dienstag verpasse, geht es zu Hause los.“ Seit sie hierherkommen, liest sie der vierjährigen Liana noch regelmäßiger vor dem Einschlafen eine Geschichte vor. Die Tochter trällert tagelang die Lieder aus dem Treff. „Sprachanlässe im Alltag schaffen“, nennt Behrens das.

Heute wäre Liana gerne ein Schmetterling. Zumindest singt sie das im Begrüßungsstuhlkreis. Reihum geben die Kinder eine Schatulle weiter, nehmen ein Tier heraus und machen dazu passende Flatter-, Brüllgeräusche und Gesten. Später tauchen alle Tiere wieder in der Geschichte „Wo ist Mama?“ auf, die Nachtwey als Bildertheater aufbereitet.

Nacheinander schiebt Nachtwey dafür die Bilder aus dem Buch in den Rahmen des Holztheaters. Dazu liest sie vor, wie ein Schmetterling versucht, dem kleinen Affen zu helfen, seine Mutter wiederzufinden. Immer wieder unterbricht sie und lässt die Kinder zu Wort kommen, die gespannt mitfiebern. Als die beiden Tiere nach allerlei Verwechslungen bei Mutter Affe angekommen sind, macht sich Erleichterung breit. „Endlich!“ ruft ein Kind aus der ersten Reihe. Alle klatschen.

Kontakt: Kinder- und Familienzentrum Griesheim, Platanenstraße 11, Telefon nummer 2 19 38 97 05.

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