+
1989 studierte Martin Herrmann Posaune an der Hochschule für Musik und Darstellende Künste.

Harheim

Ein musikalischer Reformer zieht sich zurück

  • schließen

Der Dirigent Martin Herrmann hört nach 28 Jahren auf. Das Abschlusskonzert findet am Sonntag, 19. März, statt.

Nach fast 28 Jahren als Dirigent im Musikverein legt Martin Herrmann am Sonntag den Taktstock aus der Hand. Nach dem Frühjahrskonzert ist für ihn Schluss. „Es ist ein ganz guter Zeitpunkt“, sagt der 50-Jährige. Ein Wechsel sei nach so langer Zeit für alle gut, um frischen Wind in das Orchester zu bringen. Als Leiter der Musikschule bleibt er dem Verein verbunden. Die Schule, in der vor allem Harheimer Kinder ab fünf Jahren das Musizieren lernen, ist erst kürzlich ins oberste Stockwerk des alten Rathauses gezogen.

Nach Harheim kam der gebürtige Kieler zufällig. Im Herbst 1989 studierte er Posaune an der Hochschule für Musik und Darstellende Künste. Ein Freund, der dort Trompete lernte, unterrichte einen Schüler aus dem Harheimer Musikverein, der von der freien Dirigenten-Stelle berichtete. So führte Herrmanns Weg als damals 22-Jähriger erstmals in den kleinen Stadtteil.

Er zählte zu den Jüngsten im Orchester. Die jungen Mitglieder sahen das als Gelegenheit und forderten eines Abends nach der Probe beim Apfelwein: „Wenn da einer unserer Generation kommt, dann wollen wir auch was Modernes spielen“, erinnert sich Herrmann. Rund 100 traditionelle Stücke, wie Märsche, Polkas und Schneewalzer, habe das Orchester einst beherrscht. Der neue Dirigent reduzierte diese Zahl auf 20 und ließ moderne Lieder üben. „Heute reicht unser Rock- und Pop-Repertoire von Elvis bis Coldplay“, sagt Herrmann, der aus einem musikalischen Elternhaus stammt und schon als Abiturient einen Kinderchor geleitet hatte.

Lieder aus dem alten Repertoire werden noch immer auf der Kerb zum Besten gegeben. Für das Jubiläumskonzert 2013 wurden Stücke aus den letzten 100 Jahren einstudiert. „Musikalisch gesehen die beste Zeit“, konstatiert Herrmann, obwohl sich der Berufsmusiker auf Höhepunkte in seiner Dirigenten-Karriere ungern festlegen möchte.

Konzerte für Kinder

Den Menschen im Stadtteil wird Herrmann auch mit den Konzerte für Kinder im Gedächtnis bleiben, die er vor vier Jahren ins Leben rief. Daneben gab es vor zwei Jahren ein schottisches Konzert-Programm, 2016 unter dem Motto „Musikverein Ahoi“ Seefahrts-Lieder. 2014 vertonten die Musiker live einen Film über Harheim von Fotograf Helmut Seuffert.

Auch Konzert-Orte interpretierte Herrmann neu. Bei den „Promenadenkonzerten“ etwa werden 20 bis 30 Musiker auf einem Traktor-Anhänger durch die Straßen Harheims kutschiert. An verschiedenen Stellen wird gestoppt, einige Lieder präsentiert und dann zur nächsten Station gefahren. „Zu Songs wie Let’s get loud tanzen dann die Kinder“, berichtet der zweifache Vater.

Sich selbst hat Herrmann meist zurückgenommen. „Die Aufgabe eines Dirigenten in einem Laien-Musik-Orchester ist die eines Moderators“, sagt er. Ständig müsse man in Kontakt mit den Musikern bleiben und dafür sorgen, dass das Publikum zufrieden ist.

Für den Posten Herrmanns gibt es bereits Bewerber. Nach dem Konzert am Sonntag soll es Probe-Dirigate geben, im Anschluss an die Osterferien werden Vereinsvorstand und Orchestermitglieder einen neuen Leiter auswählen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare