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Cold Case: Mordanklage nach 28 Jahren in Frankfurt

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Von: Oliver Teutsch

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Es führten sowohl daktyloskopische als auch DNA-Spuren, die seinerzeit am unmittelbaren Tatort gesichert worden waren, zu einem dringenden Tatverdacht gegen den Angeschuldigten. (Symbolfoto)
Es führten sowohl daktyloskopische als auch DNA-Spuren, die seinerzeit am unmittelbaren Tatort gesichert worden waren, zu einem dringenden Tatverdacht gegen den Angeschuldigten. (Symbolfoto) © Imago

Ein damals 20-Jähriger soll für eine brutale Tat in der Frankfurter Innenstadt verantwortlich sein. Ein später DNA-Abgleich brachte die Spur.

Gut 28 Jahre nach einem brutalen Raubmord in der Frankfurter Innenstadt hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen der beiden mutmaßlichen Tatverdächtigen erhoben. Einem heute 48-Jährigen aus Ober-Ramstadt wird vorgeworfen, gemeinsam mit einem Komplizen am 20. Januar 1994 den Optiker Günter Giefer in dessen Geschäftsräumen erstochen zu haben. Der Tatverdächtige sei anhand von DNA-Spuren überführt worden und sitze bereits seit März vergangenen Jahres in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ist davon überzeugt, dass der damals 20-Jährige gemeinsam mit seinem neun Jahre älteren Komplizen am frühen Nachmittag in den Geschäftsräumen von Giefers Kontaktlinseninstitut in der Großen Eschenheimer Straße 13 auftauchte, um dessen Wertsachen und Einnahmen zu entwenden. Der 29-Jährige soll ein Kunde des Optikermeisters gewesen sein, wodurch er die Geschäftsräume und Gepflogenheiten des 60-Jährigen kannte. Im Institut sollen die Männer den Geschädigten an Händen und Füßen gefesselt, geknebelt und ihm die Augen verbunden haben. Während die Täter damit beschäftigt waren, Wertgegenstände zusammenzusuchen, gelang es Giefer, sich zu befreien. Um zu verhindern, dass er seinen Kunden wiedererkennt, sollen die beiden spätestens zu diesem Zeitpunkt den Entschluss gefasst haben, den Geschäftsmann umzubringen, ist sich die Staatsanwaltschaft sicher.

Den Ermittlungen zufolge sollen sie ihrem Opfer vier wuchtige Messerstiche in den vorderen Halsbereich versetzt und durch Drosseln mit einem Schal oder Würgen mit den Händen massiv auf den Hals des Opfers eingewirkt haben. Darüber hinaus sollen sie dem Geschädigten zwei Stichverletzungen im Bereich der Kinnspitze und unter dem linken Auge zugefügt haben. Giefer verstarb letztlich durch Ersticken in Verbindung mit dem hohen Blutverlust und dem Einatmen von Blut. Im Anschluss an die Tat verließ das Duo den Tatort mit mehreren Bankkarten und Euroschecks, der Tageseinnahme in Höhe von umgerechnet mindestens 500 Euro und der Armbanduhr des Opfers. Der mutmaßliche Mittäter des Angeschuldigten setzte sich spätestens 1995 in die Türkei ab. Er wird noch immer gesucht.

Der Fall hatte damals große Aufmerksamkeit erregt und war im Juli 1994 auch Thema in der ZDF-Fernsehfahndung Aktenzeichen XY ungelöst. Demnach hatte Giefer erwogen, sein Institut zu verkaufen, um sich künftig noch mehr seinem Hobby, dem Geigenbauen, widmen zu können. Am Tattag hatte er sich zur Mittagszeit noch im „Alten Café Schneider“ in der Kaiserstraße aufgehalten, bevor er in sein Geschäft zurückging.

Gefunden wurde Giefer erst am Tag darauf von der Putzfrau. Dabei hatte ein Ehepaar die Täter den damaligen Ermittlungen zufolge nach der Tat noch im Treppenhaus gesehen, aber erst später auf einem Fahndungsplakat mit Phantombildern der Tat zuordnen können. Trotz einer Belohnung von umgerechnet 10 000 Euro und der Fernsehfahndung waren die Ermittlungen erfolglos geblieben.

Im Dezember 2017 wurden die Ermittlungen wieder aufgenommenen und die noch vorhandenen Asservate nach heutigen Standards untersucht. Im Ergebnis führten sowohl daktyloskopische als auch DNA-Spuren, die seinerzeit am unmittelbaren Tatort gesichert worden waren, zu einem dringenden Tatverdacht gegen den Angeschuldigten. Denn der damals 20-Jährige hatte in der Folge weitere Straftaten begangen und war somit polizeilich registriert. Er wurde am 22. März 2021 festgenommen. Bislang mache er von seinem Schweigerecht Gebrauch, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sollte das Landgericht die Anklage zulassen, würde der Fall gegen den 48-Jährigen wegen seines damaligen Alters vor einer Jugendkammer verhandelt.

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