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Der Verkehr verdirbt Frankfurt die CO2-Bilanz.

Klimaschutz in Frankfurt

CO2-Ausstoß in Frankfurt sinkt nur langsam

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Der Kohlendioxid-Ausstoß geht deutlich langsamer zurück, als es sich die Stadt Frankfurt vorgenommen hat. Das hat unter anderem mit dem Boom der Rechenzentren zu tun.

Die Kohlendioxid-Emissionen in Frankfurt sind von 1990 bis 2017 um 19,5 Prozent gesunken. In absoluten Zahlen reduzierte sich der Ausstoß von gut 9,8 Millionen auf 7,9 Millionen Tonnen CO2. Das geht aus einer CO2-Bilanz hervor, die die Leiterin des städtischen Energiereferats, Wiebke Fiebig, und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) am Mittwoch vorgestellt haben.

Die Entwicklung ist allerdings schlechter, als diese Zahlen vermuten lassen. Zum einen ist der tatsächliche CO2-Ausstoß im Stadtgebiet noch höher. In die absoluten Zahlen sind die Emissionen der Starts und Landungen auf dem Frankfurter Flughafen, die mit 0,85 Millionen Tonnen angegeben werden, aus Gründen der interkommunalen Vergleichbarkeit nicht eingerechnet.

Vor allem aber ist nicht absehbar, wie die Stadt den selbst gesetzten Zielen zur Reduzierung der Emissionen auch nur nahe kommen will. Nach dem Masterplan Klimaschutz müsste sie dazu den CO2-Ausstoß im Vergleich zu 1990 um 95 Prozent reduzieren. Bisher ging er nur um knapp ein Fünftel zurück. Noch weniger kommt die Stadt bei der geplanten Senkung des Endenergieverbrauchs voran. Der soll im Vergleich zu 1990 bis zum Jahr 2050 um 50 Prozent sinken. Tatsächlich stieg er aber bisher sogar leicht an, wuchs um 0,6 Prozent. Das hängt mit dem Wachstum der Rechenzentren zusammen. Diese verbrauchten im Jahr 2017 zusammen 1037 Gigawattstunden Strom – deutlich mehr als alle Frankfurter Haushalte zusammen.

Beim CO2-Ausstoß ist die Entwicklung sehr unterschiedlich. Am deutlichsten sank er im Sektor Haushalte. Trotz starken Bevölkerungswachstums sanken die Emissionen im Vergleich zum Jahr 1990 um 27 Prozent. Fiebig erklärte das unter anderem mit energiesparenden Haushaltsgeräten, der Umstellung auf Gasheizung oder Fernwärme, der energetischen Sanierung von Gebäuden und dem Bau von Gebäuden im Passivhausstandard. Im Bereich Gewerbe, Handel und Dienstleistungen gingen die Emissionen, obwohl die Rechenzentren eingerechnet sind, seit 1990 immerhin um 18 Prozent zurück.

Rechnerisch sogar am stärksten sanken die CO2-Emissionen im Sektor Industrie. Stark gingen diese allerdings nur zwischen 1990 und 1995 zurück, als produzierende Betriebe ihre Produktion einstellten oder zurückfuhren. Seitdem ist der Ausstoß sogar wieder, wenn auch minimal, angestiegen. Am schlechtesten ist die Entwicklung im Bereich Verkehr. Dort sind die Emissionen im Vergleich zum Jahr 1990 sogar noch um elf Prozent gestiegen. Das führt das Energiereferat unter anderem auf den Anstieg des Durchgangsverkehrs und des Lieferverkehrs zurück.

Heilig sagte, Verkehr und Rechenzentren verhagelten der Stadt das Ergebnis. Umso wichtiger sei es jetzt, Anstrengungen für den Klimaschutz noch zu verstärken. Dafür brauche die Stadt aber die Unterstützung der Bundesregierung. Nötig sei eine Strategie, um den explodierenden Strombedarf durch Streamingdienste, Clouds und das Internet der Dinge in den Griff zu bekommen. Als Möglichkeiten, Rechenzentren nachhaltiger zu machen, nannte Heilig etwa, auf Wasser- statt auf Luftkühlung zu setzen und die Abwärme der Zentren zum Beheizen von Wohngebieten zu nutzen.

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