Die Batschkapp in Frankfurt hält noch durch: Im Kultursommergarten dürfen 250 Gäste Platz nehmen, oft kommen aber weniger.
+
Die Batschkapp in Frankfurt hält noch durch: Im Kultursommergarten dürfen 250 Gäste Platz nehmen, oft kommen aber weniger.

Partyszene

Clubsterben in Frankfurt geht weiter - der nächste Kultladen macht wegen Corona dicht

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
    schließen

In Frankfurt trifft es nach Final Destination, Spritzenhaus und Horst nun den Clubkeller an der Textorstraße. Betreiber Andi König gibt auf; in der Corona-Pandemie sieht er keinen Ausweg.

  • Frankfurt: Die Corona-Pandemie zwingt zahlreiche Clubs in der Innenstadt in die Knie.
  • Auch vor Corona war das Überleben für viele Clubs in Frankfurt schwer.
  • Die „Clubkiller“ in Frankfurt sind das Coronavirus und die Immobilienbranche.

Frankfurt - Der Clubkeller gibt auf. Inhaber Andi König hält es für „unmöglich, während dieser Pandemie einen Club zu betreiben“. Vor allem, wenn er damit eine Familie ernähren müsse. Generationen von jungen Menschen haben im Untergrund der Textorstraße 26 getanzt, getrunken, Kicker gespielt oder miteinander angebandelt. Seit 2001 im Clubkeller, davor war hier der Wüsten-Keller.

Seit sechs Monaten hat das Lokal geschlossen. König hat Spenden gesammelt, Bier abverkauft, Staatshilfen in Anspruch genommen. Jetzt kann er nicht mehr. Niemand könne sagen, wie lange sich die Corona-Pandemie noch hinziehe. „Ein erprobter Impfstoff ist noch nicht vorhanden.“ Und ein Hygienekonzept für den engen, schwitzigen Keller nicht zu entwickeln. „Einen Clubkeller mit Maske mag ich mir nicht vorstellen.“

Am Clubsterben in Frankfurt ist nicht nur Corona schuld

Das Konzept, Steuergeld zu nehmen und es direkt an den Vermieter weiterzuleiten, möchte er nicht mehr tragen. Eine vernünftige Perspektive hätte es im Haus auch ohne die Pandemie nicht mehr gegeben, sagt König. Nicht nur er kämpft mit der Frankfurter Mietpreisspirale. Andere haben früher aufgegeben. Der Kulturraum „Horst“ an der Kleyerstraße im Gallus schloss im Juli. Anfang 2019 verabschiedete sich das „Final Destination“ aus dem Nachtleben. Das Spritzenhaus in Sachsenhausen folgte Ende 2019.

„Wir halten noch durch“, sagt Doro Weikert von der Frankfurter Batschkapp. Obschon auch diese Club-Institution die Zähne zusammenbeißen muss. „Wir beantragen tapfer Fördergelder“, sagt Weikert und „organisieren Konzerte im Sommergarten“, zu denen jeweils 250 Besucherinnen und Besucher zugelassen sind, aber oft weniger kommen. „Die Menschen haben Angst.“ Dabei habe der Sommergarten ein strenges wie wirkungsvolles Hygienekonzept. „Wir könnten auch mehr Leute einlassen.“

Corona-Krise für Clubs in Frankfurt und Umgebung: „Ein Lebenszeichen senden“

Ähnlich äußern sich die Betreiber des Colos-Saals in Aschaffenburg. Der bringt im September ein paar Konzerte auf die Bühne. Aber nur, „um ein Lebenszeichen zu senden“, sagt Chef Claus Berninger. Der Club werde daran nichts verdienen. Berninger beklagt, dass der Politik eine „langfristige Perspektive für die Veranstaltungsbranche“ fehle – und damit den Clubs die Planungssicherheit.

„Seit Mitte März wurde unsere Branche alle vierzehn Tage mit Verlängerungen der Verbote oder unpraktikablen Lockerungen verunsichert, die auch noch in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich sind.“

Die Politik braucht eben Zeit. Mirjam Schmidt aus Sachsenhausen etwa, Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, möchte „im Gespräch bleiben und weiter gemeinsam um Lösungen ringen, denn ohne unsere Clubszene würde die Kulturlandschaft veröden“.

Corona in Frankfurt: Ina Hartwig will Clubs mit finanzieller Unterstützung helfen

Die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hatte im März die Befürchtung geäußert, die Clubs könnten den Sommer der Pandemie nicht überstehen. Ihr Dezernat habe den Clubbetreibern eine Unterstützung von 70 000 Euro zukommen lassen: 25 000 als Ausfall für das im März abgesagte Musikmessefestival, 20 000 Euro für die Kultursommergärten. 25 000 Euro sind in die Digitalplattform „United We Stream“ (https://frm.unitedwestream.org) geflossen. „Es ist wichtig, dass die Clubs in der jetzigen Situation sichtbar bleiben“, betont Referent Daniel Grebe.

Wichtig sei, die Musikclubs als Kulturstätten anzuerkennen, sagt Hartwig. Clubs seien Orte der ästhetischen Erfahrung, der Subkultur, jenseits von Konventionen, die in der Inszenierung von Live-Musik und DJ-Sets, Raum und Licht, Barkultur und sozialer Interaktion Gesamtkunstwerke darstellen – ebenso wie Theater oder Opernhäuser. Dort entstünden seit jeher Moden, neue Musikstile. Und: Junge Menschen könnten sich austoben, tanzen und Musik hören. Allerdings unterscheidet sie zwischen reinen Diskotheken und Clubs und Musikspielstätten mit „kuratiertem Programm“.

Andi König empfiehlt seinem Publikum nun, es solle im Privaten daran arbeiten, „unsere schöne kleine Alternativkultur in neuen Formen am Leben zu erhalten“. Die „Clubkiller“, das sind für ihn: das Virus, die Immobilienbranche und der Staat, der Gastronomie und Veranstalter „mit benachteiligenden Rahmenbedingungen“ quäle, statt mit den Kommunen an Schutzschirmen für die Subkultur zu arbeiten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare