1. Startseite
  2. Frankfurt

Lockerungen der Corona-Regeln: In Frankfurts Clubs darf wieder getanzt werden

Erstellt:

Von: Kathrin Rosendorff

Kommentare

Unter 2G-Plus darf ab 4. März wie hier im Gibson Club auch ohne Maske getanzt werden.
Unter 2G-Plus darf ab 4. März wie hier im Gibson Club auch ohne Maske getanzt werden. © Michael Schick

Nach den angekündigten Lockerungen der Corona-Regeln in Hessen darf in den Clubs bald wieder getanzt werden. Die Euphorie hält sich aber in Grenzen.

Frankfurt – Die Wiedereröffnung der Clubs in Hessen ab 4. März stößt wegen der Auflagen nicht überall auf Gegenliebe. Manche Frankfurter Clubbetreiber freuen sich sehr, dass wieder getanzt werden darf. Andere, die eben eher auf Live-Konzerte setzen, ärgern sich, dass sie nur 60 Prozent ihrer Innenräume-Kapazitäten belegen dürfen. Das sei wirtschaftlich nicht rentabel.

Die Wiedereröffnung der Clubs in Hessen ab dem 4. März sei eine wahnsinnige Erleichterung und gleichzeitig eine große Freude. Das sagt Bastian Bernhagen, einer der Geschäftsführer des Frankfurter Clubs „Gibson“ auf der Zeil. „Mit so viel Spannung wie die Fußball-WM haben wir die Entscheidung von Bouffier gestern verfolgt“, sagt Bernhagen am Dienstag, einen Tag nachdem Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne ) die Corona-Lockerungen vorgestellt hatten. Die Clubs dürfen ab dem 4. März zunächst unter der 2G-plus-Regel ihre Tanzflächen wieder eröffnen.

Clubs in Hessen dürfen wieder öffnen: Zeit als reiner Gastronomie-Betrieb vorbei

Das „Gibson“ war einer der wenigen Clubs, die seit Mitte Dezember geöffnet blieben. Das ging aber nur unter gastronomischem Konzept und ohne Tanzfläche. „Wir freuen uns jetzt, dass wir wieder zusammenkommen und tanzen können – und das ohne Maskenpflicht. Das war uns bis zuletzt nicht klar, ob diese wieder kommt“, sagt Bernhagen. Mit der Aussicht, wieder Tanz anbieten zu können, sei auch die Hoffnung verbunden, dass es nun wieder profitabel sei zu öffnen. „Wir sind sehr gespannt, was dann im nächsten Öffnungsschritt ab dem 20. März passiert.“ Alle Kontakt- und Zugangsbeschränkungen, die bis dahin noch gelten, sollen dem Plan zufolge wegfallen. Aber ob dann die Clubs ohne Einschränkung werden öffnen können, ist noch unklar.

„Es ist schön, dass es ab dem 4. März schon eine Art Perspektive für uns gibt – und die Maske beim Tanzen kein Thema mehr ist“, sagt Victor Oswalt von „Clubs am Main“. Die Initiative vertritt die Interessen von 15 Clubs in Frankfurt und Umgebung sowie von Veranstalter:innen, DJs und Künstler:innen. Batschkapp, „Silbergold“ und Tanzhaus West zählen zu den Mitgliedern.

Lockerungen der Corona-Regeln in Hessen: Begrenzte Zahl an Gästen

Doch einen Wermutstropfen gebe es in der ab 4. März geltenden Coronavirus-Schutzverordnung des Landes: „Es steht da noch der Paragraf 24, der ausschließlich für Tanzlokale, Clubs und Diskotheken gilt. Anders als bei anderen Veranstaltungen der Kulturbranche gilt dort eine Kapazitätsbegrenzung nicht erst ab 500 Menschen, sondern für uns als Clubs gilt eine pauschale Begrenzung in Innenräumen auf 60 Prozent. Wir wissen nicht, ob das vom Land vergessen wurde zu ändern. Falls nicht, ist das ein Unding und nicht nachvollziehbar“, so Oswalt. Vor allem sei es eine „harte Enttäuschung“, dass es vorab wieder einmal keinen Austausch mit den Clubs über die Entscheidung gegeben hätte.

Das Sozialministerium teilte auf Anfrage der FR mit, dass für Clubs die Kapazität tatsächlich ab der ersten Person im Freien auf 75 Prozent (2G) und in Innenräumen auf 60 Prozent (2G plus) zu beschränken sei. Der Grund hierfür sei, dass eine solche Kapazitätsbeschränkung ab der ersten Person aufgrund der besonderen infektiologischen Gefahren erforderlich sei, die sich aus dem Betrieb dieser Einrichtungen ergebe, dazu zählten der erhöhte Aerosolausstoß beim Tanzen und lauten Sprechen sowie der Alkoholkonsum, die Nichteinhaltung von Abständen und enge körperliche Kontakte zu anderen Personen.

Clubs in Hessen: „Zoom“-Geschäftsführerin will nicht im März öffnen

Der Charakter des Betriebs einer Diskothek sei deshalb ein anderer als der einer zeitlich umrissenen Veranstaltung mit klarem Ablauf und klarer Organisation und bei der Plätze eingenommen würden. Für Großveranstaltungen wie Konzerte und Fußballspiele sollen ab dem 4. März unter Auflagen wieder mehr Zuschauer zugelassen werden: innen bis 60 Prozent der Kapazität und maximal 6000 Zuschauerinnen und Zuschauer, außen bei 75 Prozent der Kapazität maximal 25 000 Gäste. Bei kleineren Veranstaltungen mit bis zu 500 Besucher:innen dürfen alle verfügbaren Plätze belegt werden. Oswalt sagt: „Wir hoffen, dass wir als Clubs ab dem 20. März dann ohne Kapazitätsbegrenzung und ohne 2G plus öffnen dürfen.“

Eva Daniels, die geschäftsführende Gesellschafterin des „Zoom“, des Clubs, der sich bislang in der Innenstadt befand und nun nach Fechenheim ins ehemalige „Cocoon“ zieht, sagt, dass sie im März nicht öffnen werden. „Die Entscheidung der Politik finde ich ärgerlich. Wir haben keine Planungssicherheit. Es ist vieles noch unklar. Auch was nach dem 20. März passiert, da lässt sich die Politik noch ein Hintertürchen offen.“

Clubs in Hessen während Corona: 2G kein Problem, Kapazitätsbegrenzug schon

Gerade für sie als Club, der seinen Schwerpunkt auf Livekonzerte setzt, sei zwar 2G plus kein Problem, die Kapazitätsbegrenzung dagegen schon. 1800 Leute passten in den Club. „Wenn wir aber nur 60 Prozent reinlassen dürfen, ist das wirtschaftlich nicht rentabel.“ Sie bräuchten die komplette Kapazität. „Ich erkenne den Sinn dieser Regelung nicht“, so Daniels. Sie planen, im April aufzumachen, aber ob das auch hinhaue, sei eine andere Frage. Das komme auf die Konditionen an.

Sidney Spaeth, DJ und Betreiber des Elektroclubs „Freud“ in der Innenstadt, freut sich auf die Wiedereröffnung im März. Auch wenn er nicht versteht, warum im Club 2G plus statt 3G gelte. „Ich selbst bin geboostert, aber ich finde, wir dürfen Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, nicht ausschließen. Da geht es nicht darum, dass ich mehr Leute reinbringen will, um mehr Geld zu verdienen. Sondern man muss die Leute wieder zusammenbringen, damit die Demokratie als Wert der Gesellschaft erhalten bleibt. Und sich eben nicht die Populisten und Verschwörungstheorien breitmachen.“ (Kathrin Rosendorff)

Im Bahnhofsviertel in Frankfurt eröffnet ein neuer Elektro-Club.

Auch interessant

Kommentare