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Rund um das Waldstadion sammeln nicht nur Mitarbeiter von Eintracht Frankfurt alles, was ihnen vor die Zange kommt. christoph boeckheler

Umweltschutz

Cleanup Day in Frankfurt: Den Stadtwald putzen

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Beim „Cleanup Day“ machen Freiwillige Freitag und Samstag in ganz Frankfurt sauber

In weniger als einer Stunde seit dem Startschuss häufen sich volle Müllsäcke vor dem Waldstadion. Aber auch einen kaputten Fahrradanhänger, Reifen und anderen Schrott haben Freiwillige des „Cleanup Days“ am Freitagvormittag bereits gefunden. Auf den Parkplätzen, Treppenaufgängen und im Laub suchen Menschen mit Holzgreifern und Handschuhen nach Unrat. Bei der Aktion am 18. und 19. September sind alle Frankfurter aufgerufen, ihre Stadt ein wenig sauberer zu machen. Der internationale Tag ist am Samstag.

Jens Witzel und seine Ehefrau schleppen drei volle Säcke. Gemeinsam mit ihren Töchtern haben sie sich in den Stadtwald aufgemacht. „Es ist leider so viel wie vermutet“, sagt der Bornheimer. Massenweise Bierflaschen und -dosen hätten sie gesammelt. Er findet es schade, dass so viel Abfall auf dem Boden lande, manchmal auch dann, wenn direkt daneben Eimer stünden. Gerade zu Corona-Zeiten falle mit To-Go-Produkten noch mehr Müll an, der leider oft einfach auf Plätzen und in Parks liegenbleibe. Witzel ist selbst Raucher, aber seine Reste lasse er nie einfach zurück.

die aktion

Der World Cleanup Day gilt nach Anga- ben der Veranstalter als größte Bot- tom-up-Bürgerbewegung der Welt. Seine Wurzeln liegen demnach in Est- land, wo er 2008 gegründet wurde; seitdem läuft er jedes Jahr im Septem- ber. 2019, als weltweit 21 Millionen Menschen in 180 Ländern ein Zeichen gegen Plastikmüll und für eine saubere Welt setzten, war Frankfurt erstmals dabei. www.worldcleanupday.de Für die zentrale Frankfurter Aktion am Samstag am Hafenpark sind bereits genug Anmeldungen eingegangen. www. cleanup.fes-frankfurt.de. jkö/ill

Und schließlich sind die Kippen besonders schädlich. Denn eine Zigarette verseuche rund 40 Liter Trinkwasser, berichtet Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) vor Ort. Darum sollen die Sammler vor allem auf die kleinteiligen Sachen achten. „Das ist zwar kleiner, aber gefährlicher Abfall“, pflichtet ihr Claudia Gabriel, Leiterin der Stabstelle Sauberes Frankfurt bei. Dazu gehören auch Kronkorken oder Scherben. An letzteren könnten sich nicht nur Tiere verletzen, sie seien, genauso wie noch glühende Zigaretten, eine Waldbrandgefahr. Mit der Kampagne wolle man Aufmerksamkeit erzeugen, ein Zeichen setzen und zum Nachdenken anregen.

Rund 220 Freiwillige hätten sich für Freitag für die Aktion am Waldstadion angemeldet, mehr als 250 seien nicht erlaubt, wegen der Corona-Auflagen, so Gabriel. Insgesamt hätten sich stadtweit fast 2400 Frankfurter für beide Tage registriert. Neben zwei zentralen Aktionen haben sich Gruppen, Vereine und Privatpersonen in ihren Stadtteilen zusammengetan. An vereinbarten Punkten werden die Mülltüten dann abgeladen und -geholt. Hans Zeller versucht eine Zigarettenschachtel aus dem Unterholz zu fischen, in seinem Beutel befinden sich bereits Reste von Plastikbechern, Schnapsfläschchen und anderer Unrat. Er ist mit seinen Kollegen der Firma Mobis hier. „Ich finde die Aktion gut, weil sich hoffentlich viele ein Beispiel nehmen.“ Er versuche schon seinen Kindern mitzugeben, dass sie nichts auf den Boden schmeißen sollen.

Veranstalter sind neben der Stadt die Sauberkeitskampagne #Cleanffm, die FES und Eintracht Frankfurt. Der Verein habe sich vorgenommen nachhaltiger zu sein, sagt Julian Zamberk, Geschäftsführer der Eintracht Frankfurt Stadion GmbH: mit neuem Caterer, weniger Verpackung an den Kiosken oder auch Solarenergie. Aber man könne sicher noch mehr machen. Die Mitarbeiter legen schon mal los. Rund 20 bis 30 Kollegen seien sicher heute dabei, sagt eine Frau, die gerade nach einem Kronkorken in der Erde greift. Zwei bis drei Stunden könne sich jeder Zeit nehmen, findet Jörg Jost, der im Finanz- und Rechnungswesen tätig ist. „Vor allem nach Spielen sieht es schon schlimm aus.“ Hoffentlich machen weniger Fans am Samstag auch weniger Müll – oder am besten gar keinen.

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