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Sie trat vor 50 Jahren leider nur einmal in Frankfurt auf: Janis Joplin.

1969 in Frankfurt

Beuys und Joplin

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Zwei Konzerte in Frankfurt im Jahr 1969 werden legendär.

Es ist ein Abend, der deutsche Theatergeschichte schreibt. Am 25. Mai 1969 bringt der Künstler Joseph Beuys im Theater am Turm (TAT) in Frankfurt seine einzige Aktion auf die Bühne, die er jemals für ein Theater plant. „Titus Andronicus / Iphigenie“ heißt das Projekt, das auf William Shakespeare genau so Bezug nimmt wie auf den Frankfurter Dichterfürsten Johann Wolfgang Goethe. Auf dem Höhepunkt bringt Beuys einen mächtigen Schimmel auf die Bühne – die Frankfurter Theaterfotografin Absiag Tüllmann (1935-1996) hält diese Minuten fest – heute finden sich die Fotografien in der Sammlung des Museums für Moderne Kunst.

1969 arbeitet am TAT der junge Regisseur Claus Peymann, der später zu einem prägenden Akteur des deutschen Theaterbetriebes aufsteigen sollte. Er hat am TAT gemeinsam mit dem Dramaturgen Wolfgang Wiens seit 1966 Uraufführungen des jungen österreichischen Dramatikers Peter Handke auf die Bühne gebracht.

Auch für die Verlagslandschaft in Deutschland ist 1969 in Frankfurt ein einschneidendes Jahr. Am 14. April gründet der ehemalige Lektor des Suhrkamp-Verlages, Karlheinz Braun, in Frankfurt den ersten genossenschaftlich organisierten Verlag Deutschlands. Konsequenterweise nennt er ihn: Verlag der Autoren. Die Schriftsteller selbst organisieren als Besitzer ihren Verlag, darunter sind Peter Handke, Martin Sperr, Bazon Brock und Günter Herburger. Das Unternehmen existiert noch immer und feiert bald seinen 50. Geburtstag.

Zwei Konzerte in Frankfurt im Jahr 1969 werden legendär. Am 17. Januar tritt der Gitarrist Jimi Hendrix in der Jahrhunderthalle auf. Und noch heute, 50 Jahre danach, erinnern sich viele, die dabei waren, an diesen Abend als das Konzert ihres Lebens.

„Was an diesem Abend abgelaufen ist, das konnte ich nur viele Tage, eher Wochen, später halbwegs begreifen. Kann mich nur noch erinnern, dass nach dem Konzert die Leute rausgingen, völlig konsterniert, es war eine Euphorie, wie ich sie so richtig nicht begreifen kann. Eine sprachlose Stille, so etwa…“

Natürlich verbrennt Hendrix am Ende seines Auftritts seine Gitarre auf der Bühne…

Einige Wochen später, am 12. April 1969, kommt die US-Sängerin und Gitarristin Janis Joplin zu ihrem einzigen Deutschland-Konzert überhaupt nach Frankfurt. Und wieder ist die Jahrhunderthalle der Schauplatz.

Tausende von Frauen kommen zu diesem Auftritt, gilt ihnen doch Joplin als Beispiel für eine Frau, die selbstbestimmt ihr Leben in die Hand nimmt. Es ist der legendäre Frankfurter Konzertveranstalter Fritz Rau, dem es gelingt, Joplin in Frankfurt auf die Bühne zu bringen.

Doch zunächst will die Künstlerin überhaupt nicht auftreten. Sie ärgert sich mächtig über die Vorgruppe, die gerade die Jahrhunderthalle zum Toben bringt. Es ist eine junge Deutsche, eine Frau aus Mannheim, die mit einer unglaublichen Blues-Röhre das Publikum begeistert: Joy Fleming.

„Who’s that fucking bluesy girl?“, soll Joplin wütend gefragt haben. Dann verlangt sie von Veranstalter Rau sofort einen Tequila – den es natürlich in der Halle nicht gibt. „No tequila – no concert“, sagt sie bündig. Rau bleibt cool und erklärt, er lasse den Besuchern das Eintrittsgeld zurückzahlen, Joplin solle schon mal ins Hotel fahren. Erst dann lenkt die Sängerin ein. Und es beginnt ein unvergesslicher Abend. Als Joplin das Publikum, zum Tanzen auffordert, stürmen Zuschauer die Bühne und folgen dem Appell.

Hendrix und Joplin sterben beide wenig später im Jahre 1970. Sie werden Legenden.

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