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Die Physiotherapeutin Claudia Henrich hat eine Praxis in Bornheim.

Menschen in Bornheim

Claudia Henrich ist immer in Bewegung

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Ein Leben ist nicht genug: Die Bornheimerin Claudia Henrich ist Physiotherapeutin, Hospizhelferin und bald auch Rettungsassistentin

Wenn sie die Zeit findet, kann Claudia Henrich demnächst ihre Ausbildung abschließen. Dann ist sie Rettungsassistentin, kann mit dem Krankenwagen durch Frankfurt rasen und Menschen helfen. Noch fehlt ihr ein Praktikum in einer Rettungswache. Doch dafür hat sie wie gesagt keine Zeit. Denn Claudia Henrich ist Physiotherapeutin, die in einem Hinterhaus in der Spessartstraße eine Praxis mit zehn Mitarbeitern betreibt.

Vor genau 50 Jahren hat ihre Mutter Erika die Praxis als Eine-Frau-Betrieb gegründet. Die Familie lebte damals noch in der Wohnung im ersten Stock des selben Hauses. Einen großen Teil ihrer Kindheit verbrachte Claudia Henrich deshalb in der Praxis. Oft habe sie im Laufstall im Behandlungsraum gestanden, in dem ihre Mutter arbeitete. „Manchmal haben mich auch Patienten auf dem Schoss gehabt, wenn sie massiert wurden.“ Noch immer gebe es Kunden, die erzählten, dass sie die heute 47-Jährige im Kinderwagen geschoben haben.

Teile des Gebäudes wurden damals von einer Glaserei genutzt. „Bei uns war immer Leben.“ Auch, weil ihre Mutter Räume an kleinere Gruppen vermietete, die Platz suchten. So habe es in den 80er Jahren häufig Bauchtanz-Kurse gegeben, Pfadfinder trafen sich im Hinterhof, zeitweilig sei dort eine Kita und ein familientherapeutisches Zentrum untergebracht gewesen. 

Ein Energiebündel, das kaum zur Ruhe kommt  

„Das war der Anspruch, zu helfen“, sagt Henrich, eine Art soziales Engagement. Etwas, das ihr liegt. In ihrer Praxis bieten auch Externe Yoga oder Beckenbodengymnastik an. Sie liebe es, wenn es Anfragen gebe, und sie noch eine weitere neue Idee unterbringen kann: „Ich bin offen für alles.“ Das zeigt sich an der Praxis. Ständig baue sie im Haus um, in dem es inzwischen sechs Behandlungszimmer und zwei Gymnastikräume gibt, streiche Wände und schaffe neue Geräte an. Jüngstes Projekt ist ein Outdoor-Training im Hof.

Henrich wollte eigentlich keine Physiotherapeutin werden. Sie sei aufgewachsen mit dem Satz: „Du kannst die Praxis irgendwann übernehmen.“ Aber: „Das wollte ich nicht.“ Sie hatte eine Scheu vor Menschen, „obwohl ich unter so vielen groß geworden bin“. Erst später habe sie erkannt, dass der Beruf der richtige für sie ist. Sie habe schon immer einen „sozialen Touch“, sagt sie. „Und da ich ein gesunder Mensch bin, mit viel Energie, wollte ich das weitergeben.“

Team und Patienten sind wie eine Familie 

Ein Studium nach dem Abitur am früheren Herder-Gymnasium sei nicht in Frage gekommen: „Ich kann nicht ruhig auf einem Stuhl sitzen, ich brauche Bewegung.“ In Viernheim machte sie ihre Ausbildung. Im Marienkrankenhaus absolvierte sie ein einjähriges Praktikum, abends arbeitete sie parallel bei ihrer Mutter in der Praxis. Danach zog Claudia Henrich einige Monate mit Rucksack durch Südamerika. Bis sie die Praxis 1999 übernahm, arbeitete sie mit ihrer Mutter zusammen. Sie habe das Bedürfnis gehabt, ihr zu helfen. „Sie hat damals sehr viel gearbeitet, das konnte ich nicht aushalten.“ Inzwischen habe sich das Verhältnis umgekehrt. Claudia Henrich verbringt bis zu 50 Stunden in der Woche in der Praxis. Team und Patienten seien für sie wie eine Familie. Ruhe findet sie keine. „Scheinbar reicht es mir nicht.“

Deshalb hat sie Anfang des Jahres die Ausbildung zur Rettungssanitäterin begonnen. „Das ist mein Weg, die Komfortzone, das Vertraute, zu verlassen“. Noch sei ihr nicht klar, wie sie das Projekt in ihrem Leben unterbringen kann, „Zeit habe ich keine – aber vielleicht ergibt sich etwas.“ Freunde und Familie hätten die Köpfe geschüttelt, als sie von ihrem Vorhaben erzählte. Vor sechs Jahren ging sie einen ähnlichen Schritt. Damals ließ sie sich in einer Hospizabteilung ausbilden. Seitdem engagiert sie sich ehrenamtlich im Zentrum Palliativmedizin im Krankenhaus Nordwest.

„Wenn ich mutig genug wäre, würde ich ins Ausland gehen und mich dort engagieren.“ Nicht, um Bäume am Amazonas zu pflanzen, sondern um etwas mit Menschen zu machen. „Irgendetwas ruft mich da“, sagt sie. „Mal schauen, ob das in diesem Leben noch klappt.“

www.henrich-physiotherapie.de

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