20 Jahre MMK

Hirsch mit Rendite

Petra Roth erinnert sich noch genau an das Gezackere im Stadtparlament als es darum ging, die Sammlung des Darmstädter Unternehmers Karl Ströher zu kaufen.

Petra Roth erinnert sich noch genau an das Gezackere im Stadtparlament als es darum ging, die Sammlung des Darmstädter Unternehmers Karl Ströher zu kaufen. 1981 war das, Roth damals Stadtverordnete, nicht Oberbürgermeisterin, und etliche ihrer Fraktionskollegen hatten erhebliche Bauchschmerzen, fünf Millionen Mark für moderne Kunst auszugeben. Vor allem für Joseph Beuys „Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch“.

„Einige hatten vorgeschlagen, doch den Beuys wegzulassen.“ Ihr sind auch noch die Debatten präsent, als Peter Iden, Theater- und Kunstkritiker der Frankfurter Rundschau, trommelte, dass die Stadt unbedingt ein Museum für Gegenwartskunst brauche. Immerhin, sagt Roth, ging es damals um 200 Millionen Mark. OB Walter Wallmann und Kulturdezernent Hilmar Hoffmann setzten es durch – und der Wiener Stararchitekt Hans Hollein setzte in nur vier Jahren sein architektonisches Highlight an die Domstraße.

Warhol und Lichtenstein

Heute kann Roth über all das nur lachen, nicht nur weil der Beuys ein Vielfaches dessen wert ist, was er gekostet hat – was für etliche Arbeiten gilt, für die Frankfurt von Experten in aller Welt beneidet wird. Auch weil das Museum Identifikation geschaffen habe. „Es war eine richtige Investition.“ Richtig nennt Susanne Gaensheimer, die das Haus seit zwei Jahren leitet, aber auch den Weg, den ihre Vorgänger mit der Sammlung eingeschlagen und damit ein „unverwechselbares Profil“ geschaffen haben, mit dem das MMK als Museum von Weltrang gelte. Nach Iden, dem Mann der ersten Stunde, hat der erste Museumsdirektor Jean-Christophe Ammann nicht einzelne Werke gekauft, sondern ganze Werkgruppen. Und er hat eng mit Künstlern gearbeitet, junge Leute unterstützt, sagt Gaensheimer, und fast freundschaftliche Kontakte zu ihnen aufgebaut. „Die haben dann eigens für das Haus gearbeitet.“

So besitzt das MMK nicht nur Einzelarbeiten von Warhol, Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, Gerhard Richter oder Blinky Palermo, wie Gaensheimer aufzählt, sondern die Hauptwerke und Werkgruppen. Die Richtung hat auch Ammanns Nachfolger Udo Kittelmann verfolgt – und mit dem Kauf der Sammlung Ricke die Schwerpunkte des MMK vervollständigt.

Bei der Gelegenheit räumt die neue Chefin auch mit dem alten Trauma auf, das der Sammler Dieter Bock ausgelöst hat, als er seine 431 Leihgaben an das MMK wieder abzog. „Seither hält sich hartnäckig das Bild, das MMK sei halb leer“, sagt Gaensheimer. Tatsächlich habe die Stadt die 14 wichtigsten Arbeiten der Sammlung gekauft – was fehle, mache gerade einmal acht Prozent der Sammlung aus. „Die Depots sind übervoll“ – Einiges wird sich demnächst zeigen. (ana)

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