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Choreographie mit Pferden - da zücken viele die Handykameras.

Kultur

Circus in Frankfurt: Proteste gegen den Einsatz von Tieren

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Rund 1400 Besucher sehen die Premiere von Circus Carl Busch am Ratsweg . Die Wintershow ist bis zum 5. Januar täglich zu sehen.

Frankfurt – Den Höhepunkt hat sich die Zirkusfamilie des Circus Carl Busch bis zum Schluss aufgehoben. Zweieinhalb Stunden lang unterhielten Dutzende Artisten das Publikum beim „Great Christmas Circus Frankfurt“. Kurz vor 23 Uhr verließen am Freitag einige Familien mit übermüdeten Kindern das mit knapp 1400 Besuchern beinahe ausverkaufte Festzelt, als die Kolev Sisters die Manege betraten.

Auf einem Podest zeigten sie Handstand-Akrobatik. Die jüngere kletterte auf ihre ältere Schwester, hielt sich im Handstand mit beiden Händen, dann mit nur einer Hand fest, während die ältere sich in verschiedene Posen reckte. Wer selbst, vielleicht beim Yoga, versucht hat, in den Handstand zu gehen, ihn länger zu halten oder gar auf eine Hand zu wechseln, dem bleibt nur allergrößter Respekt vor dieser Leistung, die auch das Publikum würdigte.

Frankfurt: Circus in Frankfurt – Popcorn und Spiele

Maud Florees Gruss balanciert auf dem Drahtseil.

Zum Auftakt, um 20.20 Uhr – bis alle ihre Plätze erreicht hatten, dauerte es ein wenig – zeigte die gut gelaunte „Truppe Havanna“ des kubanischen Staatszirkus ihre Tricks beim Seilspringen, lächelnd und mit schwingenden Hüften. Die Artisten hüpften, drehten sich in der Luft, schlugen Salto, bauten sich zur menschlichen Pyramide auf und sprangen munter weiter. Das Publikum feierte die Artisten – und mampfte Popcorn, dessen Duft durch das Zelt waberte.

Kräftigen Applaus erntete die Flugshow der „Flying Wulber“, einer italienisch-bulgarischen Truppe. Mit dem Trapez schwangen die Artisten hin und her, wirbelten durch die Luft, machten den doppelten, sogar den dreifachen Salto, bis ihr Gegenüber am Trapez sie fing. So hoch schwangen sie in die Lüfte, bis ein Artist gegen die Deckenlampe im Zirkuszelt krachte, sodass die Lampe heftig wackelte – der Artist ließ sich nichts anmerken und vollendete seinen Sprung.

Das auch mal was schiefgehen kann, ohne ein Problem zu sein, zeigte Georgio Hromadko aus Tschechien, der Kegel durch die Luft warf und auf einem Seil wieder fing. „Drum and Bass“-Musik schallte durch das Zelt, als er die Kegel in die Höhe schleuderte, bis zu vier gleichzeitig. Dass dann einer herunterfiel, lächelte der Artist weg, das Publikum applaudierte nicht minder kräftig.

Circus in Frankfurt: Akrobatische Höchstleistungen 

Weitere Aufführungen
Der Circus Carl Busch zeigt die Show „Great Christmas Circus Frankfurt“ noch bis 5. Januar. Täglich gibt es Vorführungen um 15.30 und 20 Uhr, sonntags und feiertags um 15 und 18.30 Uhr.

Karten gibt es an den Vorverkaufsstellen, auf der Zirkus-Website, bei Frankfurt Ticket Rhein-Main sowie an der Abendkasse. Karten kosten ab 15 Euro/10 Euro ermäßigt. 

Mit Präzision lief Maud Florees Gruss bei ihrer Aufführung über ein Drahtseil, das durch die Manege gespannt war. Sie balancierte, posierte, stand auf einem Bein, hüpfte über ein Seil und fuhr mit dem Einrad vor und zurück.

„Das Drahtseil und die Trapeznummer haben mir am besten gefallen“, sagte die 31-jährige Birgit in der Pause. Und auch die Dressurnummer fand sie ganz gut. „Ich finde, die Pferdedressur muss nicht sein“, sagte dagegen die 29-jährige Jasmin, die sie begleitete.

Zuvor hatten Natascha Wille-Busch, die Juniorchefin des Zirkus, und ihre achtjährige Tochter Angel Wille sowie Manuel Frank Pferde und Ponys durch die Manege geführt. Die Araber, Friesen und Falabella-Miniponys trabten, standen auf den Hinterbeinen, gingen in die Knie und verneigten sich vor dem Publikum. Viele Besucher zückten begeistert die Kameras – Fotografieren war erlaubt.

Frankfurt: Proteste gegen den Einsatz von Tieren 

Draußen aber protestierte ein Dutzend Menschen von „Frankfurt tierzirkusfrei“ im Nieselregen gegen Tiere in der Manege. Auf ihren Plakaten stand „Artgerecht ist nur in Freiheit“ und „Für Zirkus ohne Tiere“. Tiere sollten nicht in der Unterhaltungsindustrie eingesetzt werden, sagte der Sprecher der Gruppe, Carsten Probert. „Pferde sind Fluchttiere. Ihnen wird die Show bei lauter Musik und Scheinwerferlicht nur unter Zwang antrainiert.“ 

Die Initiative „Frankfurt tierzirkusfrei“ protestiert vor dem Zelt.

Dass der bodenständige Zirkusdirektor Alfons Wille bei den Demonstranten vorbeikam und auf die artgerechte Haltung seiner Tiere hinwies, machte zwar menschlich Eindruck, argumentativ aber nicht. Dabei hatte Alfons Wille seine Elefanten, Kamele, Dromedare und Lamas gar nicht mit nach Frankfurt gebracht, sondern im Winterquartier gelassen.

Wie ein Wirbelwind tobte sein achtjähriger Sohn Alfons Wille-Busch durch die Manege, ritt auf einem Minipony, machte den Clown und spielte schräge Töne auf der Trompete. Viel Gelächter ernteten die „José Mitchel Clowns“ mit ihrer Wasserschlacht.

Staunend schauten die Besucher auf die Dutzende Hula-Hoop-Reifen, welche Alesya Gulevich um ihren Körper wirbelte. Für diese Darbietung hält sie sogar den Guinness-Buch-Rekord. Vera Kopecká jonglierte Zylinder auf ihren Füßen, beim sogenannte Antipoden-Spiel, und ließ eine Feuerwalze durch die Luft wirbeln.

Da roch es im Zelt neben Popcorn und aufgewirbeltem Staub plötzlich auch nach Benzin.

Tierschützer von Peta lehnen das Schlachten gesunder Tiere in zoologischen Gärten ab. Doch das kommt gar nicht so selten vor.

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