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So sah die Tankstelle an der A66 aus, nachdem der Mann in eine Zapfsäule gerast war.

Prozess in Frankfurt

Mann rast in Tankstelle

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Im November 2014 läuft ein Autofahrer Amok. Die Angestellte einer Tankstellen bei Frankfurt-Höchst verhindert durch ihre schnelle Reaktion eine Katastrophe. Der Mann ist schizophren und wollte sich umbringen. Das Landgericht entscheidet nun über seine Unterbringung in der Psychiatrie.

Am 9. November beschloss Khaled H. laut Staatsanwaltschaft in einem „spontanen Impuls“, seinem Leben ein Ende zu setzen. Er versuchte dies auf so spektakuläre Weise, dass er kurzzeitig zum Stadtgespräch wurde. Seit Mittwoch steht er als Beschuldigter vor dem Landgericht. Ihm wird unter anderem versuchter Mord vorgeworfen.

H. ist kein Angeklagter, er leidet unter paranoider Schizophrenie und ist nicht schuldfähig. Seit dem Novembertag ist er in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht – der Prozess soll entscheiden, ob er dauerhaft dort bleiben muss.

Zumindest an diesem Tag war der damals 31 Jahre alte Mann nicht nur für sich, sondern auch für andere zweifellos eine massive Gefahr. Khaled H. ist mit seinem Bruder in Griesheim unterwegs, sie fahren durch die Waldschulstraße, er sitzt am Steuer des Chrysler, sein Bruder auf dem Beifahrersitz. Plötzlich reißt H. das Lenkrad nach links und fährt offenbar mit Suizidabsicht in den Gegenverkehr. Er rammt das Auto einer entgegenkommenden Frau, die bei dem Unfall verletzt wird, ebenso wie sein Bruder.

Spur der Verwüstung

Khaled H. lebt immer noch, er kommt mit leichten Blessuren davon. Ein Mercedes-Fahrer hält an, um zu helfen, er lässt den Schlüssel im Zündschloss stecken. H. steigt in den Wagen und fährt los.

Sein nächstes Ziel ist die Aral-Tankstelle auf der Autobahn 66 bei Höchst. H. rast mit dem frisch geklauten Mercedes auf das Tankstellen-Areal, fährt eine Zapfsäule um und schiebt zwei dort stehende Autos frontal in die Glasfassade des Verkaufsraums – die Tankstelle bietet anschließend ein Bild der Verwüstung und wird tagelang nicht mehr anfahrbar sein. Aber Khaled H. lebt immer noch.

Nun begibt sich der Amokfahrer zu einer der noch intakten Benzinsäulen – er will sich mit Sprit übergießen und anzünden. Die Geistesgegenwärtigkeit der Tankstellenkassiererin verhindert dies – sie drückt den Notknopf, der sofort die Benzinausgabe stoppt. Und Khaled H. lebt immer noch.

Auf die Autobahn gelaufen

Aber er kann oder will offenbar nicht aufhören. Jetzt läuft er sich zu Fuß auf die Autobahn, will sich dort überfahren lassen. Etliche Autofahrer können mit knapper Not dem auf der Straße herumirrenden Mann ausweichen, dann wird er von einem Auto angefahren. Aber Khaled H. lebt immer noch. Und rappelt sich wieder auf, um sich abermals überfahren zu lassen. Was von einem beherzten Zeugen verhindert wird, der auf die Straße läuft, sich den Mann schnappt und ihn so lange auf dem Seitenstreifen festhält, bis Helfer eintreffen.

Der erste Verhandlungstag am Landgericht bringt lediglich die Verlesung der Antragsschrift – eine Anklage gibt es mangels Schuldfähigkeit nicht. Nach einer kurzen Beratung wird der Verhandlungstag beendet – am Freitag geht es weiter, dann allerdings unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit. Es werden zu viele Dinge zur Sprache kommen, die das intime Seelenleben des Beschuldigten betreffen. Bislang sind sechs Verhandlungstage angesetzt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass H. auch weiterhin eine Gefahr für die Allgemeinheit sei. Der Beschuldigte selbst, der zur Tat keine Angaben machen will, macht vor Gericht zumindest keinen gefährlichen Eindruck. Der füllige Mann wirkt vielmehr müde – und unendlich traurig.

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