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Papiermodellbauer Frank Reuter.

Frankfurt

Ein Herz für Hochhäuser

Der Bastler und Frührentner Frank Reuter baut Frankfurt im Kleinen nach. Die Stadt übt eine besondere Faszination auf ihn aus.

Die winzigen Autos sind nur sechs Millimeter groß. „Aus Holz gesägt und mit Filzstift bemalt“, sagt Frank Reuter und nimmt eines davon vorsichtig in die Hand. In seinem Haus im niedersächsischen Northeim, nicht weit von der Landesgrenze zu Hessen entfernt, findet man diese Miniaturen inmitten von Frankfurts Wolkenkratzern. Nachgebaut im Maßstab 1:1000.

Der 54-jährige Frührentner lässt seit 1996 ganze Städte mit Hilfe von Papier und Kleber aufleben. Lineal, Schere und Cuttermesser sind seine technischen Hilfsmittel. Frankfurt übt eine besondere Faszination auf ihn aus. Bereits 2016 hat er das Bankenviertel detailgetreu nachgebaut, in diesem Jahr Teile des Messe- und Kongresszentrums und der neu entstehenden Hochhäuser am Messegelände. „Ich kenne niemanden, der dasselbe Hobby hätte“, sagt der Modellbauer. Oliver Elser, Kurator am Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt, bestätigt das: „In dem Umfang ist das sehr ungewöhnlich.“

„Die Faszination für Hochhäuser hat schon in meiner Kindheit begonnen“, erzählt Reuter. Damals habe er in einem Bilderlexikon das Empire State Building gesehen. Noch heute besitzt er das 1968 erschienene Buch, in dem auf Seite vier das New Yorker Hochhaus abgebildet ist. Seitdem begeistert sich der gelernte Uhrmacher für hohe Gebäude und außergewöhnliche Architektur. „Das Faszinierende sind die Glasfronten“, schwärmt er. Das Empire State Building hat er später auch aus Papier nachgebaut.

In seinem Wohnzimmer findet man ebenfalls das einst höchste Gebäude der Welt im Nachbau: das Singer Building in New York. Es steht schon rund 50 Jahre nicht mehr, hat für Reuter aber nichts an Attraktivität eingebüßt. Jahre hat er recherchiert, bis er mit dem Nachbau aus Holz im Maßstab 1:100 begonnen hat: „Mein Meisterwerk. Der Bau der 47 Etagen hat drei Jahre gedauert.“ Das 1,87 Meter hohe Werkstück ist sogar von innen beleuchtet.

Frankfurt im Kleinen

Schräg gegenüber erhebt sich auf zwei Tischen Frankfurts Skyline. Links das Bankenviertel, rechts die Friedrich Ebert-Anlage mit angrenzendem Messegelände. In beiden Projekten steckt rund ein Jahr Arbeit. „Zwei- bis dreimal im Jahr bin ich in Frankfurt“, erzählt Reuter. Dann nimmt er sich Zeit, um Baustellen zu besuchen und Fotos für sein Archiv zu machen.

Praktisch zu jedem Haus kann Reuter eine Geschichte erzählen, kennt Nutzung und Maße, Baujahr und Grundriss genau. Imposant sehen die Türme aus Papier aus: das Marriott Hotel, der Tower 185, die Frankfurter Messe, der Messeturm. Daneben der „Hammering Man“ des US-amerikanischen Künstlers Jonathan Borofsky. „Es war eine Idee meiner Frau Christine, ihn auch im Modell unterzubringen“, erzählt er. Maßstabsgetreu natürlich.

Der Bastler hat es sich auch nicht nehmen lassen, noch nicht vollendete oder geplante Bauprojekte zu realisieren wie Grand Tower, Millennium Tower und Eden. „Dafür habe ich Pläne, Architektenentwürfe und Modelle studiert“, sagt er.

Die Pläne für seine Modelle zeichnet Reuter aufwendig von Hand. „Am Millennium Tower habe ich nur zwei Tage gebaut, aber eine Woche mit Bleistift daran gezeichnet“, sagt er. Jeder Strich ist Millimeterarbeit. Wenn die Augen müde sind, legt er eine Pause ein. Oder geht in seine Werkstatt im Keller, um Papier zu falten. „Man braucht Geduld“, sagt Reuter, der ein Perfektionist ist. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn dann alles passt.“

Wolkenkratzer sind seine Leidenschaft. Und so ist es nicht verwunderlich, dass er die Reisen mit seiner Familie so plant, um einige zu bestaunen. „Wir waren in New York, Hongkong, Taipeh, Dubai“, zählt er auf. Oft sogar mehrfach. Für den Modellbauer sind diese Ausflüge in die weite Welt Höhepunkte. Modelle wie das vom berühmten Burj al Arab Hotel in Dubai sind Erinnerung an diese Reisen. Reuters nächstes Ziel: das Chrysler Building in New York im Maßstab 1:100 aus Holz. „Es ist ein Wunsch meiner Frau“, sagt er. Wo das rund 3,20 Meter hohe Gebäude in seinem Haus stehen wird, das muss er sich noch überlegen. Der Modellbauer träumt außerdem davon, einmal seine Modelle der Frankfurter Skyline in der Stadt am Main auszustellen. (dpa)

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